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Krankenhaus-Flur (Symbolbild)

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    Mehr Kliniken in Bayern – und auch mehr Ärzte

    Klinik-Schließungen sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Die Statistik allerdings zeigt: In Bayern sind in den vergangenen Jahren mehr Kliniken eröffnet als geschlossen worden. Die Krankenhausgesellschaft sieht dahinter aber einen Sondereffekt.

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    Von
    • Nikolaus Nützel

    Die Kurve, die die Zahl der Kliniken in Deutschland beschreibt, zeigt klar nach unten: ein Rückgang um 20 Prozent in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Anders sieht es in Bayern aus. Auch hier schrumpfte die Zahl der Kliniken über viele Jahre hinweg, von 381 im Jahr 1990 bis zum Tiefstand von 343 im Jahr 2012. Seitdem ist sie aber wieder gestiegen – um knapp neun Prozent auf zuletzt 373.

    Sondereffekt erklärt steigende Zahlen

    Der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG), Roland Engehausen, sieht dahinter aber spezielle Ursachen. Es würden zwar in Bayern immer wieder Kliniken dichtgemacht. So zählt das "Bündnis Klinikrettung" alleine für das Jahr 2020 Schließungen in Parsberg, Waldsassen, Vohenstrauß und Fürth auf. Gleichzeitig würden aber vor allem im Ballungsraum München kleinere Fachkliniken neu gegründet, die ein sehr spezielles Versorgungsangebot abdecken würden, das sich betriebswirtschaftlich lohne, erklärt Engehausen. Für die normale Regel- und Grundversorgung stünden solche Kliniken allerdings nur eingeschränkt zur Verfügung.

    Probleme für Grundversorger

    Kliniken, die sich breit gefächert um die Gesundheitsprobleme der Bevölkerung kümmern, hätten nämlich weiter oft Finanzprobleme, heißt es von der Krankenhausgesellschaft. Denn das Vergütungssystem nach sogenannten Fallpauschalen, das vor rund 20 Jahren eingeführt wurde, hat nach Ansicht der BKG einen Konstruktionsfehler: Die Fallpauschalen berücksichtigten nicht ausreichend die Kosten, die es mit sich bringe, etwa eine Geburtsstation oder eine Notaufnahme zu betreiben, bei denen sich nicht planen lasse, wie intensiv sie genutzt würden.

    Schon vor der Corona-Pandemie gab in einer Umfrage der BKG über die Hälfte der Kliniken bekannt, dass sie Verluste machen würden. Dieser Anteil dürfte sich durch die Krise erhöht haben, heißt es von der Krankenhausgesellschaft.

    Deshalb wünscht sich der BKG-Geschäftsführer, dass in den nächsten Monaten noch stärker über eine Reform der Krankenhausfinanzierung diskutiert wird. Ziel müsse es sein, über sogenannte Vorhaltepauschalen auch die Kliniken ausreichend mit Geld auszustatten, die sich um die allgemeine Versorgung der Bevölkerung kümmern.

    Auch Zahl der Ärzte steigt weiter

    Auch in einem anderen Bereich der Gesundheitsversorgung zeigt die Kurve in Bayern nach oben: Die Zahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte ist vergangenes Jahr um 2,4 Prozent gestiegen. Über zehn Jahren summiert sich das Plus auf knapp 20 Prozent. Besonders stark ist der Zuwachs in den Krankenhäusern. Dort gibt es heute um ein Drittel mehr ärztliches Personal als vor zehn Jahren.

    Kammer fordert weiteren Zuwachs

    Der Präsident der bayerischen Landes-Ärztekammer, Gerald Quitterer, wünscht sich einen weiteren Zuwachs. Denn es gebe immer mehr Teilzeitstellen, sagt Quitterer. Außerdem sei glücklicherweise die Zeit der 80-Stunden-Woche in Kliniken vorbei. Weil inzwischen auch in den Kliniken die Arbeitszeitgesetze eingehalten würden, gäbe es weniger Überstunden. Und deshalb müssten mehr Arztstellen geschaffen werden.

    Auch bei den Praxisinhabern ist die Arbeitszeit nach Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zuletzt gesunken, von rund 56 auf etwa 50 Stunden in der Woche. Es sei auch im Interesse der Patienten, wenn Ärzte auf ein ausgewogenes Verhältnis von Freizeit und Beruf achten würden, sagt Bayerns Ärztepräsident Quitterer. Deswegen hält er an der Forderung fest, dass zusätzliche Medizinstudienplätze geschaffen werden müssen.

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