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Mathe-Abi in Bayern: Wie es zu diesen Aufgaben kam | BR24

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Petition zur Anpassung der Bewertung des Mathe-Abis 2019 in Bayern

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Mathe-Abi in Bayern: Wie es zu diesen Aufgaben kam

Bayerische Schülerinnen und Schüler halten die Aufgaben des Mathe-Abis 2019 für deutlich schwerer als in den Vorjahren. Sie starteten eine Petition mit der Forderung, den Notenschlüssel zu senken. Doch wer entscheidet über die Auswahl der Aufgaben?

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"2017 war es machbar, 2018 war es nahezu leicht und 2019 enthielt plötzlich Aufgabenstellungen, die vorher kaum einer gesehen hatte", so die Meinung einiger bayerischer Schülerinnen und Schüler zur Mathe-Abiturprüfung 2019. Doch wer entscheidet über die Auswahl der Aufgaben?

Am Tag der Abiturprüfung trifft sich in jedem Gymnasium im Freistaat der sogenannte Mathe-Fachausschuss zwischen 5:30 Uhr und 6 Uhr morgens. Der Grund für das frühe Treffen: Erst an diesem Tag dürfen die Lehrerinnen und Lehrer den Umschlag mit den Abiturprüfungen öffnen. Per Bote wurde er in den Tagen vor der Prüfung direkt vom Kultusministerium zu den Gymnasien gebracht. Bis zum Prüfungsbeginn um 9 Uhr muss der Mathe-Fachausschuss der jeweiligen Schulen eine Entscheidung fällen, welche Aufgaben an ihrem Gymnasium gestellt werden sollen.

Am Morgen treffen die Lehrer die Entscheidung

Drei Themenbereiche werden im Mathe-Abitur abgeprüft: Analysis, Stochastik und analytische Geometrie. Diese drei Themenbereiche sind aufgeteilt in einen Teil A und einen Teil B, die beide bearbeitet werden müssen. Jeder Teil liegt in zwei Varianten vor. Welche Variante jeweils gewählt wird, liegt bei den Lehrern.

Insgesamt muss ein Schüler also sechs Teile im Mathe-Abi bearbeiten. Noch einmal: Zu den A- und B-Teilen werden vom Ministerium zwei verschiedene Aufgabenvarianten zur Wahl gestellt. Der Fachausschuss trifft am Morgen der Abiprüfung die Entscheidung, welche Variante für die Schüler am jeweiligen Gymnasium an diesem Tag geeignet ist. Dann beginnt die Prüfung.

Jetzt haben die Abiturienten entweder 4 oder 4,5 Stunden, um die Aufgaben zu lösen. Einige Wochen vor dem Mathe-Abitur mussten die Schüler nämlich entscheiden, ob sie die A-Teile mit oder ohne Hilfsmittel, wie Formelsammlung und Taschenrechner schreiben möchten. Ohne Hilfsmittel haben die Abiturienten insgesamt 30 Minuten mehr Zeit. Diese Regelung der zwei Varianten mit und ohne Hilfsmittel wurde heuer das letzte Mal durchgeführt. Ab nächstem Jahr entfällt diese Wahlfreiheit. Teil A wird dann von allen bayerischen Abiturienten ohne Hilfsmittel bearbeitet. Die Bearbeitungszeit beträgt für die gesamte Prüfung 4,5 Stunden.

Bayerische Schüler fordern Notenanpassung

"Vor allem der Geometrie B-Teil und der Stochastik B-Teil waren so schwer, wie in keiner der vergangenen Abitur-Prüfungen." Das kritisieren die bayerischen Abiturienten auf der Petitions-Plattform.

Die bayerischen Schülerinnen und Schüler bitten jetzt in einer Petition darum, den Notenschlüssel des Mathematik-Abiturs in Bayern 2019 zu senken und dem Schwierigkeitsgrad anzupassen. Eltern, Interessierte, Engagierte - mittlerweile haben mehr als 60.000 Menschen unterschrieben, dabei waren nur 37.000 im Mathe-Abitur.

Mathematiker streiten über den Schwierigkeitsgrad

Auch in Fachkreisen diskutiert man über das diesjährige Mathe-Abitur. Winfried Schreyer, ein pensionierter Lehrer für Mathe und Physik, erklärte gegenüber dem BR in einer ersten Analyse, dass besonders die Anfangsaufgaben des Mathe-Abis 2019 kompliziert gestellt worden wären. Die Schüler seien nicht langsam in die Prüfung reingekommen mit langsam steigendem Schwierigkeitsgrad, sondern gleich zum Start verunsichert worden.

Professor Hans Stefan Siller, Lehrstuhlinhaber für Didaktik der Mathematik an der Universität Würzburg, setzt dagegen, dass eine erste Analyse gezeigt habe, dass Aufgaben zwar etwas anders gestellt wären, aber auch nicht unverhältnismäßig schwer gewesen seien. Auch eine Pauschalkritik am Mathe-Unterricht will er nicht gelten lassen: Die Ausbildung sei forschungs- und evidenzbasiert, aktive Lehrer würden Fortbildungen machen.

Kultusminister will Abitur-Aufgaben prüfen lassen

Nachdem er sich mit Experten beraten hatte, kündigte Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) jetzt eine stichprobenartige Überprüfung der Abituraufgaben an. Gleichzeitig rief er zur Beruhigung in der Angelegenheit auf:

"Wir nehmen die Petition sehr ernst, aber sie ist erstmal die Einschätzung von Schülern und vielleicht auch Eltern. Nun geht es darum, das Ganze faktenbasiert zu bewerten. Das Ministerium wird sich einige Stichproben anschauen. Es geht auch darum, jetzt Ruhe zu bewahren und sich auf das restliche Abitur zu konzentrieren." Kultusminister Michael Piazolo (FW)

Grünen-Fraktion fordert konkrete Antworten

Der Landtags-Abgeordnete Thomas Gehring vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN stellte am Dienstag eine Anfrage an die Staatsregierung. Er möchte von Kultusminister Piazolo Auskunft über Methodik und Verantwortliche des Überprüfungsverfahrens.

Außerdem will Gehring eine Antwort auf die Frage, in welchem Zeithorizont diese Überprüfung stattfinden soll und mit welchen Konsequenzen zu rechnen ist, sollte das Ergebnis lauten: Die Aufgaben des bayerischen Mathe-Abiturs 2019 waren unverhältnismäßig schwer.

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Autor
  • Caroline Hofmann
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