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Massenhaft gefällte Obstbäume? LBV stellt Strafanzeige | BR24

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Nach dem erfolgreichen Volksbegehren "Rettet die Bienen" haben Landwirte in der Fränkischen Schweiz tausende Obstbäume gefällt - während der Brutzeit. Der Landesbund für Vogelschutz hat deshalb Strafanzeige erstattet.

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Massenhaft gefällte Obstbäume? LBV stellt Strafanzeige

Wegen angeblich massenhaft illegal gefällter Obstbäume in der Fränkischen Schweiz hat der Landesbund für Vogelschutz (LBV) bei der Staatsanwaltschaft Bamberg Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Das gab der LBV in einer Pressemitteilung bekannt.

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Von einem "echten Horroszenario" an einigen Stellen im Landkreis Forchheim spricht der Landesbund für Vogelschutz (LBV) in einer Mitteilung. In den vergangenen Wochen seien dort mehrere tausend Obstbäume illegal während der Brutzeit gefällt und anschließend teilweise sogar zu Ackerland gemacht worden.

"Diese mutwillige Zerstörung wertvoller Biotope durch einzelne schwarze Schafe hat den LBV dazu veranlasst, bei der Staatsanwaltschaft in Bamberg eine Strafanzeige gegen Unbekannt zu erstatten", sagte LBV-Vorsitzender Norbert Schäffer. "Wenn der Bayerische Bauernverband seine Zustimmung am Runden Tisch wirklich ernst gemeint hat, dann muss er sofort alle seine Mitglieder anweisen, jegliche Obstbaumfällungen in der Brutzeit zu unterlassen", sagte Schäffer weiter.

© LBV (Collage: BR)

Streuobstwiese am Walberla - vor und nach dem Fällen

Greif: "Steht nirgendwo, dass man keine Obstbäume fällen darf"

Auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks bezeichnete Hermann Greif, Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands (BBV), die Anzeige als haltlos. Obstbäume seien nicht mit Hecken zu vergleichen. Die Bäume würden von Menschenhand gepflanzt und dürften deswegen auch wieder gefällt werden. "Ich wüsste nicht, dass irgendwo steht, dass man keine Obstbäume fällen darf", so Greif. Die Ausnahmeregelungen, dass zum Beispiel Bäume, in denen schützenswerte Tiere brüten, nicht gefällt werden dürfen, würden von den Landwirten selbstverständlich beachtet.

Bauernverband kritisiert unklare Aussagen

Greif wollte weder bestätigen noch bestreiten, dass massenhaft Bäume gefällt worden seien. Sollte dies passiert sein, so seien die unklaren Aussagen des Volksbegehrens und die Biotopkartierung dafür verantwortlich. "Niemand sagt uns, was genau eine extensive Streuobstwiese eigentlich sein soll". Wird eine solche Streuobstwiese als Biotop eingestuft, dann gelten besondere Auflagen. Zum Beispiel dürfen keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.

Unter die Biotop-Regelungen fallen allerdings nur Bäume mit einer Stammhöhe von über 1,80 Metern. Aufgrund der Unsicherheit, ob die eigene Streuobstwiese nun als Biotop eingestuft wird oder nicht, sei es laut Greif nicht auszuschließen, dass Landwirte ihre alten Bäume fällen, um anschließend wieder neue zu pflanzen – die dann nicht als biotopfähig eingestuft werden können.

Staatsanwaltschaft will erst prüfen

Wie die Staatsanwaltschaft Bamberg am Dienstag (14.05.19) mitteilte, ist die Anzeige des LBV bei ihr eingegangen. Nun werde geprüft, ob bei der Fällung tatsächlich Brutstätten schützenswerter Tiere vernichtet wurden. Dies, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft, könne bis zu drei Monate dauern. Anschließend werde entschieden, ob offiziell Ermittlungen aufgenommen würden oder nicht.