Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Manfred Weber: Ein Niederbayer auf der großen europäischen Bühne | BR24

© picture alliance/Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Archivbild: Manfred Weber

Per Mail sharen

    Manfred Weber: Ein Niederbayer auf der großen europäischen Bühne

    Er wurde als Kandidat für den CSU-Vorsitz gehandelt, doch er entschied sich für eine Karriere in Europa: Manfred Weber führt die konservative EVP in die Europawahl und will Kommissionspräsident werden. Dafür reist er unermüdlich über den Kontinent.

    Per Mail sharen

    Mit Lebkuchenherzen im Gepäck quer durch Europa. Auf seiner "Zuhör-Tour" durch alle EU-Staaten will Manfred Weber "die verschiedenen Stimmungslagen" in der Bevölkerung aufnehmen - und nebenbei seine eigene Bekanntheit steigern. Ob Warschau oder Porto, Amsterdam oder Bukarest: Der CSU-Politiker ist in diesen Wochen unterwegs, um Bürgernähe zu demonstrieren, um mit möglichst vielen Menschen in allen Teilen des Kontinents ins Gespräch zu kommen - und drückt dem einen oder anderen dabei ein Lebkuchenherz mit seinem Konterfei in die Hand.

    Der Niederbayer führt als Spitzenkandidat nicht nur CDU und CSU, sondern die gesamte konservative Europäische Volkspartei (EVP) in die Europawahl Ende Mai. Für Weber ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu seinem großen Ziel: Er strebt das wichtigste Amt an, das die Europäische Union zu vergeben hat. Der 46-Jährige will Nachfolger von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker werden.

    Priorität Europa

    Ein Ziel, dem Weber in den vergangenen Monaten alles andere unterordnete. Unmittelbar nach der Landtagswahl im Herbst galt er als möglicher Konkurrent für Markus Söder im Wettstreit um den CSU-Vorsitz. Doch Weber zögerte zunächst und erklärte Mitte November dann seinen Verzicht auf eine Kandidatur: Er wolle sich voll darauf konzentrieren, EU-Kommissionspräsident zu werden und stehe "deshalb im Moment nicht als Parteivorsitzender zur Verfügung", erklärte er. Damit war der Weg für Söder an die Parteispitze frei.

    Eintracht mit Söder

    In diesen Wochen präsentieren sich Söder und Weber als eine Art Doppelspitze der CSU, die einträchtig für den Erfolg der Partei kämpft: Söder der Macher in Bayern und Deutschland, Weber der Bayer für Europa. Dabei wurde beiden lange Jahre ein sehr unterkühltes Verhältnis nachgesagt: Söder soll 2003 sogar versucht haben, Weber als seinen Nachfolger im Amt des bayerischen Junge-Union-Chefs zu verhindern - vergeblich.

    Während sich Söder in den folgenden Jahren immer wieder durch polarisierende Formulierungen ins Gespräch brachte, blieb Weber ein Mann der eher leisen und moderaten Töne. So manchem in der Partei galt der Niederbayer als eine Art Anti-Söder: liberaler, mehr auf Ausgleich bedacht. Als jemand, der dem öffentlichen Bild der CSU guttut. Allen Unterschieden zum Trotz haben sich die beiden Politiker aber zusammengerauft, ziehen nun an einem Strang: Dass die CSU den EU-Kommissionschef stellen könnte, begreifen beide als historische Chance.

    Webers Aufstieg

    Doch nicht erst im vergangenen Herbst - schon vor 15 Jahren hatte Weber zugunsten der Europapolitik auf eine politische Karriere in München verzichtet. Mit 30 Jahren hatte er es 2002 in den Bayerischen Landtag geschafft, galt dort als ein Mann mit Perspektive. Aber nach nur zwei Jahren entschied sich Weber überraschend für den Wechsel ins Europaparlament.

    Binnen weniger Jahre stieg der Niederbayer zu einem der einflussreichsten Deutschen in Brüssel auf. 2009 wurde er stellvertretender Vorsitzender der EVP-Fraktion. Seit 2014 steht er an der Spitze der größten Fraktion im Europaparlament.

    Weber will "Brücken bauen"

    Dieses Amt ist eines der Pfunde, mit denen Weber im Wahlkampf wuchern will. "Ich habe in den letzten fünf Jahren gezeigt, dass ich Europa zusammenhalten kann, dass ich Brücken bauen kann", rief er beispielsweise beim politischen Aschermittwoch der CSU in Passau in den Saal.

    Mit Blick auf die Wahlerfolge EU-kritischer und rechtspopulistischer Parteien in mehreren Ländern versucht Weber, sich als Mann der Mitte zu präsentieren. Europa werde von innen und außen herausgefordert und stehe daher vor einer historischen Wahl: "Ich kämpfe dafür, dass rechte Dumpfbacken wie aus der AfD oder der Le-Pen-Partei keine politische Verantwortung bekommen", schrieb er kürzlich auf Facebook. In seinen Reden und Interviews betont er immer wieder, er stehe für ein Europa der Mitte, der Bürgerlichkeit.

    "Europa zurück zu den Menschen bringen"

    Dabei greift der überzeugte Europäer Weber durchaus verbreitete Kritikpunkte an der EU auf und stellt Reformen in Aussicht. "Ich will Europa zurück zu den Menschen bringen", sagt er. "Wir müssen Europa demokratisieren, rausholen aus den Hinterzimmern, rein ins Parlament."

    Seine Zuhör-Tour soll den Wählern zeigen, wie er auch als EU-Kommissionspräsident agieren will: "Ich möchte mit vielen Menschen direkt reden, so wie ich es hier am Bahnhof, am Markt mache", sagte er kürzlich in Porto dem Fernsehsender Phoenix. "Das heißt: Nicht in den Katakomben der EU-Kommission einmauern, sondern rausgehen. Rausgehen, reden mit den Leuten, um zu zeigen: Wir sind nah dran an den Menschen."

    Den Bekanntheitsgrad ausbauen

    Weber wird im Rennen um die Juncker-Nachfolge zwar die Rückendeckung der EU-Staats- und Regierungschefs benötigen, die das Recht zur Nominierung des EU-Kommissionschefs haben. Ein starkes EVP-Ergebnis aber würde seine Position erheblich stärken. Nicht zuletzt deswegen arbeitet Weber in diesen Wochen unermüdlich daran, seinen Bekanntheitsgrad in Europa auszubauen.

    Er absolviert ein Mammutprogramm. Zwischen Parlamentssitzungen, Partei- und Fraktionstreffen, Interviews und Auftritten in TV-Talks schüttelt er Hände in Madrid, lauscht jungen Landwirten im irischen Wexford und im slowakischen Bratislava. Er trifft Schüler und Studenten in Prag, plaudert in der Großen Synagoge von Budapest mit dem Oberrabbiner. "Natürlich sind wir im Wahlkampf, und ich bin Kandidat. Und da muss man trommeln."