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Maria Baumer-Prozess: Staatsanwalt fordert lebenslänglich | BR24

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Im Prozess um den mutmaßlichen Mord an Maria Baumer hat der Staatsanwalt vor dem Landgericht Regensburg eine lebenslange Freiheitstrafe für den angeklagten Verlobten des Opfers gefordert. Die Verteidigung plädiert auf Freispruch.

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Maria Baumer-Prozess: Staatsanwalt fordert lebenslänglich

Im Prozess um den mutmaßlichen Mord an Maria Baumer hat der Staatsanwalt vor dem Landgericht Regensburg eine lebenslange Freiheitstrafe für den angeklagten Verlobten des Opfers gefordert. Die Verteidigung plädiert auf Freispruch.

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Wegen heimtückischen Mordes fordert der Staatsanwalt im Indizienprozess um den mutmaßlichen Mord an Maria Baumer eine lebenslange Freiheitstrafe für den angeklagten Verlobten. Die besondere Schwere der Schuld sei zu bejahen, so der Staatsanwalt vor dem Landgericht Regensburg.

Staatsanwalt sieht Heimtücke gegeben

Somit könnte er auch nach 15 Jahren Gefängnis nicht vorzeitig entlassen werden. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte die Tat mindestens drei Tage lang geplant. Der Angeklagte soll seiner Verlobten absichtlich einen Kakao, in den er eine hohe Menge Schmerzmittel gemischt hatte, gebracht haben. Die Dosis sei so hoch gewesen, dass Maria Baumer verstarb. Der Staatsanwalt sieht darin einen heimtückischen Mord.

Neue Liebe als Motiv?

Dafür zählte er mehrere Motive auf: Zum einen habe der Angeklagte frei sein wollen für eine ehemalige Patientin, in die er sich verliebt hatte. Der Staatsanwalt nannte als weiteres Motiv, dass der Angeklagte eine "Trennung ohne Konflikte" wollte. Er sei jemand, der "unfähig zum offenen Konflikt" sei. Deshalb habe er nicht mit seiner Verlobten Schluss machen können.

Außerdem hatte er durch das Verschwinden beziehungsweise den Tod seiner Verlobten einen Grund, den er nennen konnte, um das Scheitern seines Medizinstudiums zu erklären. Der Angeklagte sei möglicherweise neidisch auf den Erfolg von Maria Baumer gewesen, so der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Erst ein paar Tage vor dem mutmaßlichen Mord hatte Maria Baumer einen neuen Job angefangen und sie war zu diesem Zeitpunkt gerade erst zur Vorsitzenden der Katholischen Landjugend in Bayern gewählt worden.

Angeklagter informierte sich im Netz über "perfekten Mord"

Grund für die Annahme, dass die Tat geplant gewesen sein könnte, ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft, dass sich der Angeklagte nur wenige Tage vor Maria Baumers Verschwinden im Internet über den "perfekten Mord" informiert hatte. Der Angeklagte sei dann manipulativ vorgegangen. Er habe zum Beispiel Facebook-Nachrichten von Maria Baumers Account verschickt, um vorzutäuschen, dass sie verreist sei, um sich eine Auszeit zu nehmen. Die Staatsanwaltschaft bezweifelt, dass Maria Baumer kurz vor ihrem Verschwinden Depressionen hatte - wie es der Angeklagte beschreibt. Auch sei es unwahrscheinlich, dass Baumer die starken Schmerzmittel freiwillig genommen hatte. Sie sei eher gegen übermäßige Medikamenteneinnahme gewesen.

Staatsanwalt: Verhalten des Angeklagten spricht für Mord

Als Beweis für einen Mord spricht aus Sicht der Staatsanwaltschaft das Verhalten des Angeklagten direkt nach dem Tod seiner Verlobten. Wie Ermittlungen ergaben, habe der Angeklagte noch eine Musik-CD für die ehemalige Patientin, in die er verliebt war, erstellt und Links zu seinem Internet-Blog an sie verschickt. Der Angeklagte folgte dem Plädoyer größtenteils regungslos. Einmal tauschte er sich mit seinem Verteidiger aus, schüttelte dabei genervt den Kopf.

Verteidigung fordert Freispruch

Die Verteidigung selbst forderte Freispruch für den Angeklagten. Man wisse nicht, wie Maria Baumer zu Tode gekommen sei. Es gebe kein tragfähiges Motiv für eine Tötung. Der Angeklagte habe sich schuldig am Tod seiner Verlobten gefühlt und sie aus Panik vergraben, so der Verteidiger. Maria Baumer soll die Medikamente zwar freiwillig wegen Rückenschmerzen genommen haben. Jedoch fühlte sich der Angeklagte verantwortlich, weil er davon ausging, dass seine Verlobte durch die Medikamente, die er besorgt hatte, gestorben sei. Um zu vertuschen, dass er diese Medikamente aus dem Krankenhaus, in dem er arbeitete, geklaut hatte und aus Angst um seinen Job, habe er Maria Baumer vergraben. Erst danach sei ihm bewusst geworden, was er getan habe.

Anschließend soll der Angeklagte laut dem Verteidiger versucht haben, das Vergraben der Leiche zu vertuschen. Deshalb habe er Gründe für das Verwinden seiner Verlobten erfunden. Den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, der Angeklagte hätte schon mehrere Tage vor dem Tod Baumers Pläne für einen Mord entwickelt, wies die Verteidigung zurück. Erst nach dem Tod seiner Verlobten habe der Angeklagte, Chats manipuliert oder Telefonate erfunden. In seinem Plädoyer stellte der Verteidiger in Frage, ob Maria Baumer überhaupt wegen der Medikamente gestorben sei. Die Todesursache hätte nicht eindeutig geklärt werden können.

Nach Verteidiger-Plädoyer: Angeklagter entschuldigt sich

Zum Abschluss des Prozesstags am Landgericht Regensburg hat sich der Angeklagte mit zitternder Stimme bei der Familie Baumer entschuldigt, auch wenn er wisse, dass man sich "dafür" nicht entschuldigen kann. Was genau er meinte, blieb unklar. Er bereue, gelogen zu haben. Auch bei seiner eigenen Familie entschuldigte er sich, vor allem bei seinen Geschwistern und seiner Mutter. Das Urteil wird am kommenden Dienstag (6.10.) erwartet.

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