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Mehr Wildschweine in Bayern – mehr Ärger für Bauern | BR24

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In Bayern gibt es immer mehr Wildschweine. Darauf deuten die Zahlen der abgeschossenen Tiere. Eine Ursache: Der Klimawandel. Denn die milden Winter begünstigen das Überleben der Tiere.

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Mehr Wildschweine in Bayern – mehr Ärger für Bauern

2019 war ein gutes Jahr für Wildschweine in Bayern. Für manchen Bauer und Stadtrandbewohner ist das ein Grund zur Sorge. Der Klimawandel dürfte zugleich dafür sorgen, dass die Tiere sich von Franken weiter nach Süden ausbreiten.

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In Bayern gibt es immer mehr Wildschweine - darauf deutet die Zahl der von Jägern in den Bayerischen Staatsforsten erlegten Tiere hin: Fast 8.700 Schweine wurden dort bis Ende November geschossen. Das sind fast 1.000 Tiere mehr als im Jahr 2017, das Jahr mit der bislang höchsten Abschussquote. Die Staatsforsten bewirtschaften 30 Prozent der Waldfläche im Freistaat, davon viel Bergwald ohne Schwarzwild. Mehr als die Hälfte der bayerischen Wälder sind in Privatbesitz.

Genaue Zahlen gibt es dort noch nicht. Aber aus dem digitalen Wild-Monitoring des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) lassen sich belastbare Daten ableiten, wie Max-Peter von Montgelas vom BJV erläutert: "Mit unserem Schwarzwildmonitoringssystem erkennen wir, dass wir wieder Rekordstrecken von bis zu 95.000 Wildschweinen oder gar mehr erhalten werden."

Zum Vergleich: Vor fünfunddreißig Jahren wurden jährlich 10.000 Wildschweine, die in Bayern jährlich erlegt wurden. Doch seitdem nehmen die Population einerseits und die Abschüsse andererseits stetig zu.

💡 Was sind die Staatsforsten?

Die Staatsforsten sind eine Anstalt des öffentlichen Rechts im Eigentum des Freistaats Bayern. Sie bewirtschaften den gesamten bayerischen Staatswald. Dieser ist insgesamt 808.000 Hektar groß, 2.700 Beschäftige kümmern sich um ihn. Es wachsen jedes Jahr 6,1 Millionen Kubikmeter Holz darauf.

Deutlich mehr Tiere im milden Franken

Der Großteil der bayerischen Wildschweine streift durch Franken. Dort leben laut dem Bayerischen Jagdverband mancherorts 5.000 Tiere pro Landkreis, während es in Oberbayern Landkreise mit weniger als 100 Wildschweinen gibt.

Als Grund für die regionalen Unterschiede aber auch den Wildschwein-Aufschwung geben die Bayerischen Staatsforsten den Klimawandel an. So kämen die Tiere mit dem verschneiten oberbayerischen Winter weniger gut klar und seien daher dort deutlich weniger verbreitet. Gute Überlebenschancen hätten Wildschweine dagegen in milden Wintern wie dem vergangenen. Diese würden durch den Klimawandel allgemein häufiger - auch im Süden Bayerns.

Der Klimawandel hat auf die Wildschwein-Population in Bayern allerdings nicht nur einen positiven Effekt. So überleben die Tiere in den milderen Winter zwar öfter, zugleich sorgen aber Dürreperioden im Sommer wiederum für den Tod vieler Wildschweine. Nicht so im vergangenen Jahr: Neben den Wintertemperaturen war 2019 laut den bayerischen Staatsforsten auch die Nahrungsversorgung für die Tiere und ihren Nachwuchs besser als sonst. Es gab viele Eicheln und Bucheckern.

Tiere verwüsten Äcker und teils auch mehr

Was manchen Tierfreund freuen mag, ist jedoch zugleich ein Problem für Landwirte. Wildschweine hinterlassen auf Streifzügen durch Äcker oft ein Bild der Verwüstung und fressen Teile der Ernte auf. Laut dem bayerischen Landwirtschafts- und Forstministerium gab es diese Art von Schäden 2019 deutlich häufiger als sonst. Mancherorts gelten die Tiere gar als Plage, wie die "Main-Post" aus Unterfranken berichtet, wo besonders viele Wildschweine leben. Neben Schäden auf Feldern fürchten Bauern dort auch die afrikanische Schweinepest, die Wildschweine auf Mastschweine übertragen und zu massiven Verlusten führen könnten.

Hinzu kommt, dass die Tiere sich zunehmend nicht mehr nur in Wald und Äckern wohlfühlen. Bernhard Rückert von der städtischen Forstverwaltung Lohr am Main (Landkreis Main-Spessart) berichtet, dass Wildschweine sich zunehmend auch in Städten versuchten: "Sie gehen weiter rein in die Städte, aber nur in den Randbereich.“ Die Tiere fühlen sich laut seiner Einschätzung dort sicher, da dort nicht gejagt werde. Ein weiterer Grund für die Landflucht der Schweine sei zudem Hunger. Sind die Felder im Herbst abgeerntet, wartet in den Städten oft noch Nahrung in Beeten oder auch im Abfall.

An den Stadträndern würden Wildschweine daher schon einmal Gärten verwüsten oder Zäune kaputtmachen, sagt Rückert. Manchmal gehen die Tiere sogar noch ein wenig weiter. So gab es 2019 auch Meldungen von Wildschweinen in Bäckerei-Verkaufsräumen, in niederbayerischen Wohnungen oder auf auch Autobahnen.

Wie man bei Begegnung mit einem Wildschwein reagieren sollte

Wer einem Wildschwein begegnet, sei es in der Zivilisation oder im Wald, sollte Ruhe bewahren. Das Tier braucht die Möglichkeit, zu fliehen. Spaziergänger oder Waldbesucher sollten sich im Fall einer Begegnung dem Wildschwein nicht in den Weg stellen. Ist das Tier bereits im Angriffsmodus, was sich etwa durch lautes Schnaufen, Zähneklappern und einen aufgestellten Schwanz äußert, sollten man sich großmachen und laut werden, etwa in die Hände klatschen, und das Tier so in die Flucht treiben.

Besondere Vorsicht ist geboten bei einem Tier mit Frischlingen. Muttersäue verteidigen ihre Kinder bis aufs Letzte. Man sollte daher auf keinen Fall versuchen, kleine Wildschweinjunge zu streicheln. Egal wie süß sie auch aussehen mögen.