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Maria-Baumer-Prozess: Das Bangen der Zwillingsschwester | BR24

© BR/Andreas Wenleder

Im Prozess um den mutmaßlichen Mord an der Oberpfälzerin Maria Baumer hat die Schwester des Opfers als Zeugin ausgesagt. Sie und ihre Eltern treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. Für die Familie ist der Prozess Belastung und Erfolg zugleich.

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Maria-Baumer-Prozess: Das Bangen der Zwillingsschwester

Im Prozess um den mutmaßlichen Mord an der Oberpfälzerin Maria Baumer hat die Schwester des Opfers als Zeugin ausgesagt. Sie und ihre Eltern treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. Für die Familie ist der Prozess Belastung und Erfolg zugleich.

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Von
  • Andreas Wenleder

Maria Baumers Zwillingsschwester wartet. Es ist der Pfingstmontag 2012. Ihre Schwester wird seit dem Samstagmorgen vermisst. Außer ihrem Verlobten hat die junge Frau niemand mehr gesehen - auch ihre Zwillingsschwester nicht. Sie ist in die gemeinsame Wohnung von Maria und ihrem Verlobten gefahren. Von dem heutigen Angeklagten stammt das letzte scheinbare Lebenszeichen Marias: Sie habe ihn angerufen und gesagt, dass sie eine Auszeit brauche.

Auszeit in Hamburg?

Hamburg sei das Ziel, hatte der Verlobte der Zwillingsschwester berichtet. Maria wolle am Montag wiederkommen. Deshalb sitzt sie in der gemeinsamen Wohnung des Paares. "Ich fand das komisch, das war nicht Maria. Ich wollte nicht, dass sie allein ist, wenn sie kommt", sagt die hochschwangere Schwester am Mittwoch im Prozess aus.

Der Bahnsteig bleibt leer

Der Abend verrinnt. Marias Verlobter ist zu seiner Nachtschicht als Krankenpfleger gefahren. Die Schwester wartet auf dem Sofa auf Maria. Überprüft ständig, wann der nächste Zug aus Richtung Hamburg in Regensburg ankommen könnte. Als nur noch ein möglicher Zug aussteht, fährt sie zum Bahnhof und wartet am Bahnsteig. "Die Leute sind ausgestiegen. Maria war nicht dabei", sagt die Zwillingsschwester im Zeugenstand.

Sorgen werden immer größer

Schon zuvor sei ihr Marias plötzliches Verschwinden seltsam vorgekommen. Das sei nicht ihre Art, habe sie sich damals gewundert. Große Sorgen habe sie sich anfangs aber nicht gemacht, sagt sie aus. "Wart ab, die taucht schon wieder auf", habe sie versucht, Marias verzweifelt wirkenden Verlobten zu beruhigen. Doch mit jeder Stunde, die ihre Zwillingsschwester nicht auftaucht, verfliegt die Sorglosigkeit.

Recherche auf eigene Faust

Zusammen mit dem Verlobten recherchiert sie im Internet und auf dem Facebook-Konto von Maria. Verwandte der Familie im Raum Hamburg werden angerufen. Maria ist bei niemanden aufgetaucht. Da der Handyvertrag der Vermissten ausgelaufen ist, gibt es keine Möglichkeit sie anzurufen.

Vermisstenmeldung aufgegeben

Nachdem ihre Schwester am Pfingstmontag nicht aus dem letzten Zug gestiegen ist, ist ihr endgültig klar, dass etwas nicht stimmen kann. Nachdem Maria Baumer am Tag darauf auch nicht bei ihrer Arbeitsstelle erschienen ist, entschließt sich die Familie, die 26-Jährige als vermisst zu melden. Gemeinsam gehen Eltern, Schwester und der Verlobte zur Polizei. Die Sorgen werden immer größer, auch weil Maria Baumer in den Tagen zuvor wegen einem längerem Gedächtnisaussetzer in Behandlung war.

