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Maximilian Schafroth: Ein Allgäuer besteigt den Nockherberg | BR24

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Countdown auf dem Nockherberg - mit einem Neuen! Maximilian Schafroth übernimmt die Rolle des Fastenpredigers. Wie wird der 34-Jährige seine Rolle anlegen? Maliziös? Heiter? Fies? Capriccio hat Schafroth wenige Tage vor seiner Premiere getroffen.

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Maximilian Schafroth: Ein Allgäuer besteigt den Nockherberg

Der 33-Jährige ist der jüngste Fastenprediger aller Zeiten auf dem Nockherberg. Und er spricht einen Dialekt, der hier bisher kaum zu hören war. Premierenfieber? Kaum. Sein Konzept? "I bin selb'r g'spannt."

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Ein Allgäuer Bauernbursch im altbayerischen Starkbierparadies, dem landeshauptstädtischen Circus Maximus des Anstechens und Derbleckens. Oder auch im "Olymp des Kabarett", wie Maximilian Schafroth selbst den Nockherberg nennt. Einen Schwaben als Nummer 1 gab es hier noch nie (sieht man vom gebürtigen Kemptener Michl Lang ab, der als Käser und Stallknecht arbeitete, bevor er den Nockherberg in den 1970er-Jahren ganz klassisch bairisch moderierte).

Eine Premiere also und eine Art Ritterschlag für einen, der nach eigener Auskunft als "Ackergeburt" zur Welt kam. Womit wir schon mittendrin sind in der Legendenbildung des Maximilian Schafroth. Denn so ländlich-unbedarft, wie er sich gibt, ist er hinten und vorn nicht.

Jugendjahre einer Ackergeburt

Die Fakten über Maximilian Schafroth: geboren 1985 in Memmingen, aufgewachsen im oberschwäbischen Plus-Minus-80-Seelen-Dorf Stephansried beim Kloster Ottobeuren, einem Sitz der Schwabenweisheit. "Wenn du merkst, du hast gegessen, hast du schon zuviel gegessen": das könnte von Maximilian Schafroth stammen oder von seiner Oma. Ist aber von Pfarrer Sebastian Kneipp, der zweiten Ortsberühmtheit. In Stephansried thront die Kirche majestätisch über idyllischen Bauernhöfen, in denen oft sogar noch Bauern leben. Maximilians Vater ist auch einer.

Für Maximilian hieß das: von klein auf in aller Herrgottsfrüh in den Kuhstall. Dann mit dem Traktor on the road; selbstverständlich - und das ist jetzt Originalton Schafroth - nur auf Nebenstrecken, wo du nie jemand triffst, außer Siebenjährigen auf riesigen Traktoren. Von '91 bis '92 Aufenthalt in einem Fuchsbau. Maximilian Schafroth kennt sich aus in "Söderbayern" - jenen "vergessenen Orten, wo sich alle merkwürdig ähnlich sehen."

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Das Allgäu ist wirklich ein malerisches Fleckchen Erde. Wer dort aufgewachsen ist, ist auf alle Widrigkeiten des Lebens bestens vorbereitet. So wie der Kabarettist Maximilian Schafroth.

Bauernschlau über den bayerischen Ganges

Sein Lebenslauf sei eigentlich ein "Riesenloch", sagt Maximilian Schafroth: "I hab viel nix g'macht". Aber noch mehr hat er viel gemacht. Eine Banklehre, weil's nicht schaden kann. Gleichzeitig erste Auftritte im Vereinsheim Schwabing. Dann Schauspielschule. Stipendium in LA (Kalifornien, nicht Landshut). Erste Fernsehrollen - unter anderem als Assistent der Tatort-Kommisare Batic und Leitmayr - und großes Kino mit Regisseur Marcus H. Rosenmüller.

Fast 15 Jahre lebt der Allgäuer Bauernbub jetzt schon in München, "wo die Pfeffermühlen immer größer werden, je näher man in die Innenstadt kommt". Er kennt sich also bestens aus, auf beiden Seiten des Lech, "unseres bayerischen Ganges, der das Land in Arm und Reich teilt." Und saugt daraus kabarettistischen Honig.

Katzenwippe! Kennen'S nicht?

