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Mehr Solarparks auf bayerischen Äckern | BR24

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Wirtschaftsminister Aiwanger will noch mehr Solarparks auf landwirtschaftlichen Flächen in Bayern erlauben. Dies hat er in einem Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk angekündigt.

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Mehr Solarparks auf bayerischen Äckern

Mehr Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen hatte die Staatsregierung lange abgelehnt. Seit geraumer Zeit aber unterstützt Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger die Solarprojekte. Nun will er das Thema weiter forcieren.

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Bayern hat dieses Jahr sein Kontingent für Solarparks auf landwirtschaftlichen Flächen bereits mehr als verdoppelt. Im Gespräch mit dem BR hat Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) angekündigt, 2020 noch mehr Photovoltaik auf Äckern zu ermöglichen.

Hintergrund ist die für bayerische Projekte sehr erfolgreiche Oktober-Ausschreibung der Bundesnetzagentur für Photovoltaik-Freiflächenanlagen: Von 153 Megawatt neuer Solarleistung entstehen 130 Megawatt im Freistaat. Das entspricht 85 Prozent.

Aiwanger sieht seine Politik bestätigt

Aiwanger fühlt sich dadurch bestätigt, er hat per Verordnung heuer 70 statt 30 Solarprojekte auf landwirtschaftlichen Flächen im Freistaat erlaubt. Dem BR sagte Aiwanger:

"Wir wussten natürlich nicht, ob wir überhaupt den Zuschlag bekommen. Aber wenn wir jetzt diesen Super-Zuschlag haben, da ist meine Erwartung fast übererfüllt. Und dann muss ich ganz klar sagen, dränge ich darauf, dass wir nächstes Jahr noch mehr Photovoltaik machen. Das Potenzial ist da. Bayern hat die höchste Sonneneinstrahlung in ganz Deutschland." Hubert Aiwanger, bayerischer Wirtschaftsminister

Grüne wollten die Äcker schon länger für mehr PV öffnen

Die insgesamt 19 Solarpark-Projekte, die in Bayern jetzt einen Zuschlag bekamen, liegen verteilt im ganzen Freistaat: in den Landkreisen Aichach-Friedberg, Fürth, Haßberge, Lichtenfels, Altötting, Weißenburg-Gunzenhausen, Eichstätt, Nürnberger Land, Coburg, Passau, Roth, Schwandorf, Rottal-Inn und Ansbach. Die besten Böden sind für Freiflächen-Photovoltaikanlagen tabu, sie dürfen nur in sogenannten landwirtschaftlich benachteiligten Gebieten errichtet werden.

Die Grünen hatten schon länger darauf gedrängt, mehr Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen zu erlauben, was die Staatsregierung lange ablehnte. Im Frühjahr war Aiwanger jedoch umgeschwenkt.

Boom bei Solarparks, Flaute bei der Windkraft

Während also bei großen Solar-Freiflächenanlagen im Freistaat eine Art Boom bevorsteht, sieht es bei der Windenergie ganz anders aus. Unter den bezuschlagten Projekten bei der Oktober-Windkraft-Ausschreibung liegt kein einziges im Freistaat.

Seit Jahren bekommen Erneuerbare-Energien-Projekte keine festen Einspeisevergütungen mehr, sondern müssen sich in Ausschreibungen der Bundesnetzagentur durchsetzen. Dabei bekommen jeweils die Bieter den Zuschlag, die für ihren Strom den niedrigsten Kilowattpreis verlangen. Die Preise für Sonnenstrom sinken dabei immer weiter. Bei den Freiflächen-Photovoltaikanlagen dieser Ausschreibungsrunde kostet eine Kilowattstunde noch durchschnittlich 4,9 Cent, bei der Vorrunde vor einigen Monaten waren es noch 5,5 Cent.

Bayerische Bauernverband reagiert skeptisch

Der Bayerische Bauernverband reagiert jedoch skeptisch auf die Ankündigung von Wirtschaftsminister Aiwanger, noch mehr landwirtschaftliche Flächen für Solarparks freizugeben. Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks schrieb BBV-Sprecher Markus Drexler, der Bauernverband könne sich zwar eine "maßvolle Aufstockung" der Anzahl von Projekten auf Ackerland vorstellen. "Allerdings bestehen auch erhebliche Sorgen, dass bei den Ausschreibungen nur große, nicht ortsansässige Projektierer oder finanzkräftige Investoren zum Zug kommen, die keine Wertschöpfung für den ländlichen Raum bringen und sowohl bei Landwirten wie auch bei Bürgern auf Kritik stoßen werden."

Zur Sicherung von Akzeptanz und Wertschöpfung im ländlichen Raum könnten nach Ansicht des Bauernverbands etwa genossenschaftliche Bürgeranlagen beitragen. Außerdem verlangt der Bauernverband, dass bei großen PV-Anlagen die Belange der örtlichen Bauern berücksichtigt werden. Es sei zum Beispiel zum Beispiel zu vermeiden, dass Tierhaltungsbetrieben notwendige Futterflächen entzogen werden. Bevor das Kontingent an Solaparks auf Äckern erweitert wird, verlangt der Bauernverband überdies eine Evaluierung der bisherigen Regeln, die Staatsregierung habe das bereits zugesagt.