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Bildrechte: BR/Nicole Schmitt (grafische Darstellung)

Bald sind in Bayern Sommerferien. Die haben alle eigentlich dringend nötig. Corona hat Schülern, Lehrkräften und Eltern ordentlich zugesetzt. Corona-Lernrückstände sollen nun in einer Sommerschule aufgearbeitet werden - auf freiwilliger Basis.

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Mathe statt Strand: Zirndorfer Schule setzt auf Sommerschule

Bald sind in Bayern Sommerferien. Die haben alle eigentlich dringend nötig. Corona hat Schülern, Lehrkräften und Eltern ordentlich zugesetzt. Corona-Lernrückstände sollen nun in einer Sommerschule aufgearbeitet werden – auf freiwilliger Basis.

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Von
  • Nicole Schmitt

Mathe statt Strand, Englisch statt Schwimmbad: Dafür haben sich an der Mittelschule in Zirndorf 18 von 455 Schülerinnen und Schülern freiwillig entschieden. Sie nehmen teil an der Sommerschule.

Corona-Lücken sollen ausgeglichen werden

Das Ziel: Corona-Lernrückstände sollen aufgearbeitet werden. Zur Unterstützung konnte Rektor Helge Kuch vier Profis gewinnen: Eine Lehrerin, eine Schulsozialarbeiterin und zwei Studierende arbeiten mit den Kindern in der ersten Ferienwoche. "Wir versuchen der ganzen Sache Rechnung zu tragen, indem wir Gruppen bilden, die altersgemäß zueinander passen", erklärt Kuch das Konzept.

Bei ihm an der Schule haben sich vor allem Fünft- bis Siebtklässler für die Sommerschule angemeldet. Herausfordernd werde sein, allen Bedürfnissen nachzukommen: "Wenn ein Fünftklässler Probleme in Mathematik hat und ein anderer Fünftklässler auch, heißt das ja nicht, dass sie in den gleichen Sparten Probleme haben. Das kann durchaus sein, dass der eine in Geometrie Nachholbedarf hat, der andere im ganz normalen Einmaleins. Deshalb werden wir auch innerhalb dieser Kleingruppen nochmal differenzieren müssen."

Umsetzung des Förderprogramms ist ein bürokratischer Kraftakt

20 Millionen Euro hat der Freistaat für das Förderprogramm "gemeinsam.Brücken.bauen" in einem ersten Schritt in die Hand genommen. Beim staatlichen Schulamt für Stadt und Landkreis Fürth kümmert sich Udo Kratzer um die Organisation. Zunächst ging es darum, dass die Lehrkräfte der 44 Grund- und Mittelschulen, für die Kratzer zuständig ist, Leistungsdiagnosen der Schülerinnen und Schüler erstellen. Anhand derer wurde dann geschaut, wer individuellen Förderbedarf hat und in welchem Bereich.

Dann waren die Schulleitungen gefragt. Sie mussten geeignetes Personal für die erste beziehungsweise letzte Ferienwoche finden. Ein hoher Verwaltungsaufwand – sowohl für die Schulen als auch für das Schulamt. Insgesamt konnte Udo Kratzer so bislang mehr als 1.200 Stunden an Angeboten für den gesamten Schulamtsbezirk beantragen. "Wichtig war uns, dass es nicht nur ums Lernen geht, sondern dass es auch Angebote gibt, die das Miteinander auf dem Pausenhof, in der Sporthalle oder dergleichen betreffen."

Soziales Miteinander muss wieder gelernt werden

So soll ein Schultag in der Sommerschule eben nicht nur der reinen Wissensvermittlung dienen, sondern auch erlebnispädagogische Elemente haben. "Für mich ist entscheidend, wie es den Menschen geht. Was gelitten hat, ist das soziale Miteinander", erläutert Schulleiter Helge Kuch. "Das müssen wir hier in der Schulfamilie erst wieder lernen. Wir merken es auch im Umgang mit den Schülern. Die sind fünf Tage Unterricht eigentlich gar nicht mehr gewöhnt. Wenn dann noch Anforderungen und Misserfolge dazukommen, dann merkt man, dass einige Schüler in der Kombination Hygienemaßnahmen, soziales Miteinander, schulische Anforderungen stofflicher Art einfach überfordert sind."

Die Sommerschule ist ein Anfang

Dass die Sommerschule sowohl im sozialen Miteinander als auch beim Aufholen von Lerndefiziten keine Wunder vollbringen kann, darüber herrscht längst Einigkeit. Man müsse realistisch sein, was die Erwartungshaltung angeht, sagt Helge Kuch: "Es soll ein Anfang sein, darf aber keine Eintagsfliege werden. Ich werde in dieser einen Woche nicht sämtliche Lücken schließen können, die sich pandemiebedingt aufgetan haben. Das wird sich nicht machen lassen."

An Nürnberger Ludwig-Uhland-Schule gibt es bereits Förderstunden

"Das Ganze ist ein Impuls", sagt auch der Rektor der Nürnberger Ludwig-Uhland-Schule Rudi Groh. Bei ihm an der Schule laufen die Unterstützungsangebote bereits seit einigen Wochen teils parallel zum Unterricht. Die Förderlehrerin der Schule hat mit zwei Lehramtsstudenten vorab ein Konzept erarbeitet, das eine individuelle Förderung insbesondere in den Fächern Mathematik und Deutsch vorsieht. "100 Schulstunden sind dafür einkalkuliert", erklärt er.

Gefördert werden Kinder, die sonst keine Unterstützung haben

50 Kinder vorwiegend aus der fünften und sechsten Jahrgangsstufe, die mithilfe der Klassenlehrkräfte ausgewählt worden sind, werden so zweimal in der Woche individuell gefördert. Man arbeite an der Ludwig-Uhland-Schule mit drei bis fünf Kindern in Kleingruppen, so Rudi Groh. Es handle sich in der Regel um Kinder, die zu Hause keine Unterstützung bekommen können. Der Förderunterricht reiche bis in die erste Ferienwoche hinein.

Positiv findet Rudi Groh, dass das Programm "gemeinsam.Brücken.bauen" im kommenden Schuljahr fortgesetzt werden soll. Das soll ganz im Zeichen der individuellen Förderung stehen, heißt es aus dem Kultusministerium. Details beispielsweise über die Finanzierung sind noch nicht bekannt.

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