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Masern-Impfpflicht in Bayern? Die wichtigsten Fakten | BR24

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Bundesgesundheitsminister Spahn will die Masern-Impfung bundesweit zur Pflicht machen. Bayern bleibt erstmal dabei: Jeder soll selbst entscheiden, ob er sich gegen Masern impfen lassen will.

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Masern-Impfpflicht in Bayern? Die wichtigsten Fakten

Die Diskussion um eine Masern-Impfpflicht wird auch in Bayern lauter. Die einen fordern eine Impfpflicht, andere halten das für nicht verhältnismäßig. Wie akut ist das Masern-Problem im Freistaat? Die wichtigsten Fakten im Überblick.

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Wie viele Masern-Fälle gibt es in Bayern?

Das schwankt sehr. Im vergangenen Jahr gab es in Bayern nach aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) 108 dokumentierte Masern-Fälle, 2017 waren es nur 59. Das ist zwar auf den ersten Blick ein deutlicher Anstieg, der sich aber relativiert, wenn man noch weiter zurückschaut: Bei der letzten großen Masern-Epidemie im Jahr 2013 zählte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) insgesamt 777 Masern-Fälle im Freistaat.

Masern können schwere Verläufe nehmen, etwa mit einer Gehirnhautentzündung. Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts verläuft etwa jede tausendste Erkrankung tödlich.

Seit Anfang 2019 gab es in Bayern 34 Masern-Fälle, wie eine Grünen-Anfrage bei der Staatsregierung kürzlich ergab. Indes ist die Zahl der Masern-Fälle weltweit drastisch gestiegen. Sie nahm im ersten Quartal 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 300 Prozent zu, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO am Montag in Genf mitteilte. Es seien mehr als 112.000 Infektionen in 170 Ländern gemeldet worden.

Wie steht es um die Impfquote in Bayern?

Um die Masern auszurotten, müssten laut Experten 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Bei bayerischen Schulkindern liegt die Quote aktuell bei 92,2 Prozent (mind. 2. Impfung) und damit knapp unter dem Bundesdurchschnitt von 92,9 Prozent.

Das Problem in Bayern sind die regional sehr großen Unterschiede, so das Landesamt für Gesundheit. Gerade in südlichen Landkreisen wie Starnberg, Rosenheim oder Garmisch-Partenkirchen sind zum Teil über zehn Prozent der Sechstklässler gar nicht gegen Masern geimpft. Über die Gründe – ob Bequemlichkeit oder generelle Impf-Skepsis – lässt sich nur spekulieren.

Wie steht die bayerische Staatsregierung zu einer Masern-Impfpflicht?

Ministerpräsident Markus Söder hält auf BR-Nachfrage die bayerischen Impfquoten für ausreichend. Er appelliert wie auch die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (beide CSU) an die Eltern, die Kinder freiwillig zu impfen. Einen ausführlichen Bericht zu den politischen Positionen bei diesem Thema finden Sie hier.

Welche Ansicht vertritt das Robert-Koch-Institut?

Das Robert Koch-Institut vertritt eine ähnliche Auffassung wie die Staatsregierung. Dort befürchtet man, dass eine Impfpflicht für die vielen anderen freiwilligen Impfungen eher kontraproduktiv sein könnte – weil impfskeptische Menschen dann möglicherweise eine Trotzreaktion zeigen. Außerdem sind laut RKI bei den Masern-Ausbrüchen der letzten Jahre in Deutschland gar nicht die Kinder das Problem, sondern die Erwachsenen. Bei der Altersgruppe der 18 bis 44-Jährigen sind nämlich laut RKI zwei von fünf gar nicht gegen Masern geimpft, aber vor allem bei Erwachsenen haben Kinderkrankheiten wie Masern oft sehr schwere Folgen.

Wäre eine Impfpflicht rechtlich so einfach durchzusetzen?

Rein rechtlich ist eine Impfpflicht grundsätzlich möglich. Bei sehr gefährlichen Viren hat das Bundesgesundheitsministerium eine sogenannte Verordnungsermächtigung und kann damit eine Impfpflicht einführen. So war es zum Beispiel bei den Pocken, wo es bis 1976 eine Impfpflicht gab. Allerdings sind die Pocken auch deutlich gefährlicher als die Masern, jeder dritte Erkrankte stirbt daran. Ob bei Masern eine Impfpflicht deshalb verhältnismäßig ist, ist umstritten.

Viele Gegner einer Impfpflicht verweisen auf Artikel 2 des Grundgesetzes. Dort ist die körperliche Unversehrtheit festgeschrieben – und eine Impfung, also ein Einstich mit möglichen Nebenwirkungen, ist da nicht unproblematisch. Eine bundesweite Impfpflicht könnte also auch das Bundesverfassungsgericht beschäftigen.

Die Vorschläge der Politik zur Impfpflicht zielen deshalb auf die Aufnahme in staatlich finanzierte Kindertageseinrichtungen ab. Für nicht geimpfte Kinder gäbe es dann keine "Zwangsimpfung", die betroffenen Eltern müssten für ihren Nachwuchs allerdings auf andere Einrichtungen ausweichen.

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