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Bildrechte: dpa / picture-alliance

Das Bistum Würzburg legt am Donnerstag seine Finanzen offen. Wie alle Diözesen im Freistaat hat auch Würzburg mit den Auswirkungen der Corona-Krise zu kämpfen.

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Massive Sparmaßnahmen im Bistum Würzburg erwartet

Mit Spannung wird erwartet, ob das Bistum Würzburg konkrete Bereiche benennt, die von den Einsparungen betroffen sein werden. Den bereits diskutierten Einstellungsstopp im Bereich Seelsorge kritisieren Diözesanrat und Jugendverbände scharf.

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Von
  • Carolin Hasenauer

Im Bistum Würzburg verschärft sich der Konflikt um die Finanzen. Am Donnerstagmorgen wollen die Bistums-Verantwortlichen, darunter Bischof Franz Jung, Generalvikar Jürgen Vorndran und Finanzdirektor Jens Kunkel, über die finanzielle Situation der Diözese und der Caritas informieren. Dass Sparmaßnahmen anstehen, hatte sich bei der Vollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Würzburg Ende November nochmal bestätigt, die Einspar-Strategie blieb jedoch offen. Ob sich die Bistumsleitung dazu am Donnerstag konkreter äußern wird, ist nicht klar. Im Raum steht etwa eine Wiederbesetzungssperre bei hauptamtlichen Mitarbeitern im Bereich Seelsorge.

Weniger Kirchensteuer-Einnahmen wegen Corona zwingt zum Sparen

Die Überlegungen zu einer Wiederbesetzungssperre in der Hauptabteilung Seelsorge bezeichnete Generalvikar Jürgen Vorndran im Rahmen der Diözesanratsversammlung als wichtigen Beitrag im Blick auf die aktuelle finanzielle Lage des Bistums. Es zeichne sich ab, dass coronabedingt in diesem und im kommenden Jahr die Kirchensteuer deutlich zurückgehe. Bereits zu Jahresbeginn 2020 fehlten 12 Millionen Euro im Haushalt. Der Diözesanrat kritisierte hingegen, dass durch den Wegfall Hauptamtlicher auch die Ehrenamtlichen in der Fläche wegzubrechen drohten.

Kritik des Diözesanrats: Seelsorge ist zentral

"Die Seelsorge ist das Kerngeschäft der Kirche", betonte der Diözesanratsvorsitzende Michael Wolf. Ein Einstellungsstopp wäre "nicht strategisch gedacht": Zu dem Bereich Seelsorge gehöre etwa die Jugendarbeit, wo es durch junge Beschäftigte eine hohe Fluktuation gebe. "Wenn dort nicht nachbesetzt wird, blutet die Jugendarbeit - die Zukunft der Kirche – schnell aus", so Wolf in einem Mainpost-Interview.

Er möchte von der Bistumsleitung konkret wissen, welche Zielsetzung es verfolgt, in welche Richtung man als Diözese gehen wolle. "Meiner Meinung nach sollte Kirche da seinen Schwerpunkt setzen, wo die Menschen sind, draußen in der Fläche – da muss man präsent sein", so Wolf gegenüber dem BR. Weniger brauche es seiner Meinung nach einen größer als unbedingt notwendigen Verwaltungsapparat als vielmehr Angebote für die Gläubigen.

Jugendverbände bangen um Zukunft der Jugendarbeit

Dem schließt sich auch die ehrenamtliche BDKJ-Vorsitzende Vanessa Eisert an: "Gerade die Jugendarbeit wäre bei den Sparmaßnahmen am stärksten gebeutelt." Denn es fehle schon jetzt an pädagogischem Personal und damit an der Möglichkeit, Angebote zu schaffen. Sie kritisiert zudem, dass bei den Überlegungen zu künftigen Einsparungen keine Schwerpunktsetzung für das ganze Bistum deutlich werde und die Jugendarbeit zudem überdurchschnittlich darunter leide, da hier natürlicherweise die Personalfluktuation hoch sei.

Einsparungen bei Caritas zulasten der Projekte

Auch die Vertreterversammlung der Caritas äußerte Kritik an geplanten Sparmaßnahmen, konkret bei dem katholischen Wohlfahrtsverband. Die Rede ist von 3,5 Millionen Euro. Sie rufen ihren Vorstand dazu auf, die geplanten Kürzungen noch einmal beim Würzburger Bischof zu thematisieren. Man habe für das kommende Jahr beim Bistum Würzburg 21 Millionen Euro beantragt, sagte laut Mitteilung der Leiter der Abteilung Personal und Finanzen, Manfred Steigerwald. "Darin waren bereits Einsparungen unsererseits eingeplant sowie die Tarifsteigerungen." Dies könne der Diözesanverband nicht alleine tragen, weshalb es massive Veränderungen im gesamten Verband geben werde, "letztlich zu Lasten der Beratung und Unterstützung der angeschlossenen Träger und damit der Qualität der Caritasarbeit im Bistum insgesamt", so Steigerwald.

Im November war zudem der Würzburger Weihbischof Ulrich Boom überraschend als Leiter der Hauptabteilung Seelsorge zurückgetreten. Er begründete seinen Schritt mit anstehenden finanziellen Entscheidungen.

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