BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: pa/dpa/Sebastian Gollnow

Bayerns SPD-Fraktionschef Florian von Brunn hat sich für eine komplette Aufhebung der Maskenpflicht an Schulen ausgesprochen.

78
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

"Wir wollten mehr": Reaktionen auf Masken-Lockerung an Schulen

Für ältere bayerische Schüler bleibt's bei der Maskenpflicht im Unterricht, für jüngere fällt sie ab diesem Mittwoch weg. Spitzenpolitikern mehrerer Parteien geht die neue Corona-Lockerung nicht weit genug, Lehrerverbände mahnen dagegen zur Vorsicht.

78
Per Mail sharen
Von
  • Petr Jerabek
  • Maximilian Heim
  • Eva Lell

Nach tagelangen Differenzen bei der Maskenpflicht im Unterricht haben sich CSU und Freie Wähler in Bayern auf einen Kompromiss geeinigt: In Kommunen mit einer Corona-Inzidenz unter 50 dürfen an Grundschulen und Grundschulstufen der Förderschulen ab Mittwoch Schüler und Lehrer die Maske am Platz im Klassenzimmer ablegen. An weiterführenden Schulen ändert sich dagegen vorerst nichts. Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) betonte, die Lockerung für Grundschüler sei aufgrund der niedrigen Inzidenz und der regelmäßigen Tests an Schulen vertretbar: "Man kann das verantworten."

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, sieht die Entscheidung mit gemischten Gefühlen. Er hätte sich gewünscht, dass diese Lockerung erst ab einem Inzidenzwert von 35 gelte, sagte Meidinger dem BR. Für die Lockerung an den Grundschulen habe er aber "durchaus Verständnis". Zugleich begrüßte er, dass die Maskenpflicht an weiterführenden Schulen vorerst bleibt - entgegen der Forderungen der Freien Wähler. Bei älteren Schülern wäre eine Lockerung nach Meidingers Meinung verfrüht gewesen: In diesem Schuljahr solle man "noch vorsichtig sein", sagte er.

Lehrerverbände mahnen zu behutsamem Vorgehen

Meidinger mahnte generell zu behutsamem Vorgehen an den Schulen: Grundsätzlich freue sich natürlich jeder, wenn Masken dort nicht mehr notwendig seien. Er hoffe aber, dass das keine negativen Auswirkungen habe. Zudem könne niemand ausschließen, dass es zum Beginn des neuen Schuljahres wieder eine Maskenpflicht auch im Unterricht brauche. "Unsere Hoffnung ist, dass wir das nächste Schuljahr in voller Präsenz beginnen", betonte der Lehrervertreter.

Die Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, sprach mit Blick auf die Grundschulen von einer richtigen Entscheidung. Solange viele Lehrer an weiterführenden Schulen kein Impfangebot haben, ist sie allerdings ebenfalls gegen die Lockerung der Maskenpflicht ab der 5. Klasse.

SPD: Zögerlicher Schritt

Aus Sicht von Bayerns SPD-Fraktionschef Florian von Brunn ist die Aufhebung der Maskenpflicht im Grundschulunterricht ein zögerlicher Schritt. "Wir haben jetzt die niedrigen Inzidenzen", sagte von Brunn bei BR24Live. "Sodass wir eigentlich den Mut haben sollten zu sagen: Wir heben die Maskenpflicht insgesamt für die Schülerinnen und Schüler an allen Schulen auf." Das brächte laut dem SPD-Politiker bei den derzeitigen Temperaturen eine "große Erleichterung".

"Ein Stück Freiheit und Normalität für unsere Kinder", twitterte Gudrun Lux, Grünen-Stadträtin in München. Sie verwies darauf, dass Grundschüler ständig getestet würden, die Temperaturen hoch und die Fenster offen seien.

AfD: Ältere Schüler werden weiter "drangsaliert"

Die AfD-Fraktion im Landtag hält die Entscheidung für überfällig, aber längst nicht weitreichend genug. "Die Schüler an weiterführenden Schulen werden weiterhin, trotz hochsommerlicher Temperaturen, mit Masken drangsaliert", erklärte der bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Markus Bayerbach. Eine wirkliche Einsicht in die Nutzlosigkeit der Masken an Schulen sei nicht festzustellen. "Das Ziel ist, die Politik der Angst und Panikmache aufrechtzuerhalten und jederzeit wieder verschärfen zu können."

Auch der FDP-Landtagsfraktion geht die beschlossene Erleichterung bei der Maskenpflicht nicht weit genug. Matthias Fischbach, bildungspolitischer Sprecher der Fraktion, erklärte via Twitter: "Über 1,2 Millionen Schülerinnen und Schüler müssen weiter unter den Masken im Unterricht schwitzen." Für den FDP-Politiker ist das ein "absurdes Schauspiel der Söder-Regierung bei einstelligen Inzidenzen und mehrmaligen Tests pro Woche".

Freie Wähler: "Wir bleiben dran"

Die Freien Wähler werten den Kompromiss mit der CSU derweil als ihren Erfolg. "Ab morgen sind jetzt schon mal die Grundschüler von der Maskenpflicht am Sitzplatz befreit", betonte Parteichef und Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger. Der Freie-Wähler-Bildungsexperte im Landtag, Tobias Gotthardt, sprach von einer "großen und absolut verantwortbaren Erleichterung für unsere Kleinsten". Ihm sei aber nicht verständlich, warum die CSU bei den weiterführenden Schulen mauere. "Wir wollten mehr - und bleiben dran", versprach er.

© BR
Bildrechte: BR

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hat den Wegfall der Maskenpflicht für Grundschüler begrüßt. Er hoffe nur, dass die Meldung aus dem Kabinett auch tatsächlich so umgesetzt werde, betonte der SPD-Politiker.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!