BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Massenhaftes Kiefernsterben im Nürnberger Reichswald | BR24

© picture-alliance/dpa

Im gesamten Nürnberger Reichswald müssen Bäume gefällt werden.

4
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Massenhaftes Kiefernsterben im Nürnberger Reichswald

In Nürnberg hat die anhaltende Trockenheit inzwischen zu massiven Schäden im Reichswald geführt. Pilze und Schädlinge machen vielen Bäumen den Garaus. Das Forstamt versucht nun mit rekordverdächtigen Baumfällungen den Schaden zu begrenzen.

4
Per Mail sharen
Teilen

Die Situation ist dramatisch. Die Kiefern im Reichswald haben dermaßen unter der Trockenheit und Hitze des vergangenen Jahrs gelitten, dass viele nicht mehr zu retten sind. "2018 war ein Rekordjahr mit Hitze und Trockenheit, auch schon 2015 war trocken und die Bäume haben massiv Schaden genommen", erklärt Forstamtsleiter Johannes Wurm.

Pilzbefall, Kiefernprachtkäfer, Borkenkäfer

Pilzbefall und Schädlinge wie der Kiefernprachtkäfer und einige Borkenkäferarten haben sich breitgemacht und lassen die geschwächten Bäume absterben. Dabei färbt sich zunächst die Krone rot-braun, dann fallen die Nadeln ab und die Kiefer stirbt. Für den Laien ist der kranke Baum erst erkennbar, wenn der Förster einen roten Strich an den Stamm gemalt hat: Dieser Baum wird gefällt.

"Gesunde Bäume können den Befall tolerieren und verharzen dann die Fraßgänge, aber die geschwächten Bäume können das nicht mehr." Forstamtsleiter Johannes Wurm
© BR-Studio Franken/Sabine Göb

Der Borkenkäfer setzt den Bäumen zu.

Sägen im Rekordtempo

Die Waldarbeiter sägen und fällen im Rekordtempo im ganzen Reichswald, vor allem in Süd- und Westlagen am Waldrand. Sie müssen schauen, dass die kranken Bäume möglichst schnell aus dem Wald kommen.

Beschimpfungen durch Spaziergänger

In breiten Schneisen wühlen sich riesige Harvester und Lkws durch die Rückegassen, stapelweise liegen die geschlagenen Stämme zur Abholung am Wegrand bereit. Für Wanderer und Spaziergänger sieht es nach einem wilden Kahlschlag aus. Etliche haben sich schon beim Forstamt beschwert und schimpfen über die ihrer Ansicht nach mangelnde Nachhaltigkeit.

© BR Fernsehen

Der Klimawandel macht dem Reichswald um Nürnberg zu schaffen. Lange Trockenperioden haben die Bäume geschwächt, nun breiten sich Schädlinge im Wald aus. Um die gesunden Bäume zu schützen, müssen etwa 50.000 kranke Bäume gefällt werden.

"Das Holz, das wir jetzt schlagen, hat mindere Qualität, aber es muss raus, so schnell wie möglich", erklärt Förster Hans Joachim Ulrich. Es gehe ihm nahe, wenn er auch noch dafür beschimpft wird, dass er jetzt die Arbeit von Generationen von Förstern in kürzester Zeit verhäckselt sieht.

"Ich hätte nie gedacht, dass unsere Kieferwälder derart unter der Trockenheit leiden!" Förster Hans Joachim Ulrich

Vom "Steckerleswald" zum Mischwald

Seit den 1980er-Jahren versuchten die Förster, den Reichswald vom verlachten "Steckerleswald" mit vielen Fichten, hin zu einem nachhaltig bewirtschafteten Mischwald umzubauen. Doch gegen den Klimawandel sind sie machtlos, die Wasserspeicher im Wald rund um Nürnberg sind leer, die Bäume haben keine Chance.

"Wir können nicht 24.000 Hektar gießen." Forstamtsleiter Johannes Wurm

Sind auch Laubbäume betroffen?

Rund 40.000 Festmeter Holz werden derzeit im Reichswald außer der Reihe geschlagen. Darunter sind viele Bäume, die mehr als 100 Jahre alt sind. Und der trockene und warme Februar lässt schon wieder Sorgenfalten bei den Förstern wachsen: Wie es um die Laubbäume steht, sieht man erst im Mai, wenn sie austreiben – oder eben nicht.