Oberarzt, Infektiologie und Pandemiebeauftragter am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München: Christoph Spinner.

Der Infektiologe Christoph Spinner mahnt bei Corona weiter zur Wachsamkeit - und einer zweiten Boosterimpfung vor einem Wiesn-Besuch.

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Angelika Warmuth
    >

    Mediziner empfiehlt zweiten Booster vor Oktoberfestbesuch

    Mediziner empfiehlt zweiten Booster vor Oktoberfestbesuch

    In München soll im Herbst nach zwei Jahren coronabedingter Pause wieder die Wiesn stattfinden. Gründe für eine Absage gibt es laut Infektiologe Christoph Spinner nicht mehr. Er rät aber zum zweiten Booster, weil das Infektionsrisiko dort erhöht sei.

    Verglichen mit dem vergangenen Jahr sind die Corona-Fallzahlen in Deutschland derzeit extrem hoch. Als eine mögliche Ursache führen Mediziner dafür die zahlreichen Volksfeste an, die momentan wieder vielerorts stattfinden. Grund zur Sorge sieht der Münchner Infektiologe Christoph Spinner dadurch nicht. Vor einem Besuch des Oktoberfestes in der bayerischen Landeshauptstadt im Herbst empfiehlt er trotzdem eine zweite Corona-Auffrischungsimpfung.

    Kein Grund für erneute Absage der Wiesn

    Im April hatte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) entschieden, dass das Oktoberfest dieses Jahr (vom 17. September bis 3. Oktober) wieder stattfinden soll. 2021 und 2020 war war das größte Volksfest der Welt mit seinen rund sechs Millionen Besuchern zwei Mal hintereinander wegen der Pandemie abgesagt worden.

    Trotz zuletzt wieder steigender Corona-Zahlen sieht auch der Mediziner Christoph Spinner keinen Grund, auf Volksfeste und speziell das Oktoberfest zu verzichten. "Ich wüsste nicht, warum die Wiesn nicht stattfinden sollte", sagte Spinner sieben Wochen vor dem geplanten Wiesn-Beginn der Deutschen Presse-Agentur.

    Was allerdings bereits vor Corona die Zeit rund um das Oktoberfest begleitete: die sogenannte Wiesn-Grippe - bedingt durch die großen Menschenansammlungen und die Enge in den Bierzelten. Ärzte registrierten zur Volksfestzeit und danach im Raum München erhöhte Zahlen von grippalen Infekten.

    Höheres Infektionsrisiko auf dem Volksfest muss Besuchern bewusst sein

    Neben der Wiesn-Grippe müssten Zelt-Besucher laut Infektiologe Spinner allerdings damit rechnen, sich mit Covid-19 anzustecken. "Natürlich weisen aktuelle Beobachtungen auf ein erhöhtes Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion im Kontext von Volksfestveranstaltungen, wie es auch bei der Wiesn zu erwarten wäre", sagte Spinner, der zudem Pandemie-Beauftragte des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München ist.

    Er rät deshalb zu einer zweiten Boosterimpfung gegen Corona: "Die Optimierung des Impfschutzes, beispielsweise durch einen zweiten Booster zwei bis vier Wochen vor der Wiesn, kann das Infektionsrisiko noch einmal merklich senken." Laut dem Arzt dürften dabei Menschen, die geimpft sind und zudem Corona einmal durchgemacht haben, mit höherer Wahrscheinlichkeit als nur Geimpfte vor einer erneuten Infektion geschützt sein.

    Spinner: Zurück zur Normalität - aber wachsam bleiben

    Lediglich Menschen mit Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 sollten sich vielleicht eher im Biergarten aufhalten - oder das Oktoberfest ganz meiden, so Spinner. Auf Dauer werde sich bei der sehr hohen Infektiosität von Covid-19 eine Erkrankung nicht sicher vermeiden lassen. "Es wird jeden früher oder später treffen", ergänzte er.

    "Aus meiner Sicht ist es unverzichtbar, auch mit Covid-19 mehr und mehr zur Normalität zurück zu kommen und den Schutz vor allem auf Risikogruppen zu fokussieren", erklärte der Infektiologe. "Hohe Inzidenzen alleine sollten uns keine Angst machen - aber wir müssen wachsam bleiben."

    "Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!