BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern

Vor dem Tafelladen in Erlenbach am Main stehen Geflüchtete aus der Ukraine an.

Bildrechte: BR/Phillip Syvarth
18
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Mehr Kunden, weniger Spenden: Die Tafel in Zeiten des Krieges

Ukrainische Geflüchtete, die auf die Lebensmittelspenden angewiesen sind: In Erlenbach am Main stehen seit Wochen täglich rund 80 Menschen mehr vor dem Tafelladen an als sonst. Ein großes Problem: Die Supermärkte spenden weniger.

Von
Phillip SyvarthPhillip SyvarthBR24  RedaktionBR24 Redaktion
18
Per Mail sharen

Es ist erst neun Uhr morgens, doch Renate Kirchgessners Gesicht ist schon jetzt schweißnass. Denn es ist warm, die FFP2-Maske sitzt eng und Dutzende Menschen warten auf sie: ukrainische Geflüchtete, die im MartinsLaden kostenfrei einkaufen wollen. Dieses Angebot der Caritas, die den Laden führt, ist neu: "Die Geflüchteten dürfen mittwochs kommen", erklärt Renate Kirchgessner, "und sie müssen keinen Obolus entrichten. Bis zum 30. Juni dürfen sie kostenlos wöchentlich einkaufen."

Ab Juli müssen Geflüchtete etwas zahlen

Bis Juli lässt der MartinsLaden ukrainische Geflüchtete kostenfrei einkaufen, weil es eine Zeit dauere, bis sie die Sozialleistungen vom Staat beziehen könnten. Ab Juli müssten die Geflüchteten dann, wie die reguläre Kundschaft des Ladens, einen symbolischen Geldbetrag für die Lebensmittel zahlen. Die unterschiedliche Behandlung von Geflüchteten und anderen Hilfsbedürftigen führe aktuell nicht zu Problemen: "Wir teilen die Ware so auf, dass jeder genügend bekommt", meint Renate Kirchgessner. "Noch haben wir ja genug Ware. Anders sieht es aus, wenn wir nicht mehr so viel Ware haben."

Weniger Spenden für die Tafel

Zu wenig Ware für alle Hilfsbedürftigen – eine Sorge im MartinsLaden, die gut begründet ist. Denn im Laden stelle man fest, dass die Spendenbereitschaft zurückginge. "Schon seit Wochen haben wir weniger Waren", so Kirchgessner. Auch die großen Supermärkte würden ihre Ware seit Beginn des Ukraine-Kriegs gezielter einkaufen und anders haushalten. Dadurch blieben weniger Lebensmittel übrig, die im MartinsLaden landen. Aktuell könnten noch alle Hilfsbedürftigen bedient werden.

Sprachbarrieren erschweren die Kommunikation

Eine weitere Herausforderung, die neu für die Ehrenamtlichen ist: die Sprachbarriere. Deswegen freut sich das Team ganz besonders über Olga. Sie ist neu im Tafelladenteam und spricht russisch. Olga kommt aus Kasachstan und wohnt seit vielen Jahren in Deutschland. Auch sie hat das Hilfsangebot selbst in Anspruch genommen. Dann hat sie mitbekommen, dass Hilfe benötigt wird. "Ich übersetze hier, das ist meine Aufgabe. Manche Begriffe kennen die Geflüchteten schon, zum Beispiel Zucker oder Käse, aber eben nicht alles." Immer wieder wird Olga angesprochen oder muss zwischen Ehrenamtlichen und Geflüchteten übersetzen.

Die Tafel als Ort des Austauschs

Dass deutschlandweit inzwischen über 610.000 Geflüchtete aus der Ukraine registriert wurden, bemerken auch die Ehrenamtlichen in Erlenbach am Main. Inzwischen ist ihr Laden zu einem Ort des Austausches geworden. Eine geflüchtete Mutter von neun Kindern, die an diesem Tag auch im MartinsLaden einkauft, macht das ganz deutlich – Olga übersetzt: "Sie möchte Menschen helfen, die zum ersten Mal da sind und noch nicht so viel zur Lage hier wissen. Zum Beispiel erklärt sie ihnen, wo Schulsachen gespendet wurden und wo es weitere Hilfe gibt."

Für die Arbeit im MartinsLaden sucht die Caritas weiterhin nach Ehrenamtlichen.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

Sendung

Frankenschau aktuell

Schlagwörter