Mit dem staunenden Blick eines Simplicissimus lässt er die Welten kollidieren - etwa, wenn er berichtet, wie ihn bei Manufactum - "dieser Baywa für Neureiche" - mal eine "Horde schnüffelnder Unternehmensberater mit wehenden Goldknopfsakkos" verfolgt habe, weil er so authentisch rieche. Oder beim Vergleich verwöhnter Münchner Psychoanalytikerkatzen ("beidseits Titanhüften") mit der gewöhnlichen "dürren dreibeinigen Allgäuer Nutzkatz'", mit der er als Kind Katzenwippe gespielt habe: "A Brett, a Ziegel und a Katz'."

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"Faszination Bayern" heißt sein aktuelles Programm. Und faszinierend ist auch sein raketenhafter Aufstieg am Kabarett-Himmel. Inzwischen gehört der verschmitzte Allgäuer mit der musikalischen Ader schon zum bayerischen Kulturgut.

Zwischen Muh und Mäh: Maximilian Schafroth als Musiker

Stadt und Land: ein unerschöpfliches Thema. Im Übrigen sorgt der kluge Allgäuer schon vor, dass sich nichts erschöpft. Wer bei Schafroth im Publikum sitzt, muss damit rechnen, sich wie schon "sei' Oma und da Babba" satirisch gespiegelt zu sehen, im nächsten Programm oder schon in der nächsten Sekunde. Schafroth ist ein scharfer Hinschauer und ein kühner Ausprobierer. Einmal, berichtet sein Filmspezl Max von Thun, habe Schafroth ein Münchner Ladenlokal angemietet, in dem er als indischer Guru praktizierte, einen "Chor der Jungen Union" singen ließ, und schaute, was passiert.

Apropos Chor. Was Maximilian Schafroth unverwechselbar macht, ist seine Musikalität, sein Gespür für Timing, das man ihm schon anmerkt, wenn er redet. Wenn er singt, kann er unvermittelt von der lyrisch in obersten Stimmlagen vorgetragenen Naturbetrachtung ins grobkehligste Blues-Timbre wechseln (und wieder zurück). Es sind große Menschheitsfragen, die er behandelt. Sein oder nicht sein: bei Schafroth heißt das allerdings "Mähen oder nicht mähen." Auf der Gitarre begleitet wird er seit über zwei Jahrzehnten vom kongenialen Markus Schalk. Der stammt übrigens auch aus Stephansried, vom Nachbarhof seiner Eltern. Noch so eine Geschichte, die zu schön ist, um wahr zu sein. Ist aber wahr.

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Maximilian Schafroth mit Anzug und Musik. Links mit Gitarre: Sein Kinderfreund Markus Schalk.

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Die zwei Seiten des Maximilian S.: der Münchner ...

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... und der Stephansrieder. Weil es mehr Münchner gibt als Stephansrieder, spielt er lieber den Bauernbub aus dem Allgäu.

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Erste Bühnenerfahrung gesammelt hat er im Vereinsheim Schwabing und der Münchner Lach- und Schießgesellschaft.

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Inzwischen ist Maxi Schafroth schon reichlich preisgekrönt. Im Bild: Der Bayerische Kabarettpreis

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Nockherberg-Präsenz zeigte Schafroth schon 2015 im Singspiel als Conchita Wurst. Hier im flotten Dreier mit Merkel (falsch) und Seehofer (echt).

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Film kann er auch. Hier: Als Bergrebell in Marcus H. Rosenmüllers "Sommer der Gaukler".

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Schafroth, ein Vielseitiger. Demnächst auf dem Nockherberg.

Nächste Auffahrt: Nockherberg

Jetzt also Bayerns Gipfel der Genüsse und kalten Güsse. Vertraut man Goethe (dessen Faust als "Fast Faust" auf dem Nockherberg 2014 Erfolge feierte) ist Schafroth dafür prädestiniert. "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen": Für CSU und Freie Wähler die gutbäuerliche Abstammung, für die Grünen sein biodynamischer Migrationshintergrund, für die SPD Stallgeruch, für die FDP Mitnahmeeffekte in der Finanzwirtschaft (die Banklehre, die er übrigens mit seinem Nockherberg-Vorgänger Django Asül gemein hat). Sein Konzept? "I bin selb'r g'spannt". Jedenfalls "mit Charme von hintenrum abwatschen."

Ob hinterher jemand böse auf ihn ist, weil er zu böse war? Oder nicht böse genug? Er selbst findet sich eher nicht böse.

"I könnt böser sein, ab'r i hab einfach ka Luscht. Die Leut verstehn's so auch."

Könnte natürlich auch nur Tarnung sein. Wir werden sehen.