Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Maserndiskussion: Blick auf die Situation in Niederbayern | BR24

© Bayern 1

Mangelnde Impfbereitschaft - laut Weltgesundheitsorganisation WHO ein großes Gesundheitsrisiko. Jetzt wird in Deutschland diskutiert: Soll ein Impfzwang eingeführt werden? Ärzte aus Niederbayern meinen: Impfzwang - nein, Impfempfehlung - ja.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Maserndiskussion: Blick auf die Situation in Niederbayern

Mangelnde Impfbereitschaft - laut Weltgesundheitsorganisation WHO ein großes Gesundheitsrisiko. Jetzt wird in Deutschland diskutiert: Soll ein Impfzwang eingeführt werden? Ärzte aus Niederbayern meinen: Impfzwang - nein, Impfempfehlung - ja.

Per Mail sharen
Teilen

Das Thema Impfen wird kontrovers diskutiert. Die Meinungen in der Bevölkerung gehen hierzu auseinander, wie eine Umfrage in Passau zeigt.

"Meine Kinder sind geimpft. Ich finde das gut." - "Verpflichtend finde ich das schwierig, vielleicht sollte man mehr an die Vernunft appellieren." - "Ich finde es richtig. Aber ich kann es nachvollziehen, dass es jeder selbst entscheiden muss." Umfrage in Passau

Gesundheitsamt prüft Impfbücher bei Vorschulklassen

Das Thema Masern unnötig befeuern möchte Walter Wifling, der Chef im Passauer Gesundheitsamt, nicht. Seit zwei Jahren gibt es hier in der Region keine Krankheitsfälle mehr, davor waren es einzelne. Vermehrt aufgetreten ist die Krankheit vor zwölf Jahren mit 70 Fällen, erinnert sich Wifling. Trotz positiver Entwicklung bleibt das Gesundheitsamt vorsichtig:

"Es werden bei allen Vorschulkindern die Impfbücher eingesehen vom Gesundheitsamt und hier entsprechende Empfehlungen gegeben für eine Masernimpfung, falls das nicht ausreichend ist. Und in den 6. Klassen werden alle Impfbücher angesehen." Walter Wifling, Chef Passauer Gesundheitsamt

Problematische Impfpflicht

Eine Impfpflicht sieht Wifling als problematisch an. Wenn, dann müsste es bundesweit ein einheitlich geändertes Infektionsschutzgesetz geben. "Jedes Kind soll zwei Mal gegen Masern/Mumps/Röteln geimpft sein. Ein sehr großes Problem stellen die jüngeren Erwachsenen dar, also alle nach 1970 Geborenen - sie sollten das Impfbuch kontrollieren und gegebenenfalls den Impfschutz ergänzen lassen."

Schwerer Krankheitsverlauf vermeidbar

Christoph Schmidtlein, leitender Oberarzt der Kinderklinik Passau, sieht es ähnlich. Impfempfehlung: Ja klar! Impfpflicht: Nicht unbedingt. Die aktuelle Diskussion um das Impfen sei nach Schmidtlein aber notwendig:

"Die Bevölkerung muss informiert werden, dass Masern gefährliche Erkrankungen sind. Das muss im Bewusstsein der Leute sein. Es macht auch Sinn zu impfen. Man kann die schwerwiegenden Verläufe und die Komplikationen dadurch zu 99 bis 100 Prozent vermeiden." Christoph Schmidtlein, leitender Oberarzt Kinderklinik Passau

Impfskepsis ideologisch bedingt

Der Deggendorfer Kinderarzt, Christian Renner, hält von der Impflicht: "Nichts! Weil ich von diesen vielen Pflichten in einem freien Land nicht viel halte. Grundsätzlich glaube ich, dass man keine Impfpflicht einführen sollte - ich glaube auch, dass es verfassungsrechtlich nicht möglich ist."

Nichtsdestotrotz will der Mediziner alle Eltern ermutigen, ihre Kinder impfen zu lassen. Die weit verbreitete Impfskepsis sei eher ideologisch bedingt:

"Die Leute sind überzeugt, nicht zu impfen und stützen das nicht auf Fakten – die Fakten sprechen fürs Impfen. Sie stützen es auf ein Gefühl und eine Meinung und lassen sich vom Vortragen von Fakten nicht beeinflussen." Christian Renner, Deggendorfer Kinderarzt