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"Mehr"-Konferenz – Kirche als Pop-Event? | BR24

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In Augsburg findet gerade die ökumenische Glaubenskonferenz "Mehr" statt. Rund 12.000 Christen aus Deutschland und auch aus dem Ausland nehmen teil.

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"Mehr"-Konferenz – Kirche als Pop-Event?

Rund 12.000 Gläubige feiern in den Augsburger Messehallen auf der "Mehr"-Glaubenskonferenz den christlichen Glauben. Neben Vorträgen und Gebeten finden auch Konzerte statt. Kirchliche Kritiker sprechen von einem "Massenevent".

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Riesige LED-Leinwände und Lichtreflektionsflächen, Kunstnebel und dröhnender Bass – mehr als 12.000 Teilnehmer lobpreisen auf der "Mehr"-Konferenz mit modernsten Mitteln der Technik. Prominente wie Samuel Koch, der bei der Sendung "Wetten, dass.. ?" stürzte und nun als Schauspieler arbeitet, geben Zeugnis von ihrem Glauben. Alle zwei Jahre findet die Glaubenskonferenz in Augsburg statt. Organisiert wird die viertägige Veranstaltung vom Gebetshaus Augsburg, einem privaten Verein, dessen Mitglieder seit 2011 ununterbrochen beten - 24 Stunden, sieben Tage die Woche.

Emotionale Botschaften flankiert mit Bibelzitaten

Der Leiter des Gebetshauses und Organisator der "Mehr"-Konferenz ist Johannes Hartl. Der 41-Jährige gilt als Publikumsmagnet der "Mehr"-Konferenz, an den Verkaufsständen werden Bücher, CDs und Predigten des promovierten katholischen Theologen verkauft. In seinen Predigten greift Hartl aktuelle Themen auf und verkürzt sie zu emotionalen und einfachen Botschaften, flankiert mit Bibelzitaten. Von den Anhängern wird er bewundert, Theologen werfen ihm eine zu simple Einteilung der Welt in Gut und Böse vor. Auf der "Mehr"-Konferenz sagt Hartl Sätze wie: "Spaltung, Lüge und Scham - diese drei Dinge sind auch aktiv im Herzen jedes Menschen. Wenn die Lüge, die Scham und die Spaltung im menschlichen Herzen oder in der ganzen Gesellschaft überhandnehmen, dann ist das die Hölle."

Digitaler Erfolg des Gebetshauses

Seine Videos und Texte erreichen über Onlinekanäle wie Youtube, Instagram und Facebook laut Angaben des Gebetshauses jährlich mehr als 450.000 Menschen, die meisten davon Jugendliche und junge Erwachsene. Der Gründer des Gebetshauses sieht seine Initiative dennoch als Teil der kirchlichen Tradition. Schließlich gebe es im digitalen Zeitalter auch neue, digitale Formen des Glaubens, so Hartl.

© BR/Johannes Reichart

Rund 12.000 Gläubige feiern in den Augsburger Messehallen auf der "MEHR"- Glaubenskonferenz den christlichen Glauben. Neben Vorträgen und Gebeten finden auch Konzerten statt. Kirchliche Kritiker sprechen von einem "Massenevent".

Kirchenexperten: Massenevents nicht authentisch

Lichtermeer, fetzige Gitarrenakkorde und eindringliche Melodien: Katholische Wissenschaftler wie der Augsburger Dogmatiker Thomas Marschler zweifeln, ob Massenevents wie die "Mehr"-Konferenz den christlichen Glauben authentisch vermitteln können:

"Die Frage ist schon, ob die Teilnehmer am Ende vorwiegend den Eindruck mitnehmen, ein schönes Pop-Konzert gehört zu haben, oder ob die Botschaften, die durch die Texte vermittelt werden, auch tatsächlich ankommen." Thomas Marschler, katholischer Priester und Professor für Dogmatik

Offensichtlich trifft Hartl jedoch den Ton vieler jungen Leute: Während die Kirchenbänke zahlreicher katholischer und evangelischer Gemeinden immer leerer werden, ist die "Mehr"-Konferenz mit insgesamt 12.000 Teilnehmern schon seit Wochen ausverkauft.

Bistum Augsburg: Kein Problem mit dem Gebetshaus

Zum Abschluss der viertägigen Glaubenskonferenz feiern die Teilnehmer mit dem Kurienkardinal Kurt Koch aus Rom eine katholische Eucharistiefeier. Auch der Augsburger Weihbischöf Florian Wörner hat das Treffen besucht. Bereits vor zwei Jahren hatte die Diözese öffentlich erklärt, nach eingängiger Prüfung zu dem Schluss gekommen zu sein, "dass im Gebetshaus nichts gelehrt und verkündet wird, was im Gegensatz zur Lehre der katholischen Kirche steht." Das Gebetshaus verstehe sich nicht als Ersatz für eine Gemeinde oder andere Gemeinschaft, so weiter in der Erklärung des Bistums, daher wolle man die Entwicklung weiter "begleiten".