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Maria-Baumer-Prozess: Erbgutanalyse belastet Angeklagten | BR24

© dpa

Der Angeklagte (2.v.l.) steht mit Mundschutz im Verhandlungssaal des Landgerichts neben Polizisten und seinem Verteidiger Michael Haizmann

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    Maria-Baumer-Prozess: Erbgutanalyse belastet Angeklagten

    Am Landgericht Regensburg hat das Schwurgericht im Fall "Maria Baumer" heute die ersten Zeugen vernommen. Dabei belastete ein Sachverständiger den Angeklagten mit einem Erbgut-Vergleich.

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    Von
    • Andreas Wenleder

    Im Prozess um den mutmaßlichen Mord an der 2012 verschwundenen Maria Baumer aus der Oberpfalz hat das Landgericht Regensburg am Freitag mit der Beweisaufnahme begonnen. Ein Sachverständiger belastete den Angeklagten mit dem Ergebnis einer Erbgut-Analyse. Außerdem befragte das Gericht Zeugen, die die sterblichen Überreste Maria Baumers in einem Wald gefunden haben.

    Haare des Angeklagten am Fundort der Leiche festgestellt?

    Der heute 35-jährige angeklagte Ex-Verlobte von Maria Baumer verfolgte den heutigen zweiten Verhandlungstag weiter ohne große Regung. 2012 soll er die damals 26-Jährige laut Anklage mit Medikamenten ermordet haben. Anschließend hat er nach Ansicht der Staatsanwaltschaft versucht, die Leiche in einem Wald bei Bernhardwald verschwinden zu lassen. Um Spuren zu verwischen und eine Identifizierung zu erschweren, soll er der Leiche unter anderem mit Branntkalk zugesetzt haben.

    Angeklagter hat sehr seltenes DNA-Muster

    Für die These, dass der Verlobte die Leiche im Wald abgelegt hat, lieferte ein Sachverständiger heute Nachmittag ein neues Indiz. Die Analyse des österreichischen Mikrobiologen legt nahe, dass der Angeklagte am Fundort der Leiche gewesen sein könnte. Mit großer Wahrscheinlichkeit, so der Experte, stammen am Fundort gefundene Haare vom Angeklagten oder einem seiner direkten Verwandten. Da mit den Haaren kein klassischer DNA-Vergleich mehr möglich war, verglich er die sogenannte Mitochondriale-DNA in den Haaren mit einer Probe des Angeklagten. Diese ist zwar weniger aussagekräftig als ein normaler DNA-Abgleich, allerdings hat der Angeklagte ein sehr selten vorkommendes DNA-Muster. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Haare von ihm oder einem seiner nahen Verwandten stammen, sei über 15.000 mal höher als ein Zufallsfund, so der Experte.

    Leiche mit Branntkalk und Bindemittel bedeckt

    Vor ihm hatte bereits ein Experte für Mineralogie ausgesagt. Er beschrieb, wie das über der Leiche verteilte Branntkalk- und Anhydritbinder-Gemisch auf die Leiche gewirkt haben. Werden diese Stoffe mit Wasser gemischt, könne eine Hitze von rund 470 Grad Celsius entstehen. Zusätzlich entstehe ein extrem basisches Milieu mit einem PH-Wert von teilweise 13. Ein Körper könne unter diesen Bedingungen "verseifen“ so der Zeuge. Die Stoffe seien frei verkäuflich, oft beispielsweise in Estrich enthalten. Die Funktionsweise sei gewöhnlich auch Menschen mit chemischer oder medizinischer Ausbildung bekannt. Möglicherweise ein weiteres Indiz, da der Angeklagte vor der mutmaßlichen Tat Medizin studierte.

    Finder der Leiche schilderten Situation am Fundort

    Bereits am Vormittag waren weitere Details zum Fundort Thema des Verhandlungstages. Als erste Zeugen sagten ein Mann und eine Frau aus, die im September 2013 – ein Jahr nach dem Verschwinden Maria Baumers – die sterblichen Überreste der Frau gefunden hatten. Sie waren im Wald, um Pilze zu sammeln, bis die Frau auf die Leiche stieß. Sie rief ihre Begleiter zurück, um sie auf die Knochen aufmerksam zu machen. Neben der Leiche entdeckten sie auch einen Spaten. Der Zeuge machte außerdem Fotos vom Fundort, alarmierte die Polizei und brachte die Beamten zum Fundort. Ein Teil der am Fundort anwesenden Polizisten sagte heute Vormittag ebenfalls aus. Die Leiche sei stark verwest gewesen, sagte einer der Beamten. Die Knochenteile seien rund zehn bis 15 Meter um den Fundort verteilt gelegen. Außerdem habe wohl ein Tier an der Stelle gegraben, so der alarmierte Polizist. Wegen des Fundorts in der Nähe von Bernhardswald sei schon bei der Alarmierung der Kriminalpolizei der Verdacht aufgekommen, dass es sich um Maria Baumer handeln könne, ergänzte ein Kripo-Beamter in seiner Aussage.

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