Familie vertraut dem Angeklagten

Den heute angeklagten Verlobten habe sie anfangs keinesfalls verdächtigt, dass er etwas mit dem Verschwinden zu tun zu haben könnte, sagt die Zwillingsschwester als Zeugin aus. Gemeinsam haben sich Schwester und Verlobter auf die Suche gemacht.

Verlobten zum Essen eingeladen

Auch im Fernsehen treten sie gemeinsam auf und bitten um Hinweise. Einmal habe sie ihn zum Essen eingeladen, damit er mal wieder etwas in den Magen bekommt, so die Zeugin. Lange sei der Angeklagte auch noch regelmäßig bei der Familie zu Besuch gewesen.

Familie schwelgt in Ungewissheit

Die Familie weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass Maria tot ist und sie weiß auch noch nicht, was die Staatsanwaltschaft dem Verlobten heute vorwirft: Die Anrufe Marias vom Bahnhof in Nürnberg bei ihrem Verlobten soll es laut den Ermittlern nie gegeben haben.

Stattdessen soll er seine Verlobte mit einem Medikamenten-Mix getötet haben und ihre Leiche nahe seines Heimatorts bei Bernhardswald im Wald verscharrt haben. Die Spuren soll er versucht haben, mit Branntkalk und Anhydritbinder zu verwischen.

© picture alliance/Armin Weigel/dpa

Der ehemalige Verlobte Maria Baumers am Landgericht Regensburg.

Belastender Prozess für die Familie

Es sind diese grausamen Details, die für die Familie im Verfahren eine große Belastung sind. Detailliert haben Zeugen und Sachverständige über mögliche Umstände des Todes und den Leichenfund berichtet. Bis zu 470 Grad Celsius würden an einem Körper entstehen, wenn er mit Branntkalk, Anhydritbinder und Wasser überschüttet wird, sagt beispielsweise ein Sachverständiger für Mineralogie aus.

Skelettierter Schädel für Halloweenmaske gehalten

Den skelettierten Schädel im Wald habe sie zuerst für eine Halloweenmaske gehalten, sagt die Pilzsammlerin aus, die Maria Baumers sterbliche Überreste im Wald entdeckt hat. Der Vorsitzende Richter warnt die Familienmitglieder, die im Prozess als Nebenkläger auftreten sogar, vor möglichen belastenden Aussagen und bietet ihnen an, nach draußen zu gehen.

Familie froh über gerichtliche Aufarbeitung

Doch Mutter, Vater rund Schwester hören sich auch diese Aussagen aufmerksam an, machen sich Notizen. Denn am Ende ist die Familie froh, dass dieser Prozess - acht Jahre nach dem Verschwinden - überhaupt noch geführt werden kann.

Wiederaufnahme der Ermittlungen ein Erfolg

2018 waren die Ermittlungen bereits einmal zwischenzeitlich eingestellt worden. Man habe damals keine konkrete Todesursache und keinen genauen Tatort gehabt. Obwohl der heute angeklagte Verlobte weiter als verdächtig galt, mussten die Ermittlungen eingestellt werden. Eine Entscheidung, die allen Beteiligten schwer viel, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Doch die damals bekannten Indizien hätten für eine Anklage nicht ausgereicht.

Beschwerde führt zu Wiederaufnahme der Ermittlungen

Doch Maria Baumers Familie wehrte sich gegen die Entscheidung und legte Beschwerde ein. Daraufhin prüften die beteiligten den Vorgang noch einmal. Der Generalstaatsanwalt in Nürnberg schickte eine "Bitte" an die Regensburger Kollegen, die Ermittlungen auf die Beschwerde hin wiederaufzunehmen.

Schließlich kam es zu den Nachermittlungen, die im Dezember 2019 zur Anklage führten. Sollte der "Fall Maria Baumer" am Ende gerichtlich geklärt werden können, wäre das auch ein Erfolg der Familie.

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