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Maria 2.0: Was hinter dem Eklat in der Kirche von Forst steckt | BR24

© BR/Norbert Steiche

Mit den Worten: "Raus hier, Sie haben hier nichts zu suchen", soll der Pfarrer der katholischen Kirche in Forst versucht haben, am Mittwochabend Frauen der Aktion "Maria 2.0" aus der Kirche zu werfen. Hinter dem Streit steckt aber noch viel mehr.

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Maria 2.0: Was hinter dem Eklat in der Kirche von Forst steckt

Mit den Worten: "Raus hier, Sie haben hier nichts zu suchen", soll der Pfarrer der katholischen Kirche in Forst versucht haben, am Mittwochabend Frauen der Aktion "Maria 2.0" aus der Kirche zu werfen. Hinter dem Streit steckt aber noch viel mehr.

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Die Frauen in Forst (Landkreis Schweinfurt), darunter auch Mitglieder des örtlichen katholischen Frauenbundes, hatten bereits vor wenigen Wochen bei einer Andacht einer Marienstatue einen weißen Schal umgelegt - das Erkennungszeichen von "Maria 2.0". So heißt die Protestbewegung, die sich gegen die Machtstrukturen in der katholischen Kirche einsetzt.

Die Aktion hatte für Diskussionen in der Gemeinde gesorgt. Deshalb wollten sich die beteiligten Frauen am Mittwochabend vor dem Gottesdienst noch einmal erklären. Pfarrer Andreas Heck sei daraufhin wutentbrannt auf sie zugestürmt und habe sie schließlich der Kirche verwiesen, schilderte eine der Frauen dem BR.

© BR

Bei einem Gottesdienst zu Mariä Himmelfahrt ist es in Forst im Landkreis Schweinfurt zu einem Eklat gekommen. Der Pfarrer brach wegen Reformerinnen der Bewegung "Maria 2.0" die Messe ab.

Kritik: Fehlgeleitete Machtstrukturen, keine Weiheämter für Frauen

"Maria 2.0", die Initiative, für die sich auch die Frauen aus Forst engagieren, hat ihren Ursprung Anfang dieses Jahres in Münster. Ursprünglich wollten sich sieben Frauen einmal monatlich treffen, um gemeinsam das 2013 erschienene Schreiben "Evangelii Gaudium" - "Die Freude des Evangeliums" - von Papst Franziskus zu lesen. Dabei merkten sie aber, dass sie statt Freude eher Unmut über die Zustände innerhalb der katholischen Kirche verspürten. Stichworte: sexueller Missbrauch, fehlgeleitete Machtstrukturen, keine Weiheämter für Frauen.

Und so entstand die Idee eines einwöchigen Frauenstreiks, der schließlich bundesweit im Mai stattfand: Unter dem Motto "Maria 2.0" betraten Frauen eine Woche lang keine Kirche und verrichteten keine ehrenamtlichen Dienste. Ihre Botschaft: Wir demonstrieren gegen eine Männer dominierte Kirche und wollen mehr Rechte für Frauen. Beziehungsweise: Wir wollen gleichberechtigt sein.

Die "Maria 2.0"-Aktionen sorgen bis heute für viel Gesprächsstoff, wie der Vorfall in Forst zeigt.

Fehlende Gleichberechtigung sorgt für Spannungen

Der dortige Eklat scheint jedoch ein Einzelfall zu sein. Es gibt zahlreiche Pfarrer, die sich mit den Anliegen der Frauen solidarisch zeigen und sie ermutigen, weiterhin ihre Stimme zu erheben.

Gleichwohl haben die meisten Bischöfe in Bayern die Aktion "Maria 2.0" kritisiert und abgelehnt. Allen voran der mittlerweile emeritierte Bischof von Augsburg, Konrad Zdarsa, für den die Anliegen der Frauen "nicht im Sinne des katholischen Glaubens" sind.

Auch eine Gegeninitiative hat sich gebildet: Sie heißt "Maria 1.0". Und hier lautet der Tenor: Maria braucht kein Update und soll nicht instrumentalisiert werden.

Weitere "Maria 2.0"-Aktionen im Herbst

Das Frauenthema erhitzt die Gemüter in der katholischen Kirche. Viele Katholikinnen haben es satt, vertröstet oder mit Argumenten abgespeist zu werden, die für einige Theologen nicht haltbar sind. Mittlerweile erhält die Aktion "Maria 2.0" auch Unterstützung von den beiden großen katholischen Frauenverbänden, der Frauengemeinschaft (kfd) und dem Frauenbund (KDFB). Für die erste Oktoberwoche ist ein weiterer großer Frauen-Streik geplant.

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