BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Corona-Test-Panne: Dauerhafter Imageschaden für Söder? | BR24

© dpa-Bildfunk/Peter Kneffel

Ministerpräsident Markus Söder mit Rautenmaske.

106
Per Mail sharen

    Corona-Test-Panne: Dauerhafter Imageschaden für Söder?

    Die Staatsregierung versucht, die Corona-Test-Pannen in den Griff zu bekommen. Doch die Aufarbeitung dauert. Eine Behörden-Panne mit bundesweiten Folgen - und möglicherweise Auswirkungen auf Markus Söders politische Ambitionen.

    106
    Per Mail sharen

    Bis Donnerstagmittag hätten 900 positiv auf Covid-19 getestete Menschen über ihre Infektion benachrichtigt werden sollen. So hatte es Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Mittwochabend in den "ARD-Tagesthemen" angekündigt. Ob das inzwischen passiert ist, ist unklar - das bayerische Landesamt für Gesundheit lässt das derzeit offen und verweist auf eine Stellungnahme im Laufe des Tages. Weiter ungewiss bleibt auch, was mit den mehr als 100 positiven Tests ist, die bisher niemandem zugeordnet werden konnten.

    Testen, testen, testen - und überforderte Behörden

    Wie viele Menschen die mehr als 1.000 Infizierten angesteckt haben, ist völlig unklar. Es ist davon abhängig, wie viele der Infizierten Corona-Symptome bemerkt haben und wie viele sich nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet in Quarantäne begeben haben.

    Im Kampf gegen das Coronavirus wollte Bayern eigentlich einmal mehr Vorreiter sein: Am 28. Juli, einem Dienstag, kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) freiwillige Corona-Tests für Reiserückkehrer an. Schon am Donnerstag sollten die acht Teststationen an Autobahnen, Bahnhöfen und Flughäfen einsatzbereit sein. "Am Mittwoch bekamen wir die Anforderung, einen Tag später um 7 Uhr standen unsere Leute bereit, um die Abstriche zu machen", sagt Sohrab Taheri-Sohi, Sprecher des Bayerischen Rote Kreuz (BRK).

    Corona-Teststationen: Zettelwirtschaft statt Software

    Innerhalb eines Tages ist die bayerische Hilfsorganisation vom Freistaat beauftragt worden, fünf der acht Teststationen, an drei Rastanlagen und an zwei Hauptbahnhöfen in Betrieb zu nehmen. Nach Angaben des BRK sei das für sie kein Problem, "man könne Einsatz", heißt es. Aber die behördlichen Strukturen haben das hohe Tempo wohl nicht hergegeben: Während das BRK vom zuständigen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) eine Software gefordert hatte, wurden die zu testenden Personen händisch mit Formularen erfasst. "Mit beispielsweise einem Tablet, einem Barcode-Scanner hätten wir die Datensätze problemlos zu den Proben zuordnen können - mit einer ganz geringen Fehlerquote", meint BRK-Sprecher Taheri-Sohi.

    Nach einem regelrechten Ansturm auf die zu dem Zeitpunkt noch freiwilligen Tests für Urlaubsrückkehrer offenbarten sich schon Ende vergangener Woche die Probleme: Mehr als 40.000 Tests wurden in einer Woche durchgeführt, doch viele warteten mehr als sieben Tage auf ihre Ergebnisse. Bereits vergangenen Freitag versprach die bayerische Gesundheitsministerin bis zum letzten Wochenende eine Aufarbeitung.

    Söder: Das Tempo macht die Pandemie

    Als dann ab Samstag die Testungen für Rückkehrer aus Risikogebieten verpflichtend wurden, scheint das System der Zettelwirtschaft vollends an seine Grenzen gekommen zu sein. Andreas Zapf, bis Donnerstag amtierender LGL-Präsident, sieht die Gründe für die Panne genau darin: unvollständig und schwer leserlich ausgefüllte Formulare.

    100 Mitarbeiter zusätzlich und eine digitale Erfassung, das soll jetzt und in der Zukunft helfen, kündigte Bayerns Ministerpräsident am Donnerstag an. Er hatte weder die Rücktrittsangebote seiner Gesundheitsministerin angenommen, noch eigene Fehler eingeräumt: Nicht er gebe das Tempo vor, sondern Corona, so Söder in einer Pressekonferenz am Donnerstag.

    Über die Autobahn-Teststationen sagt Söder, dass er sie so schnell wie möglich an den Start bringen wollte. Es habe schwere Fehler gegeben - aber "in der Umsetzung, nicht der Strategie".

    Test-Panne hat Auswirkung auf ganz Bayern

    Ob Söders Vorpreschen und die Panne seinem Image als Corona-Krisenmanager jetzt dauerhafte Kratzer zufügen, werden die kommenden Wochen zeigen. Das dürfte davon abhängig sein, wie gut die Tests in Zukunft laufen und, ob es zu größeren Infektionsketten wegen einer zu spät informierten, positiv getesteten Person kommt.

    An seiner Aussage: "Nur wer Krisen meistert, kann Kanzlerkandidat" wird er sich messen lassen müssen. Denn anders als die Corona-Ausbrüche im niederbayerischen Mamming oder beim Schlachtkonzern Tönnies in Nordrhein-Westfalen ist die jetzige Corona-Test-Panne kein lokales Problem, sondern hat Auswirkungen auf das ganze Bundesgebiet.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!