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Mehr Fälle rechter Gewalt und Diskriminierung in München | BR24

© picture alliance/Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Demonstranten der rechten Szene

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    Mehr Fälle rechter Gewalt und Diskriminierung in München

    In München suchen immer mehr Menschen Hilfe, weil sie Opfer von rechter, rassistischer Gewalt und Diskriminierung geworden sind. Der Bilanz der Beratungsstelle "Before" zufolge haben sich 2019 fast 400 Menschen an die Anlaufstelle gewandt.

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    Sie wurden in München Opfer von rechter und rassistischer Gewalt und Diskriminierung. Insgesamt wandten sich 2019 fast 400 Personen an die Beratungsstelle "Before", weil sie in der Arbeit oder im privaten Umfeld diskriminiert oder weil sie körperlich angegriffen, beleidigt oder bedroht worden sind. Das geht aus der Jahresbilanz der Beratungsstelle hervor. Unter den Hilfesuchenden befanden sich auch neun Kinder unter zwölf Jahren und 17 Jugendliche. Im Vorjahr hatten rund 300 Personen Hilfe bei "Before" gesucht.

    Sprunghafter Anstieg von Hilfesuchenden

    Der deutliche Anstieg an Beratungsfällen liege einerseits daran, dass "Before" als Anlaufstelle für Betroffene von Diskriminierung, Rassismus und rechter Gewalt immer bekannter werde und sich deshalb mehr Menschen meldeten, andererseits steige aber auch die Zahl der Übergriffe, betonte "Before"-Sprecher Damian Grothen.

    Polizei nimmt Opfer oft nicht ernst

    In den meisten Fällen ist Rassismus die Ursache der Angriffe, Menschen werden aber auch etwa wegen ihrer sexuellen Orientierung, ihrer politischen Haltung oder Religion attackiert. Höchst problematisch sei in diesem Zusammenhang oftmals das Verhalten der Behörden, insbesondere der Polizei, kritisiert die Opferberatungsstelle. Taten würden verharmlost und die Opfer nicht ernst genommen. Bei fast der Hälfte der Übergriffe, die bei "Before" gemeldet würden, habe sich die Polizei geweigert, diese als politisch motiviert anzuerkennen und entsprechend zu verfolgen. Das sei ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen :

    "Die Sicht der Betroffenen muss ernst genommen und die Sensibilisierung der Behörden endlich verbessert werden!" Damian Grothen, "Before"

    "Before" betreut Opfer der Attentate von München

    Immerhin hätten die bayerischen Sicherheitsbehörden im vergangenen Jahr endlich den politischen Hintergrund des Attentats am Olympia-Einkaufszentrum 2016 eingeräumt, sagt Grothen."Before" betreut mehrere Hinterbliebene der insgesamt neun Ermordeten. Die Beratungsstelle kümmert sich zudem um zahlreiche Betroffene des Oktoberfest-Attentats von 1980, für die die Stadt München erst vor Kurzem einen eigenen Entschädigungsfonds eingerichtet hat, der von "Before" verwaltet wird.

    Mehr extreme Täter im Internet

    Eine deutliche Zunahme von Bedrohungen und Beleidigungen gibt es laut "Before" im Internet. Rassisten und extreme Rechte veröffentlichen dort Hasskommentare, Falschverdächtigungen oder auch die Namen und Adressen von politischen Gegnern.

    "Der Anschlag in Hanau hat ein Mal mehr deutlich gemacht, welche tödliche Gefahr für Menschen von Rassismus und anderen Formen der Abwertung ausgeht." Christian Ude, Vorsitzender von "Before"

    Der frühere Münchner Oberbürgermeister sagte, die Lage sei inzwischen noch dramatischer als bei der Einrichtung der Opferberatungsstelle vor vier Jahren.

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