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Maskenpflicht befeuert alte Falschbehauptung über Söders Frau | BR24

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Die Falschbehauptung über Karin Baumüller-Söder kursiert schon seit 2020

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    Maskenpflicht befeuert alte Falschbehauptung über Söders Frau

    Weil ab Montag in Bayern die FFP2-Maskenpflicht gilt, kocht die Falschbehauptung hoch, die Frau von Ministerpräsident Söder profitiere davon. Die Tatsache, dass das längst widerlegt ist, ficht Verschwörungsgläubige nicht an. Ein #Faktenfuchs.

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    Von
    • Bernd Oswald

    Am Dienstag hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bekannt gegeben, dass ab Montag eine FFP2-Maskenpflicht in Geschäften und im Nahverkehr gilt. Dieser Beschluss hat viel Resonanz hervorgerufen, positiv wie negativ. Unter den negativen Reaktionen gibt es im Netz - auch auf den BR24-Kanälen - jede Menge Kommentare, die Markus Söder bzw. seiner Ehefrau Karin Baumüller-Söder unterstellen, mit der FFP2-Maskenpflicht (viel) Geld zu verdienen. Manche behaupten sogar, Söders Ehefrau betreibe mit ihrem Bruder die größte Firma zur Herstellung von Masken in Deutschland.

    • Alle Faktenfuchs-Artikel finden Sie hier.

    Baumüller Gruppe stellt keine Masken her

    Die insgesamt sechs Unternehmen umfassende Baumüller-Gruppe gehört Karin Baumüller-Söder und ihrem Bruder Andreas. Die Baumüller-Gruppe ist Systemanbieter für industrielle Antriebs- und Automatisierungstechnik. Keines der sechs zu Baumüller gehörenden Unternehmen stellt aber Masken oder Mund-Nasen-Bedeckungen her, wie ein Unternehmenssprecher dem Faktenfuchs mitteilte.

    Baumüller Services, eine Tochterfirma der Baumüller-Gruppe, die elektrische Maschinen repariert, hatte nach eigenen Angaben im April 2020 per 3D-Drucker 210 Face Shields hergestellt, die etwas anderes als Masken oder Mund-Nasen-Bedeckungen sind.

    Face Shields dienen allerdings weder dem eigenen Schutz noch dem Anderer - und waren deshalb auch schon vor Einführung der FFP2-Maskenpflicht als Mund-Nasen-Bedeckung nicht zulässig.

    "Diese Face Shields wurden nicht verkauft, sondern zum Schutz der eigenen Mitarbeiter verteilt bzw. an Krankenhäuser in der Region Nürnberg gespendet", sagt der Unternehmenssprecher.

    Behauptungen, die Firma Baumüller verdiene mit Masken Geld, sind also falsch.

    Ein Sprecher der bayerischen Staatskanzlei verwies auf Anfrage des BR24-#Faktenfuchs auf diesen Tweet, der "alles wiedergibt, was es dazu zu sagen gibt".

    Bayerische AfD-Chefin setzte Falschbehauptung im Mai 2020 in die Welt

    Die Verschwörungserzählung lässt sich bis in den Mai 2020 zurückverfolgen, öffentlich bekannt wurde sie durch einen Tweet der bayerischen AfD-Landesvorsitzenden Corinna Miazga, die am 29. Mai 2020 auf Twitter schrieb:

    "Söders Frau, Karin Baumüller-Söder macht jetzt in sog. #faceshields und verdient so an der Maskenpflicht, die ihr Mann in #Bayern nicht nur predigt, sondern sogar staatlich verordnet!"

    Miazga verlinkte zu einer Pressemitteilung der Baumüller-Gruppe, in der über die Produktion von Face Shields für ein Nürnberger Krankenhaus berichtet wurde. In der ursprünglichen Version der Pressemitteilung fehlte allerdings der Hinweis darauf, dass die Face Shields gespendet wurden. Am 31. Mai fügte die Baumüller Gruppe den Satz: "Alle produzierten Face Shields wurden für die eigenen Mitarbeiter bzw. für Spendenzwecke hergestellt" in die Pressemitteilung ein.

    Da war das Narrativ, "die Firma von Söders Frau verdient an der Maskenpflicht", gegen das Söder juristisch vorging, aber schon in der Welt. Es ist seitdem auch in den Kommentaren an BR24 immer wieder aufgetaucht; seit Söders Ankündigung, eine FFP2-Maskenpflicht einzuführen, ist die Verbreitung dieser Verschwörungserzählung aber sprunghaft angestiegen.

    Psychologe: Verschwörungserzähler wollen ihr Weltbild bestätigt sehen

    Dass im Fall Söder "offensichtlich ein funktionierendes Narrativ vorliegt", konstatiert Roland Imhoff, Professor für Sozial- und Rechtspsychologie an der Universität Mainz. "Verschwörungserzähler brauchen eine geeignete Intention und Motivation hinter einer Handlung, die sie meinen entlarven zu wollen. Im Fall Söder liefern sie die persönliche Bereicherung als Motivation - das funktioniert gut", sagt er dem #Faktenfuchs.

    Allerdings gehe es bei Verschwörungsnarrativen nicht so sehr um ein konkretes Ereignis, sondern mehr um ein bestimmtes Weltbild, zum Beispiel, "dass 'die da oben' an Eigennutz interessiert sind. Dieses Weltbild wird immer auf neue Ereignisse angewendet, wie hier auf die FFP2-Maskenpflicht in Bayern", sagt Imhoff, zu dessen Forschungsschwerpunkten die Verschwörungsmentalität gehört.

    Gefahr, dass sich Verschwörungserzählung durch ständige Wiederholung verstärkt

    Menschen unterlägen der "konfirmatorischen Informationsverarbeitung", das heißt, sie nähmen die Welt so wahr, wie sie sie wahrnehmen wollten, so Imhoff. "Wir suchen aktiv jene Informationen, die unsere Meinung bestätigen, während wir widersprechende Informationen vernachlässigen."

    Mit anderen Worten: Menschen sind nicht gut darin, ihre Überzeugungen zu ändern. Deswegen stören sich Verschwörungsgläubige auch nicht daran, dass die Falschbehauptung über Söders Frau schon 2020 widerlegt wurde. Im Gegenteil, durch die Wiederholung wird dieses Narrativ eher noch effektiver:

    "Wenn Menschen sich an etwas erinnern, das sie schon mal gehört haben, nutzen sie das als ganz starken Hinweis auf Wahrheit. Psychologen sprechen hier vom 'Truth Effect': Menschen halten die gleiche Aussage für wahrer, wenn sie sie zum wiederholten Mal hören." Roland Imhoff, Psychologieprofessor an der Universität Mainz

    Fazit

    Behauptungen, die Firma Baumüller, an der die Ehefrau von Ministerpräsident Söder beteiligt ist, verdiene mit der Produktion von FFP2-Masken Geld, sind falsch. Die Baumüller Gruppe stellt Antriebs- und Automatisierungstechnik her, aber keine Masken. Im April 2020 hatte eine Tochterfirma der Baumüller Gruppe 210 Face Shields produziert, von denen der größte Teil an zwei Krankenhäuser gespendet und der Rest für die eigenen Mitarbeiter verwendet wurde. Verkauft wurden die Face Shields nicht.

    Dennoch funktioniert dieses Narrativ bei Menschen, die Markus Söder und seine Frau als Profiteure der eigenen politischen Entscheidungen sehen, nach wie vor gut. Das liegt Psychologieprofessor Imhoff zufolge auch daran, dass diese Erzählung gut in das nur schwer zu ändernde Weltbild von Verschwörungsgläubigen passt.

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