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Maria-Baumer-Prozess: Was geschah vor dem Verschwinden? | BR24

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Zwei Themen haben die Richter im Prozess um die mutmaßliche Ermordung Maria Baumers beschäftigt: Was passierte vor dem Verschwinden und war Maria Baumer danach noch auf dem Jakobsweg unterwegs?

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Maria-Baumer-Prozess: Was geschah vor dem Verschwinden?

Zwei Themen haben die Richter im Prozess um die mutmaßliche Ermordung Maria Baumers beschäftigt: Was passierte vor dem Verschwinden und war Maria Baumer danach noch auf dem Jakobsweg unterwegs?

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Es ist der Pfingstsamstag 2012 als Maria Baumer unerwartet verschwindet. Zuletzt wird sie einen Tag zuvor auf einem Reiterhof gesehen. Es ist der Hof des Bruders des angeklagten Verlobten der damals 26-Jährigen. Mit ihrer zukünftigen Schwägerin unternimmt sie am Nachmittag einen Ausritt. Maria sei "gut gelaunt und fit wie immer" gewesen, sagte die Schwägerin am Montag als Zeugin aus. Nach dem Reiten habe man zusammen Kaffee getrunken und beschlossen am Abend noch zu grillen. Es sei ein fröhlicher Abend gewesen, bestätigt auch die Mutter der Schwägerin. Man habe lustige Hüte aufgesetzt, die Maria dabeihatte und über die Hochzeitsvorbereitungen des Paars geredet, so die Zeugen. Erst gegen Mitternacht endete der spontane Grillabend.

Untypisches Verhalten des Opfers

Marias Ausgelassenheit am Vorabend des Verschwindens bestätigt auch einer ihrer Freunde. Der Zeuge hatte zwischenzeitlich noch mit ihr telefoniert. Sie sei ungewöhnlich aufgedreht, fast schon "zu fröhlich" gewesen, sagte der langjährige Freund. Schon seit Jahren habe er mit Maria bei der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) zusammengearbeitet. Auch außerhalb der KLJB sei man eng befreundet gewesen. Mehrmals wöchentlich habe man in der Regel telefoniert. Marias Fröhlichkeit habe ihn überrascht, denn kurz zuvor habe sie bei einem dieser Telefonate noch einen ganz anderen Eindruck auf ihn gemacht: "Depressiv", "total am Boden" beschreibt er Marias Stimmung wenige Tage vor dem Grillabend. Über Gründe habe sie am Telefon aber nicht sprechen wollen, so der Zeuge.

Freund berichtet von schlechtem Erinnerungsvermögen

Schon seit einiger Zeit hatte er da bereits starke Stimmungsschwankungen bei ihr festgestellt. Seine Theorie: Stress. Maria Baumer war in der Woche zuvor zur Bayerischen Landesvorsitzenden der KLJB gewählt worden. Außerdem hatte sie einen neuen Job angenommen, der sie stark forderte. Dazu kamen gesundheitliche Probleme, die auch der befreundete Zeuge bemerkt haben will. Er beschreibt eine Szene vom Wochenende vor dem Verschwinden. Die Delegierten der KLJB hatten sich in Passau getroffen. Um Maria Baumers Wahl zur Landesvorsitzenden vorzubereiten, mussten noch viele Gespräche geführt werden. "Beim Frühstücken konnte sich Maria einmal nicht mehr an die Gespräche vom Abend davor erinnern", sagt der Freund, als seine Vernehmung eigentlich schon beendet ist und der Richter keine Fragen mehr hat.

Schwere Zeiten für Maria Baumer

Der "Blackout" ist nicht der erste, der im Prozess zur Sprache kommt. Bereits an den vorangegangenen Verhandlungstagen war ein erster Gedächtnisaussetzer der damals 26-Jährigen wenige Tage zuvor bekannt geworden. Arzttermine - darunter ein MRT - waren die Folge. Dazu litt Maria Baumer unter starken Menstruationsschmerzen, die sie schon länger mit normalen Schmerztabletten behandelte. Auch eine Operation stand wegen der Schmerzen im Raum. Dazu kamen auch noch die Hochzeitsvorbereitungen. Immer mehr zeigt sich im Prozess: Die Zeit rund um das Verschwinden, war nicht einfach für die junge Frau, deren Leiche erst ein Jahr später in einem Wald bei Bernhardswald gefunden wurde.

Hinweis auf Tötung nach Grillfeier

Die Zeit dazwischen ist das zweite große Thema des Prozesstages. Für die Staatsanwaltschaft steht fest, dass der Angeklagte seine Verlobte nach der Grillfeier ermordet hat. Mit starken Medikamenten, zu denen er als Krankenpfleger Zugang hatte, heißt es in der Anklage. Doch es gibt noch eine weitere Theorie, der die Ermittler nachgingen. Laut der Vernehmung des Angeklagten bei der Polizei, habe sich Maria Baumer nach ihrem Verschwinden bei ihm telefonisch gemeldet, von einer "Auszeit" und einer Zugfahrt nach Hamburg erzählt. Die Ermittler suchten deshalb auch öffentlich nach Maria Baumer. Auch in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" ist der Fall Thema und tatsächlich gehen auch ernstzunehmende Hinweise ein.

Zeugen hätten Maria beim Pilgern angetroffen

Mehrere Zeugen wollen Maria Baumer auf einem Abschnitt des Jakobswegs in Nordrhein-Westfalen gesehen haben.

"Ich bin mir zu 90 bis 95 Prozent sicher, dass sie es war." Zeugin aus Gevelsberg

Die Zeugin aus Gevelsberg habe Maria Baumer an einem regnerischen Tag in ihrem Dorf getroffen, mit Regencape und großem Rucksack. "Sie war eine imposante Erscheinung", so die Frau, die einige hundert Meter zusammen mit ihr durch den Regen gegangen sein will. Die Frau habe Bairisch geredet und habe keinen verwirrten Eindruck auf sie gemacht, so die Zeugin.

Hundespur wohl kein Beweis

Andere Zeugenaussagen aus der Region wollen Maria Baumer ebenfalls gesehen haben. Die Aussagen passen aber nicht immer zur tatsächlich damals Vermissten und weichen auch voneinander ab. Trotzdem setzte die Polizei im Mai 2013, also ein Jahr nach Maria Baumers Verschwinden, Suchhunde in der Region ein. Mit Erfolg: Drei Hunde finden eine Spur. Doch selbst bei den Hundeführern, die am Montag ebenfalls als Zeugen geladen waren, bleiben Restzweifel. Letztendlich können ihre Aussagen heute auch einen geladenen Sachverständigen nicht überzeugen - im Gegenteil. Selbst wenn sie vor Ort gewesen sein sollte, sei es für ihn ausgeschlossen, dass die Hunde nach einem Jahr tatsächlich Maria Baumers Spur gerochen haben können, so der Sachverständige. So gibt es am Ende keine Beweise, dass Maria Baumer nach ihrem Verschwinden tatsächlich noch länger gelebt haben könnte.

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