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Masken, Filter, Klassengröße: Wie gut sind die Lehrer geschützt? | BR24

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Die neunte Klasse einer bayerischen Mittelschule, aufgenommen am 08.09.20

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    Masken, Filter, Klassengröße: Wie gut sind die Lehrer geschützt?

    Volle Klassenzimmer, kaum Luftfilter, noch nicht ausreichend FFP2-Masken: Nicht alle Lehrerinnen und Lehrer in Bayern haben derzeit ein gutes Gefühl. Das Kultusministerium verweist auf seine Initiativen, Verbände und Opposition fordern mehr.

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    Von
    • Maximilian Heim
    • Eva Eichmann

    Der Vorwurf der Grünen-Abgeordneten Gabriele Triebel an Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) war heftig. Piazolo komme seiner Fürsorgepflicht für die Lehrerinnen und Lehrer im Freistaat nicht nach, kritisierte Triebel bei der gestern erstmals durchgeführten Corona-Regierungsbefragung im Landtag. Triebels Begründung: Die vom Ministerium angekündigten insgesamt 300.000 FFP2-Masken für Bayerns Lehrer seien angesichts von circa zwei Stück pro Lehrkraft zu wenig - zudem seien sie nur FFP2-ähnlich, die Qualität der nun beschafften Masken sei umstritten.

    Piazolo wies die Attacke zurück und betonte, dass für ihn der Schutz aller Beteiligter - Lehrer wie Schüler - im Vordergrund stehe. Die für die Lehrkräfte vorgesehenen Masken sind laut ihm qualitativ hochwertig und entsprechend zertifiziert. Und der Minister wies auf einen weiteren Aspekt hin: "Es ist nicht so, dass jede Lehrkraft FFP2-Masken möchte und damit unterrichtet", sagte Piazolo. Das Unterrichten mit Maske sei eine große Herausforderung.

    Lehrkräfte: Wer will welche Maske?

    Auf wie viele bayerische Lehrkräfte Piazolos Vermutung zutrifft, ist bislang nicht abschließend geklärt. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) schätzt auf BR-Anfrage, etwa 60 Prozent der Lehrkräfte würden gerne mit FFP2-Maske unterrichten. Piazolo selbst wiederum nannte bislang keine Zahlen zu den FFP2-skeptischen Lehrern.

    Derweil könnte schon bald ein weiterer Baustein für die Sicherheit der Lehrkräfte in Corona-Zeiten hinzukommen. Denn ab morgen sollen auch Schulen Corona-Schnelltests kaufen können; bisher gibt es diese Schnelltests vor allem für die Bewohner und Beschäftigten in Pflegeheimen. Die Hoffnung: Bei den Lehrerinnen und Lehrern könnten auf diese Art bislang unentdeckte Infektionen erkannt werden - aber noch sind viele Fragen offen.

    Schnelltests: Piazolo zurückhaltend

    Während Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) darauf setzt, dass sich Lehrkräfte künftig selbst testen können, äußerte sich Bayerns Kultusminister Piazolo heute abwartend. "Man muss wirklich schauen, was ist damit wirklich gemeint", sagte er. Und weiter: "Was sind auch die Konsequenzen eines solchen Tests? Da geht es auch um haftungsrechtliche Fragen."

    Der BLLV äußerte sich etwas zuversichtlicher. Ein solcher freiwilliger Schnelltests könne dabei helfen, dass man sich als Lehrerin wohler fühle, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann auf BR-Anfrage. Grundsätzlich gilt laut ihr aus Lehrersicht: "Wir wollen maximale Präsenz und wir wollen maximalen Gesundheitsschutz."

    Lüften, CO2-Ampeln, halbierte Klassen

    Neben hochwertigen Schutzmasken (die sich Lehrkräfte natürlich auch selbst kaufen können) und möglichen Schnelltests gibt es weitere Maßnahmen, mit denen Lehrerinnen und Lehrer sowie ihre Schüler geschützt werden sollen:

    • regelmäßiges Lüften
    • "CO2-Ampeln" in Schulräumen (Piazolos Ziel: Alle Klassenzimmer sollen damit ausgestattet werden)
    • geteilte Klassen ab Jahrgangsstufe 8 in Corona-Hotspots (inzwischen quasi verpflichtend ab einem Inzidenzwert von 200)

    Die mittlerweile bayernweit für alle Schularten geltende Maskenpflicht auf dem Schulgelände sowie im Unterricht soll natürlich ebenfalls dem Schutz aller Beteiligten dienen.

    Kritik von Gewerkschaft und Opposition

    Nicht alle Akteure halten das alles für ausreichend. Während etwa die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) wegen Corona auf dauerhaft halbierte Klassen drängt, kritisiert die Landtags-SPD die Situation bei den angekündigten Luftfiltern für die Klassenzimmer. Diese müssen zunächst von den Kommunen beschafft werden, der Freistaat übernimmt die Kosten unter bestimmten Bedingungen (das Klassenzimmer muss nicht anderweitig ausreichend belüftet werden können). Bis vor einigen Tagen waren laut einer SPD-Anfrage bayernweit rund 800 Luftfilter beantragt - angesichts von gut 85.000 Klassenzimmern nicht allzu viel.

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