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Bildrechte: BR/Jordan Frank

Eigentlich wollte die Stadt Augsburg Radler ohne Maske unbehelligt lassen. Aber die Staatsregierung verlangt: Auch Radler ohne Maske werden in der Innenstadt mit Bußgeld belegt.

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Verwirrung um Maskenpflicht für Jogger und Radler

Die Maskenpflicht gilt in vielen Innenstädten auch im Freien, etwa in Einkaufsstraßen. Strittig ist, ob dies auch für Radler und Jogger gelten soll. Manche Städte zeigen sich streng, andere locker. In Augsburg geht es deswegen gerade hin und her.

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Von
  • Christian Wagner
  • Leonie Thim
  • Frank Jordan
  • Roswitha Polaschek
  • Veronika Scheidl

Im vergangenen Jahr mussten Radler und Jogger in Augsburg noch keine Mund-Nase-Bedeckung in den gekennzeichneten Bereichen tragen. Das hatte die Stadt klar gemacht, nachdem die Polizei ein Bußgeld gegen Radler erhoben hatte, die ohne Maske unterwegs waren.

Dann kam eine Änderung, die Diskussionen ausgelöst hatte. Seit dem 1. Januar gilt in der schwäbischen Stadt auf belebten Plätzen und Straßen die Maskenpflicht nicht nur für Fußgänger, sondern auch für Radler, Jogger oder E-Scooter-Fahrer. Hintergrund ist eine Vorgabe der Staatsregierung.

Augsburg: Maskenpflicht für Radler könnte bald wieder fallen

Doch heute kündigte ein Sprecher von Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) an, dass in Augsburg die Masken-Pflicht für Radler in der Innenstadt möglichst bald wieder fallen soll. Man sei im "Kontakt mit dem Freistaat", um eine entsprechende Änderung der Bayerischen Infektionsmaßnahmenschutzverordnung (BayIfSMV) zu erreichen.

Für eine Neuregelung "wären wir dankbar", sagt dazu der Augsburger Ordnungsreferent Frank Pintsch. Andernfalls bleibe nur, einzelne Straßen wieder aus der Maskenpflicht-Zone herauszunehmen. Wichtig sei aber, dass die Bürger gleichbehandelt würden; beispielsweise Sportler von Auflagen auszunehmen, das finde keine Akzeptanz, so Pintsch.

Geht von Radlern eine Infektionsgefahr aus?

Die Stadt Augsburg hatte im Dezember zunächst erklärt, von Radlern gehe keine Infektionsgefährdung aus, deshalb bräuchten sie keine Maske aufziehen. "Das halte ich nach wie vor für sinnvoll", so Ordnungsreferent Pintsch. An die derzeit geltende, entgegengesetzte Ansage des Innenministeriums halte sich die Stadt Augsburg aber selbstverständlich. Ordnungsdienst und Polizei ahnden Verstöße.

Fahrradclub will Ausnahmen von der Maskenpflicht

Arne Schäffler vom ADFC sieht die Maskenpflicht für alle skeptisch. Der Fahrradverband würde am liebsten erreichen, dass Radfahrer generell von einer Maskenpflicht ausgenommen würden. "Dass Radfahrer Infektionen mit Covid-19 weitergeben, das behauptet kein einziger Wissenschaftler auf der Welt", sagt Schäffler. Kritisch seien nur Situation etwa beim Warten an der Ampel, da würden Radler selbstverständlich eine Maske zum Infektionsschutz tragen.

Schwierig sei es aber gerade für Brillenträger, die wegen der beschlagenen Gläser nicht mehr sicher Radfahren könnten. Man sei im "Kontakt mit dem Freistaat", um eine entsprechende Ausnahmeregelung für Radler zu erreichen, hieß es.

In Regensburg müssen Radler nicht immer Masken tragen

In Bayern gelten in den Städten unterschiedliche Regelungen für Radfahrer und Sportler. Ausnahmen von der Maskenpflicht gibt es schon in Regensburg. Grundsätzlich gilt zwar auch in Regensburg eine Maskenpflicht - vor allem in den mittelalterlichen Gässchen. Aber auf den großen Straßen, auf denen auch Busse und Taxis fahren, sei man etwas toleranter, heißt es von der Pressestelle der Stadt.

Maskenpflicht für Radler in München, Nürnberg und Passau

In München ist das Tragen der Maske im Innenstadtbereich obligatorisch, da werde auch für Radfahrer keine Ausnahme gemacht, sagte die Münchner Polizei dem Bayerischen Rundfunk. Maskenverstöße würden nach dem Regelsatz mit 250 Euro geahndet.

Auch in Passau muss in der Innenstadt und in den ausgewiesenen Gebieten Maske getragen werden, ob man das Fahrrad für Sport nutze oder als Fortbewegungsmittel sei egal. Ebenso in Nürnberg, dort werde die Einhaltung der Maskenpflicht für Radfahrer im Innenstadtbereich sehr ernst genommen, bestätigte Olaf Kuch, von der Stadt Nürnberg. Verstöße kosten die Maskenverweigerer wie in München 250 Euro.

Gesundheitsministerium: Ausnahmen von Maskenpflicht nicht erforderlich

Eine Ausnahme von der Maskenpflicht für Sportler ist aus Sicht des Bayerischen Gesundheitsministeriums nicht vorgesehen und auch nicht erforderlich. Ein Ministeriumssprecher schrieb dem BR auf Nachfrage: "Nach der 11. BayIfSMV besteht Maskenpflicht auf zentralen Begegnungsflächen in Innenstädten oder sonstigen öffentlichen Orten unter freiem Himmel, an denen sich Menschen entweder auf engem Raum oder nicht nur vorübergehend aufhalten. Die konkreten Flächen und Orte müssen die Kreisverwaltungsbehörden festlegen."

Die zuständige Behörde hat laut Ministerium zu berücksichtigen, ob sich auf diesen Flächen Personen in infektionsschutzrechtlich maßgeblicher Weise begegnen oder nicht. "Ob für Flächen, auf denen nur Fahrradfahrer zulässigerweise unterwegs sind, überhaupt für eine ergänzende Maskenpflicht unter freiem Himmel ausgewählt werden sollen oder zumindest Ausnahmen zu treffen sind, ist vor Ort zu entscheiden", so das Ministerium.

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