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Gärtnereien, Kontakte, Handel: Söders Corona-Öffnungsplan | BR24

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Gärtnereien, Kontakte, Handel: Söders Corona-Öffnungsplan

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Gärtnereien, Kontakte, Handel: Söders Corona-Öffnungsplan

Nach der Öffnung der Friseure könnten laut Bayerns Ministerpräsident Söder im März weitere Lockerungsschritte folgen: bei Gärtnereien, Läden und den Kontaktbeschränkungen. Der Gastronomie macht er vorerst keine großen Hoffnungen.

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Von
  • Petr Jerabek

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bleibt bei seiner vorsichtigen Linie im Kampf gegen Corona, hat aber erstmals einen ausführlichen Ausblick auf mögliche weitere Lockerungsschritte gegeben. "Natürlich öffnen wir, wenn die Zahlen runtergehen", sagte Söder beim digitalen politischen Aschermittwoch der CSU in Passau. Bestimmt werde eine weitere Lockerung dabei nicht durch ein Datum, "sondern die Inzidenz".

Es gebe bei den Inzidenzwerten klare Richtungsgrößen: 35, 50 und 100. "Die stehen übrigens schon lange in der bayerischen Corona-Ampel, nichts Neues", sagte Söder. "Ich würde deswegen auch keine neuen Zahlen nehmen, und ich würde die Zahlen nicht ständig verändern, sondern wir orientieren uns uns an diesen Zahlen." Je stabiler die Zahlen seien, desto mehr könne man öffnen, erläuterte Söder.

Söder: "Bald mehr Kontakte möglich"

Der Ministerpräsident verwies darauf, dass die bayernweite nächtliche Ausgangssperre bereits aufgehoben worden sei, weil sie bei den gesunkenen Zahlen nicht mehr verhältnismäßig wäre. In diesem Zusammenhang stellte er eine Lockerung der Kontaktbeschränkungen in Aussicht: "Wenn die Zahlen jetzt besser werden, werden zum Beispiel in dem Segment natürlich bald mehr Kontakte erlaubt: nicht nur mit einer Person, sondern mit zwei Hausständen beispielsweise." Vor allem für Kinder sollten dann wieder mehr Treffen möglich sein.

Weitere Öffnung der Schulen nur sehr langsam

Bei den Schulen will die Staatsregierung laut Söder "ganz sensibel" vorgehen: "Langsamer Start, aber mit entsprechenden Testkonzepten und mit einem Maskenkonzept." Im ersten Öffnungsschritt dürften - wie angekündigt - ab nächster Woche die Grundschüler und Abschlussklassen wieder zurück in die Schule - aber "nur bei einer bestimmten Inzidenz und dann auch nur im Wechselunterricht".

Für Söder gilt dabei die Devise: "Eins nach dem anderen. Abwägen, Balancen bestimmen. Schule ist nämlich Teil der Pandemie." Er wolle nicht, "dass Schule jetzt einfach ein Versuchslabor aus ideologischen Gründen ist".

Zugleich betonte der Ministerpräsident, nach der Rückkehr der Kinder und Jugendlichen an die Schulen dürfe es keine Notenjagd geben oder einen "Leistungsdruck XXL". Nötig seien Anpassungen, kluge Konzepte, eine moderne Pädagogik. Umgekehrt lehne er aber auch Forderung ab, das ganze Schuljahr zu streichen. "Das wäre so was von unfair gegenüber jungen Menschen, und das werden wir nicht tun."

Öffnet der Einzelhandel ab Mitte März?

Im Bereich Wirtschaft und Mittelstand sei als erster Schritt die Öffnung der Friseure beschlossen worden: "Ab 1. März ist es wieder so weit." Sollten die Zahlen weiter sinken, könne er sich für Anfang März vorstellen, "dass als nächstes dann die Gärtnereien folgen", erläuterte Söder. "Weil das ist ähnlich wie die Supermärkte - zum Teil verderbliche Ware. Das passt auch in die Frühjahrszeit hinein, das kann man gut organisieren."

