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Das Landratsamt in Regen

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    "Mauer des Schweigens" - Regener Landrätin reagiert auf Kritik

    Der Ton wird rauer im Landkreis Regen. Nachdem der CSU-Kreisvorsitzende Stefan Ebner die Landrätin Rita Röhrl wegen ihrer Informationspolitik zur Corona-Lage scharf kritisiert hatte, meldet sich die SPD-Politikerin jetzt zu Wort.

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    Von
    • Renate Roßberger
    • BR24 Redaktion

    Der CSU-Kreisvorsitzende Stefan Ebner hat vom Landratsamt eine bessere Informationspolitik wegen der dramatischen Entwicklung der Corona-Fälle im Landkreis Regen gefordert. In einem offenen Brief wandte er sich an Landrätin Rita Röhrl (SPD) und warf ihr eine "Mauer des Schweigens" vor. Die reagierte nun auf die Vorwürfe: Das Landratsamt will künftig doch wieder eine Liste veröffentlichen, aus der hervorgeht, wie viele Corona-Fälle es in jedem einzelnen Ort im Landkreis gab. Eine solche Liste gibt zum Beispiel der Landkreis Cham einmal pro Woche heraus.

    Liste mit Corona-Fällen nur alle zwei Wochen

    Die Liste im Landkreis Regen soll allerdings nur alle 14 Tage veröffentlicht werden - aus Datenschutzgründen, damit man bei kleinen Orten mit wenigen Fällen nicht nachvollziehen kann, welche Personen betroffen sind. Das sagte Landrätin Rita Röhrl (SPD) auf Nachfrage dem BR. Der Landkreis Regen hat derzeit mit 578 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche die bundesweit höchste 7-Tage-Inzidenz.

    Hotspots sind die Pflegeeinrichtungen und die Klinik

    Röhrl gab auch Auskunft, wo die Schwerpunkte in den Behinderten- und Senioreneinrichtungen im Landkreis liegen, nämlich in den Behinderteneinrichtungen und -wohnheimen der Lebenshilfe in Regen und Zwiesel, außerdem im Seniorenheim Sankt Helena in Zwiesel und in einem Seniorenheim in Kirchberg. Dieses Bild habe sich jetzt ergeben, nachdem auch die Ergebnisse von Reihentestungen da sind. Weiterer Schwerpunkt ist das Krankenhaus Zwiesel mit vielen Fällen beim Personal. Der Rest der Infektionen, nämlich rund 40 Prozent, erstrecke sich aber nach wie vor "diffus über den ganzen Landkreis".

    Falsche Angaben aus Scham

    Schwerpunkte zu nennen bedeute eben nicht, dass sich der restliche Landkreis sicher fühlen könne. Das wäre völlig falsch, so Röhrl. Zu ihrer am Sonntag in der Pressekonferenz genannten Vermutung, dass nicht alle Infizierten ihre Kontaktpersonen nennen, steht die Regener Landrätin weiterhin. Diese Vermutung hatte Stefan Ebner kritisiert. Röhrl sagte heute: "Diese Vermutung drängt sich auf, wenn in 40 Prozent der Fälle unklar bleibt, wo sich die Betroffenen eigentlich angesteckt haben." Denkbar sei da nur noch eine Ansteckung über Personen, die symptomlos sind, also nichts davon wussten. Ein weiterer Punkt sei Scham, dass man also die Kontaktpersonen nicht nennt, damit niemand von der eigenen Ansteckung erfährt. Alle das führe aber am Ende zu noch mehr Ansteckungen.

    "Virus ist unberechenbar"

    Ob Einkaufstouristen aus Tschechien ebenfalls Ansteckungsquelle sind, eine Vermutung, die Stefan Ebner kritisiert hatte, sei weiterhin "völlig unklar". Die Vermutung habe sich ergeben, weil es im grenznahen Bereich mehr Fälle gibt als im grenzfernen Teil des Landkreises, so Röhrl. "Aber das Virus ist halt unberechenbar." Ebner hatte als Gegenargument den niedrigen Inzidenzwert im Nachbarlandkreis Cham genannt, der sogar mehr tschechische Pendler und mehr tschechische Einkaufstouristen hat als der Landkreis Regen. Trotzdem sind dort Coronazahlen mit einer aktuellen Inzidenz von 88 recht niedrig.

    Schließung von Dienstleistern und Läden als letztes Mittel

    Die Kritik Ebners, das Landratsamt Regen informiere insgesamt zu wenig über die Coronalage, weist Rita Röhrl zurück. Sie mache regelmäßig Videobotschaften an die Bevölkerung und werde das auch weiterhin tun. Eventuell werde man das jetzt noch intensivieren. Auch ein Austausch mit anderen Landkreisen finde regelmäßig statt. Ob der Kreistag aber noch extra informiert werden soll, wie Ebner es fordert, bezweifelt Röhrl. Beim Infektionsschutz handle das Landratsamt als staatliche Behörde. Ob die jetzt ergriffenen Maßnahmen in der Pandemie reichen, das könne sie noch nicht sagen. "Wir machen jetzt schon mehr als der Freistaat und haben rechtlich auch nicht mehr viel Spielraum." Als weitere Maßnahmen blieben nur noch die Schließung von Dienstleistern und Läden.

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