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Ärzte bereiten sich auf das Betreten der Covid-Station im Krankenhaus Agatharied vor, aufgenommen am 22.04.20.

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    Mehr Corona-Infektionen in Bayern: "Lage spitzt sich zu"

    Angesichts von zuletzt rund 5.000 Corona-Neuinfektionen pro Tag in Bayern warnt Staatskanzlei-Chef Herrmann vor einer Überlastung des Gesundheitssystems. Und die Sozialministerin stellt klar: Bei häuslicher Gewalt darf man das Haus verlassen.

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    Von
    • Maximilian Heim
    • Ute Rauscher

    Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) und Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann (CSU) haben im Landtag angesichts hoher Corona-Infektionszahlen im Freistaat eindringlich vor einer Überlastung des Gesundheitssystems gewarnt. Laut Herrmann gab es zuletzt innerhalb eines Tages in Bayern 4.983 Neuinfektionen sowie 105 weitere Todesfälle.

    "Dieses Virus folgt weder dem Kirchenjahr ,noch unseren persönlichen Plänen", sagte Herrmann bei einer Regierungsbefragung durch die Abgeordneten. Das Format kam heute zum zweiten Mal zum Einsatz. Die Abgeordneten im Landtag sollen sich so direkt bei den Ministern informieren können und damit besser in die Corona-Beratungen eingebunden werden. Herrmann appellierte erneut an die Bevölkerung, die Zahl ihrer Kontakte zu reduzieren.

    Huml: Lage in Krankenhäusern spitzt sich zu

    Gesundheitsministerin Huml betonte: "Aktuell spitzt sich die Lage in den Krankenhäusern zu." In einigen bayerischen Regionen kämen die Intensivstationen bereits an ihre Belastungsgrenze. Die Ministerin verwies auf rund 3.300 Corona-Patienten, die aktuell im Freistaat auf Allgemeinstationen behandelt würden. Davon liegen demnach 663 Patienten in Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit - vor zwei Monaten waren es laut Huml noch 55. Noch gebe es aber Kapazitäten in den Kliniken, versicherte Huml.

    Um die angespannte personelle Situation in Kliniken und Heimen zu entzerren, kündigte Huml an, neu für den sogenannten Pflegepool zu werben. Menschen aus den Bereichen Pflege, Anästhesie, Labor, Geburtshilfe und Hauswirtschaft könnten sich demnächst über ein Online-Portal melden. Um sicherzustellen, dass Pflegepersonal nach dem Weihnachtsurlaub nicht infiziert am Arbeitsplatz erscheint, verwies die Gesundheitsministerin auf die nun regelmäßigen Tests in Heimen - künftig müssen sich alle Mitarbeiter mindestens zweimal wöchentlich testen lassen.

    Piazolo: Unterricht in jedem Fall möglich

    Kritischen Fragen musste sich vor allem Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) stellen. Er sei offenbar vom Einstieg in den Wechselunterricht überrascht worden, mutmaßte der Bildungsexperte der Grünen-Fraktion, Thomas Gehring. "Sie haben diesen Wechselunterricht nicht vorbereitet", warf er dem Kultusminister vor. Piazolo sei durch die Ankündigung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) "offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden".

    Piazolo wiederum rechtfertigte erneut das Vorgehen bei der jüngsten Umstellung auf Wechselunterricht für rund eine halbe Million Schülerinnen und Schüler. Auch wenn die Lernplattform "Mebis" am ersten Tag teils ausgefallen war, seien die Schulen gut gerüstet. "Vieles funktioniert, manches ruckelt - und das ist ganz normal", sagte Piazolo. Die Lehrkräfte seien mit einer großen Bandbreite an Tools vom Messenger Dienst über die Software "Microsoft Teams" bis zum Telefon ausgestattet, sodass der Unterricht in jedem Fall möglich sei.

    Piazolo: FFP2-Masken nicht ständig erforderlich

    Kritik gab es auch für die bisherige Ausstattung der bayerischen Lehrkräfte mit FFP2-Masken. Auf den Vorwurf der SPD-Fraktion, umgerechnet zwei Masken pro Lehrkraft seien viel zu wenig, meinte der Schulminister, es sei nicht erforderlich, dass Lehrer diese Masken ständig tragen. In der Regel könne ein Abstand von eineinhalb Metern gewährt werden. Außerdem stellte Piazolo eine zweite Tranche nach den Weihnachtsferien in Aussicht.

    Schreyer: ÖPNV so sicher wie möglich

    Wechselunterricht und Home-Office würden den Öffentlichen Nahverkehr weiter entlasten, sagte Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU). Auf die Frage der FDP-Fraktion, wie Fahrgäste besser geschützt werden könnten, erläuterte Schreyer, es sei alles getan um die Fahrt in Bus und Bahn so sicher wie möglich zu machen. Bei einer Auslastung von 40 Prozent seien zudem alle Verkehrsmittel im Einsatz. Auch bei den Verstärkerbussen für Schülerinnen und Schüler ist die Ministerin zufrieden: 700 Busse habe man zur Verfügung gestellt - mit Fahrer. 400 seien bislang abgerufen worden.

    Im Anschluss an die Befragung kritisierte Sebastian Körber, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, die Aussagen der Ministerin. "Die laxe Aussage von Frau Schreyer, dass es keine wissenschaftlichen Tests gebe, wieso man in überfüllten Bussen und Bahnen zwingend FFP2-Masken benötige, lässt mich sprachlos zurück", teilte Körber mit.

    Trautner: Bei häuslicher Gewalt aus dem Haus gehen

    Nach wie vor schwierig bleibt die Situation in der Corona-Pandemie derweil für Jugendliche. Sozialministein Carolina Trautner (CSU) versprach allerdings, dass die Mitarbeiter trotz geschlossener Freizeiteinrichtungen Kontakt zu den Jugendlichen halten würden. Und mit Blick auf die Gefahr häuslicher Gewalt in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen oder gar Ausgangssperren betonte Trautner: Häusliche Gewalt sei auf jeden Fall ein triftiger Grund, um das Haus zu verlassen und sich Hilfe zu suchen.

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