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Ministerpräsident Söder im Bayern3-Interview

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Söder kündigt neue Lockerungen an - Maskenpflicht bleibt länger

Die Kontaktbeschränkungen in Bayern wurden bis 19. Juli verlängert - im BR-Interview stellt Ministerpräsident Söder aber neue Lockerungen in Aussicht, unter anderem für Kneipen und Veranstaltungen. Für andere Bereiche macht er dagegen keine Hoffnung.

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Entgegen der Hoffnung mancher Menschen hat die Staatsregierung in dieser Woche keine neuen Lockerungen der Corona-Beschränkungen beschlossen - mit einer Ausnahme: Die Maskenpflicht im Kino- und Theatersessel wurde abgeschafft. Stattdessen wurden die Kontaktbeschränkungen um zwei weitere Wochen bis 19. Juli verlängert.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) stellt nun aber zumindest weitere Lockerungen im Lauf dieses Monats in Aussicht: Wenn die Lage stabil bleibe, könnte beispielsweise die maximale Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen erhöht werden, sagte der CSU-Politiker im Bayern-3-Interview. "Ich kann mir vorstellen, andere Bereiche weiter zu öffnen, vielleicht auch mal über die Schankwirtschaften zu reden unter bestimmten Voraussetzungen - aber eben nicht überstürzt."

Aiwanger pocht auf Lösung für Kneipen und Weihnachtsmärkte

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sieht dringenden Bedarf für weitere Lockerungen. "Alle bisherigen Öffnungen haben sich bewährt und waren wirtschaftlich dringend nötig. Jetzt fehlen noch die 5.000 Schankwirtschaften wie Kneipen und Bars", sagte er der "Bild"-Zeitung. Aiwanger hatte vor zwei Wochen schon für Anfang Juli eine Lösung angekündigt, Ministerpräsident Söder bremste aber in dieser Frage.

Nach Meinung des Wirtschaftsministers muss "auch die Anzahl der Gäste bei Geburtstagen, Hochzeiten, Tagungen von derzeit 50 drinnen beziehungsweise 100 draußen erhöht werden", wie er im Interview betonte. "Genauso die auf 100 bzw. 200 begrenzten Kulturveranstaltungen. Die Gespräche in der Koalition dazu laufen."

Aiwanger mahnte, nötig sei Optimismus statt einer depressiven Stimmung. "Die Menschen müssen wieder am Biertisch sitzen, miteinander Brotzeit machen. Wir brauchen auch Konzepte, wie wir ausgefallene Großveranstaltungen durch Biergärten etc. kompensieren." Außerdem müssten in den nächsten Wochen die "traditionellen kleineren Märkte" wieder zugelassen werden, sagte Aiwanger. "Es darf nicht alles ausfallen einschließlich der Weihnachtsmärkte."

Söder warnt vor "bumsvollen Biergärten"

Söder warnte dagegen im Gespräch mit Bayern-3-Moderatorin Claudia Conrath vor Leichtsinn: "Ein bumsvoller Biergarten (...) führt dazu, dass wir auch eine bumsvolle Ansteckung bekommen können."

Einmal mehr verteidigte er die Linie der Staatsregierung, langsamer zu lockern als andere Bundesländer. "Wir haben jetzt bei jeder Öffnung gesagt: Wir warten zwei, drei Wochen und schauen, ob es klappt in der Praxis oder ob es einen Rückfall gibt", betonte der Ministerpräsident. Bislang habe sich dieser Kurs bewährt. Jeder Fehler könne sich aber dramatisch auswirken. "Deswegen wollen wir eben keine Fehler machen. Wie erleichtern immer stückweise."

Maskenpflicht wird "schon länger" bleiben

Viele Bayern-3-Hörer kritisierten die Maskenpflicht. Söder zeigte zwar Verständnis dafür, stellte aber klar: Solange es keine Medikamente und keine Impfung gebe, sei es notwendig, einen Mund-Nasenschutz dort zu tragen, wo die Abstandsregeln nicht eingehalten werden könnten. Die Maskenpflicht in bestimmten Bereichen werde daher "schon länger" bleiben.

Wer erleichtere, müsse gleichzeitig auch Schutzmaßnahmen sicherstellen. "Und dazu gehört auch weiter der Mund-Nasen-Schutz, allerdings auch Testungen", argumentierte der Ministerpräsident. In vielen Staaten sei die Lage gerade "dramatisch schlechter als bei uns", betonte der CSU-Politiker. Corona könne sich aber jederzeit wieder ausbreiten. "Erleichtern ist der Wunsch, aber Vorsicht ist einfach die Mutter der Porzellankiste." Bei einem erneuten Ausbruch müssten die Maßnahmen "wieder grundlegender sein", warnte Söder. Ein paar Unannehmlichkeiten könnten "uns ganz viel ersparen".

Keine Perspektive für Diskotheken und Festivals

Den Betreibern von Diskotheken oder Veranstaltern großer Konzerte und Festivals macht Söder dagegen keine Hoffnung, dass sie bald wieder loslegen können. Das Publikum und auch die Stimmung bei einem Rockkonzert seien ganz anders als beispielsweise in der Staatsoper. Bei einem Festival wie "Rock am Ring" oder "Rock im Park" Abstand zu halten, funktioniere kaum. Es werde mitgesungen, und dann komme oft auch noch etwas Alkohol dazu. "Dann wird es noch schwieriger werden, sich an der Vernunft zu orientieren. Und so schnell entstehen dann Infektionsherde. Und im Moment jedenfalls kann's da keinen Grund geben, zu sagen: Wir ändern das."

Söder zeigte sich auch skeptisch, dass es in Clubs und Diskotheken funktionieren würde, Namenslisten der Gäste wie in der Gastronomie zu führen. "Glauben Sie, dass das in Diskos mit diesen ganzen Namen so geht? Es ist ja sowieso nicht so einfach. Also, wenn man mal da nachschaut, muss man aufpassen, dass dann auf solchen Listen auch nicht steht: Donald Duck, Micky Maus, Superman, Ironman."

Forderungen, Risikopatienten oder ältere Menschen zu isolieren, statt allen Bürgern Einschränkungen zuzumuten, lehnte Söder strikt ab. Die Großeltern dauerhaft wegzusperren, nur weil manche schneller wieder in die Disko wollen, passe nicht zu seiner Vorstellung einer zivilen Gesellschaft, "in der Solidarität eine Rolle spielt".

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