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Mann schlägt auf Frau ein – Passanten schauen nur zu | BR24

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Am S-Bahnhof in Germering-Unterpfaffenhofen ist gestern eine Frau angegriffen und schwer misshandelt worden. Wie die Polizei heute gegenüber dem BR bestätigte, waren mehrere Passanten in der Nähe und griffen nicht ein.

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Mann schlägt auf Frau ein – Passanten schauen nur zu

Ein Mann hat in Unterpfaffenhofen eine Frau attackiert und schwer misshandelt. Drumherum standen etliche Passanten, doch niemand kam der 25-Jährigen zu Hilfe. Und selbst auf ihre Bitte hin stellte sich keiner der Beobachter als Zeuge zur Verfügung.

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Wie die Polizei heute berichtet, wurde die 25-jährige Frau am Sonntag bereits in der S-Bahn nach Germering (Landkreis Fürstenfeldbruck) von dem späteren Angreifer auf vulgäre Weise angesprochen. Ohne darauf zu reagieren, stieg die Frau im Ortsteil Unterpfaffenhofen aus.

Der Mann folgte der Germeringerin zur Treppe und schlug ihr ins Gesicht. Die Frau fiel daraufhin die letzten fünf Stufen der Treppe hinab. Als sie am Boden lag, trat der Täter dreimal gegen Hals und Oberkörper.

Zuschauer wollen Frau davon abhalten, sich zu wehren

Nun setzte sich der Mann auf die Frau und schlug mit deren Umhängetasche auf sie ein. Laut Polizei befanden sich zahlreiche Passanten in der Nähe – ohne dass einer dazwischen ging.

Im Gerangel verlor der stark kurzsichtige Täter seine Brille. Die Frau konnte aufstehen und wollte sich mit einer leeren Bierflasche zur Wehr setzen. Zeugen forderten sie auf, das zu unterlassen.

Der unter Drogen und Alkohol stehende 33-jährige Täter flüchtete zunächst. Nachdem Passanten die Polizei verständigt hatten, konnten Beamte ihn kurze Zeit später ganz in der Nähe festnehmen. Der polizeibekannte Mann wurde am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt. Der Vorwurf gegen ihn lautet auf gefährliche Körperverletzung.

Totalausfall auch als Zeuge

Die Frau, die durch den Angriff leicht verletzt wurde, berichtete der Polizei, dass sie einen etwa 50-jährigen Mann gebeten hatte, sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen. Dieser lehnte aber ab – mit dem Hinweis, mit der Sache nichts zu tun zu haben.

Polizei ermittelt wegen unterlassener Hilfeleistung

Die Polizei ermittelt außerdem wegen unterlassener Hilfeleistung. Es handelt sich um einem circa 50-jährigen Mann mit weißen Haaren. Er war wohl mit der jungen Frau in der S-Bahn, deshalb bat sie ihn nach dem Angriff, sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen. Der Mann lehnte das Hilfeersuchen sinngemäß mit den Worten ab, dass er "nichts gesehen hätte und mit der Sache nichts zu tun haben wolle und jetzt heim müsse".

Dazu werden derzeit Bilder von Überwachungskameras ausgewertet. Unterlassene Hilfeleistung gilt strafrechtlich als Vergehen und wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft. In Bayern gab es im vergangenen Jahr 251 zur Anzeige gebrachte Fälle von unterlassener Hilfeleistung bzw. von Behinderung von hilfeleistenden Personen.

Zivilcourage: Wie sollte man sich im Fall des Falles verhalten?

Wird man Zeuge einer Situation wie dieser, sollte man "helfen, ohne den Helden zu spielen", sagt Stefan Streifeneder, Leiter der Präventionsabteilung des Landeskriminalamts in Bayern. "Es bringt sich niemand in Gefahr, wenn er den Notruf wählt. Da sollte man sich auch nicht auf andere verlassen."

Auf ihrer Homepage der "Aktion-Tu-Was" für mehr Zivilcourage gibt die Polizei folgende Tipps, wie man sich im Ernstfall verhalten soll:

  1. Hilf, aber bring Dich nicht in Gefahr
  2. Ruf die Polizei unter 110
  3. Bitte andere um Mithilfe
  4. Präg Dir Tätermerkmale ein
  5. Kümmer Dich um Opfer
  6. Sag als Zeuge aus
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Ein Mann hat in Unterpfaffenhofen eine Frau attackiert und schwer misshandelt. Drumherum standen etliche Passanten, doch niemand kam der 25-Jährigen zu Hilfe. Und selbst auf ihre Bitte hin stellte sich keiner der Beobachter als Zeuge zur Verfügung.

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