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Mehr Freiheit erwünscht: Tierschutz in der Schweinehaltung | BR24

© picture alliance / Zoonar / Maria Gabriela Bertolini

Symbolbild: Schweinezucht

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    Mehr Freiheit erwünscht: Tierschutz in der Schweinehaltung

    Über Wochen werden Zuchtsauen in engen Käfigen gehalten, können ihre Gliedmaßen teilweise nicht ausstrecken. Ein Gerichtsurteil hatte bereits 2015 den Verstoß gegen den Tierschutz bestätigt. Im Bundesrat wird nun über Verbesserungen entschieden.

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    In den sogenannten Kastenständen können sich die Muttersauen nur wenig bewegen. Sie sind so eng eingepfercht, dass nur ein Schritt nach vorne oder hinten geht. Umdrehen ist nicht möglich. So soll verhindert werden, dass die großen Schweine nach der Geburt ihre Ferkel erdrücken. Bisher ist es üblich, die Sauen bis zu 35 Tage rund um das sogenannte Abferkeln im Kastenstand zu fixieren.

    Sauen können Gliedmaßen teilweise nicht ausstrecken

    Außerdem werden die Sauen immer dann für mehrere Wochen in einem Kastenstand gehalten, wenn sie künstlich besamt werden. Dabei können sie beim Hinlegen oft nicht ihre Füße komplett ausstrecken, ohne gegen den Körper einer anderen Sau zu stoßen. Diese Praxis im Deckzentrum ist unzulässig, hat das Oberverwaltungsgericht des Landes Sachsen-Anhalt im sogenannten "Magdeburger Urteil" 2015 festgelegt. Denn schon seit 1992 müsste es jeder Sau nach der Nutztierhaltungsverordnung möglich sein, die Gliedmaßen ohne Hindernisse auszustrecken.

    Vor ein paar Monaten hat das Bundeslandwirtschaftsministerium eine neue Verordnung eingebracht, um die seitdem heftig gestritten wird. Im Bundesrat soll heute unter anderem über einen Kompromissvorschlag entschieden werden.

    Übergangszeit von acht Jahren für Kastenstände

    Die derzeitigen Kastenstände beim Besamen sollen demnach noch acht Jahre bestehen bleiben können, solang keine baulichen Hindernisse das Ausstrecken der Gliedmaßen beeinträchtigen. Eine andere Sau im Kastenstand daneben ist aber für die achtjährige Übergangszeit weiter zulässig. Außerdem sollen die Sauen nach der Übergangszeit statt mehrerer Wochen nur noch fünf Tage dort eingesperrt werden können.

    Für die Kastenstände, in denen die Mutterschweine nach der Geburt mit den Ferkeln stehen, soll es ebenfalls Änderungen geben, zum Beispiel mehr Platz und nur noch kurze Zeiten im Kastenstand.

    Ferkelerzeuger sind verunsichert

    Tierschutzverbände sprechen von einem faulen Kompromiss. Nun nochmal acht Jahre zu warten bis eine Regelung von 1992 wirklich umgesetzt wird, sei nicht nachvollziehbar, so die Tierschützer. Schweinehalter sind derweil verunsichert, weil sie bereits so lange warten mussten, bis sich die Landwirtschaftsminister auf rechtsgültige Normen für Schweineställe einigen. In den vergangenen fünf Jahren wussten sie nicht, wie sie ihre Ställe gestalten müssen, damit sie auch künftig noch den Tierschutzvorschriften genügen. Auf die Landwirte kommen hohe Umbaukosten zu. Das Bundeslandwirtschaftsministerium schätzt die nötigen Investitionen für den Umbau der Schweineställe nach der Verordnung auf rund 1,1 Milliarden Euro.

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