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Masken-Atteste leichtfertig erteilt? Ermittlungen gegen Arzt | BR24

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Ein Passauer Frauenarzt soll leichtfertig Masken-Atteste vergeben haben. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen ihn.

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Masken-Atteste leichtfertig erteilt? Ermittlungen gegen Arzt

Weil ein Passauer Frauenarzt leichtfertig hunderte Masken-Freistellungsatteste ausgestellt haben soll, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn. Polizisten haben nun seine Praxis durchsucht und Computer und Patientenunterlagen beschlagnahmt.

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Von
  • Katharina Häringer
  • BR24 Redaktion

Ein Passauer Frauenarzt soll leichtfertig Masken-Atteste vergeben haben. BR-Recherchen belegen, dass der Arzt ohne medizinische Gründe ein entsprechendes Attest ausgestellt hat. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen ihn.

Landratsämter informierten Staatsanwaltschaft

Ersten Erkenntnissen der Polizei zufolge stellte der Passauer Arzt Dr. Ronald Weikl mehrere 100 Atteste für Patienten im ganzen Bundesgebiet aus. Die überwiegende Mehrheit ging jedoch an Personen aus niederbayerischen Landkreisen.

Ins Rollen gekommen war der Fall, als ein Busfahrer die Echtheit eines Attests anzweifelte, das ihm ein Schüler gezeigt hatte. Die Kripo begann daraufhin, zu ermitteln. Immer öfter tauchten die Atteste auch in Schulen auf. Auch mehrere Landratsämter meldeten sich bei der Staatsanwaltschaft. Sie ermittelt nun wegen des Verdachts des Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse.

Polizisten beschlagnahmten heute in der Praxis Computer und Patientenunterlagen. Es wurde eine eigene Ermittlungsgruppe eingerichtet, teilte die Polizei mit.

BR-Recherche: Patientin Attest "aufgequatscht"

Ronald Weikl sagte dem BR bereits im Sommer, er stelle die Atteste dann aus, wenn Patienten beispielsweise Kreislaufbeschwerden oder psychische Probleme angeben würden. Doch offenbar gab es Masken-Freistellungsatteste bei ihm auch ohne medizinischen Anlass.

Dem BR liegt das Attest einer jungen Frau vor, die von sich sagt, völlig gesund zu sein und auch keine Probleme mit dem Mund-Nasenschutz zu haben. Sie sei von Weikl nie dahingehend untersucht worden. Trotzdem bescheinigt ihr der Arzt in dem Attest "schwerwiegende medizinische Gründe". "Das ist eine Lüge", sagt die Patientin, die wegen einer Krebsvorsorgeuntersuchung bei ihm in der Praxis war.

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Der Eingang zur Praxis von Dr. med. Ronald Weikl

Patientin: "In der Praxis trägt keiner Maske"

Sie schildert ihren Arztbesuch so: "Ab dem Zeitpunkt, wo ich über die Türschwelle getreten bin, habe ich gemerkt, dass da was anders ist. Weil ich da keinen mehr mit Mundschutz gesehen habe. Es hat sich angefühlt wie eine Parallelwelt, in der Corona nicht existiert." Im Gespräch habe Weikl dann gesagt, dass er nichts vom Mund-Nasenschutz halte, erzählt sie weiter.

"Ich habe nicht nach dem Attest gefragt. Ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt. Er hat mir das draufgequatscht, wissentlich, dass ich keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen habe." Patientin in der Praxis von Dr. Weikl

Erst zuhause habe sie realisiert, was passiert sei. Auf eine BR-Anfrage, ob es stimme, dass er in der Praxis keinen Mund-Nasenschutz trage, antwortete Weikl nicht.

Arzt ist Redner auf "Corona-Rebellen"-Demos

Der Passauer Frauenarzt, der auch als Praktischer Arzt arbeitet, gründete in diesem Jahr mit Dr. Sucharit Bhakdi den Verein "Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie". Der Verein zweifelt die Gefährlichkeit des Coronavirus an. Weikl ist auch als Redner auf Demos bekannt.

Er bezeichnet die Pandemie als "Plandemie", eine Strategie der Regierung, um den Bürgern Grundrechte zu entziehen. In einem seiner Youtube-Videos sagt er: "Man sucht mit der Lupe, das sind die vielen PCR-Tests, nach einem harmlosen Erkältungskrankheitserreger, um ihn zur bedrohlichen Todesseuche aufzubauschen."

Arzt wirbt um Mitarbeit in seinem Verein

Auch die Frau, die dem BR ihre Geschichte erzählte, wurde von Weikl mit seiner Vereinsarbeit konfrontiert. "Da ich was mit Politik studiere, hat er mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mich um seinen Verein, um seine Emails, zu kümmern. Ich habe gesagt: Ich muss mich erstmal einlesen, um was es da geht. Dann hat er mir seine Visitenkarte mitgegeben." Die Patientin recherchierte zuhause und ging ab dann nicht mehr in Weikls Praxis, sagt sie.

Atteste verlieren an Schulen ihre Gültigkeit

Atteste, die Weikl ausstellt, werden in Schulen nicht mehr akzeptiert. Der Ärztliche Bezirksverband Niederbayern hat bereits angeordnet, dass sich Kinder mit diesen Attesten von einem zweiten Arzt untersuchen lassen müssen.

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