Auch der Einzelhandel werde natürlich "nicht ewig zu sein", versicherte der CSU-Chef. "Es gibt ja auch tolle Schutzkonzepte jetzt mit FFP2-Masken. Aber auch hier müssen die Zahlen stimmen." Die angepeilte Zahl sei hier die Inzidenz 35. "Ich bin sicher, wenn wir die 35 haben, dann wird der Einzelhandel - wenn sich das etwas stabilisiert - geöffnet werden können, vielleicht sogar schon ab Mitte März." Das werde aber "in vorsichtiger Form" erfolgen, zum Beispiel mit der "Regulation der Quadratmeterzahl".

Nach dem Handel kommen Sport und Kultur

Nach einer erfolgreichen Öffnung des Handels soll laut Söder Individualsport wie Tennis und Golf wieder möglich werden. "Das Ähnliche gilt dann übrigens für die Kultur." Der Ministerpräsident bekräftigte das Ziel, die Kultur zu stärken - und dabei nicht nur die Hochkultur zu fördern, sondern auch die freie Szene, junge Künstler "und ein Konzept aufzulegen von einer ganz modernen Open-Air-Kultur in ganz Bayern".

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) versicherte später in der "radioWelt" auf Bayern 2, dass auch Sportvereine nicht vergessen werden: Zum einen befasse sich im Moment die Sportminister-Konferenz in Deutschland mit der Frage, wie der Re-Start der Sportvereine nach dem Lockdown gelingen könne. Parallel dazu arbeite eine Arbeitsgruppe daran, "wie wir schrittweise das Sportleben in Bayern wieder auf Trab bringen können".

Öffnung von Lokalen "am schwersten"

Am "schwersten" sind Öffnungen laut Söder in der Gastronomie, "weil hier die Schutzkonzepte schwierig sind". In Lokalen und Restaurants könne man nicht nur mit FFP2-Masken agieren. "Wenn dann acht Kumpels bei einander sitzen ohne Maske, dann könnte es noch gefährlicher werden." Deswegen müssen da die Zahlen noch etwas stabiler und besser werden."

Keine Prognose für Ostern

Eine Prognose, welche Öffnungsschritte bis Ostern möglich sein werden, wollte Söder nicht abgeben. "Ich würde nichts ausschließen, aber jetzt auch nichts zusagen." Es gebe Hoffnung und "auch Linien, die man hochrechnen kann", aber es lasse sich nicht absehen, wie sich die Lage weiter entwickle.

Er bleibe im "Team Vorsicht", betonte Söder. Die Lage sei sehr volatil. "Volatil bedeutet: Bei dir kann heute alles in Ordnung sein, aber wenn du nicht aufpasst, bis du morgen in kürzester Zeit ein Hotspot." Über die aktuelle 7-Tage-Inzidenz von 54 zeigte sich Söder dennoch erfreut. "Wer hätte vor sechs oder sieben Wochen gedacht, dass wir jetzt schon wieder so weit sind." Man dürfe jetzt aber nicht die Geduld verlieren, betonte er und verwies auf die Gefahr der Mutationen. "Je höher die Infektionszahlen, desto schlimmer wirkt die Mutation, und je niedriger - desto besser kontrollierbar ist es."

Aiwanger: Gastronomie spätestens zu Ostern öffnen

Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hatte dagegen zuvor in Deggendorf einmal mehr raschere Öffnungen gefordert. Die Politik müsse bei ihren Entscheidungen noch mehr als bisher auf die "Gesamtgemengelage" achten und "nicht nur auf die Virologen" hören. Es müssten Wege gefunden werden, "wie wir bei einem vertretbaren Restrisiko die Wirtschaft, die Gesellschaft, die sozialen Kontakte möglichst wenig beschädigen".

Man müsse der Wirtschaft eine Perspektive geben, betonte Aiwanger. "Und die heißt für mich, dass wir allerspätestens zu Ostern öffnen müssen, dass wir allerspätestens zu Ostern dem Tourismus eine Chance geben müssen, dass wir schon deutlich vorher dem Handel eine Chance geben müssen, dass wir die Läden öffnen." Die Politik müsse Perspektive "nicht nur in Worten" geben, "sondern auch in Daten und in konkreten Projekten".

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