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Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Anträge von werdenden Eltern auf Präimplantationsdiagnostik in Bayern deutlich gestiegen.

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    Mehr Anträge auf Präimplantationsdiagnostik in Bayern

    Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Anträge von werdenden Eltern auf Präimplantationsdiagnostik in Bayern deutlich gestiegen. PID ist in Deutschland nur in Ausnahmefällen erlaubt – eine Ethikkommission entscheidet über den Einzelfall.

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    • BR24 Redaktion

    Immer mehr werdende Eltern in Bayern nutzen die Möglichkeiten der Präimplantationsdiagnostik (PID). So sei die Zahl der Anträge dazu, die der Bayerischen Ethikkommission für Präimplantationsdiagnostik (PID) im vergangenen Jahr vorgelegt wurden, im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. Das teilte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek heute in München mit.

    Von den 293 Anträgen habe das Gremium 278 zugestimmt. Im Vorjahr 2019 hatte die Kommission 214 von insgesamt 243 Anträgen gebilligt. Im Jahr 2021 sind bislang 146 Anträge bei der Bayerischen Ethikkommission für PID eingegangen.

    PID in Deutschland nur unter strengen Voraussetzungen

    Als PID bezeichnet man die genetische Untersuchung einer im Reagenzglas befruchteten Eizelle, bevor sie in die Gebärmutter übertragen wird. Bei der Untersuchung wird beispielsweise gezielt nach Erbkrankheiten oder Chromosomen-Anomalien gesucht. Die PID darf in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz nur in Ausnahmefällen unter strengen Voraussetzungen vorgenommen werden. Beispielsweise wenn aufgrund der genetischen Voraussetzungen der Frau oder des Mannes das hohe Risiko einer schwerwiegenden Erbkrankheit besteht oder eine schwerwiegende Schädigung des Embryos festgestellt werden soll.

    Die Ethikkommission prüft, ob diese Vorgaben erfüllt sind. Dabei wird unter Abwägung medizinischer, psychischer, sozialer und ethischer Umstände entschieden. Dabei bewegt sie sich in einem Spannungsfeld: Einerseits geht es um Paare, die oft einen Leidensweg hinter sich haben und etwa den frühen Tod eines Kindes oder immer wieder Tot- oder Fehlgeburten erleiden mussten. "Andererseits geht es um Embryonen, um werdendes Leben", sagte Gesundheitsminister Holetschek. Das Gremium besteht seit mehr als sechs Jahren. Seine acht Mitglieder gehören unterschiedlichen Fachrichtungen an, Vorsitzende ist die Reproduktionsmedizinerin Professorin Ursula Zollner.

    Holetschek: Oberste Priorität hat Schutz des Lebens

    Auch in der Corona-Pandemie bewege sich die Zahl der Anträge auf einem sehr hohen Niveau, sagte Holetschek. Es brauche hier ethisch und menschlich hochsensible Entscheidungen, um die medizinischen Möglichkeiten verantwortungsbewusst zu nutzen. "Keinesfalls darf die PID als ein Selektionsinstrument wahrgenommen werden. Oberste Priorität hat immer der Schutz des Lebens", betonte der Politiker.

    Das Bundesverwaltungsgericht hatte Ende 2020 in einem bayerischen Fall, bei dem die Ethikkommission die PID nicht gestattet hatte, der werdenden Mutter Recht gegeben. Der Freistaat wurde verpflichtet, dem PID-Antrag zuzustimmen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in München hatte die Klage der Frau noch abgewiesen.

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