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Malachitgrün-Skandal setzt Anglern und Fischzüchtern zu | BR24

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Malachitgrün ist ein Fisch-Medikament gegen Parasiten. Es steht im Verdacht, für Menschen krebserregend zu sein und wurde unerlaubt bei Speisefischen eingesetzt. Die Behörden haben das verschwiegen.

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Malachitgrün-Skandal setzt Anglern und Fischzüchtern zu

Im März hatte der BR die Belastung von Fischen in Moosach und Isar mit Malachitgrün aufgedeckt - die Behörden wussten schon länger davon. Geschädigte sind nicht nur Verbraucher, die die Fische gegessen haben, sondern auch Angler und Fischzüchter.

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Malachitgrün ist ein Fisch-Medikament gegen Parasiten. Es steht im Verdacht für Menschen krebserregend zu sein, deshalb ist der Einsatz bei Speisefischen verboten. Was Verbraucher monatelang nicht erfahren haben und erst der Bayerische Rundfunk aufgedeckt hat: 2018 wurden kontaminierte Fische gefunden. Die Behörden hielten es monatelang geheim.

Große Unsicherheit bei Fischzüchtern

Peter Baumgartner ist Fischzüchter. Er schöpft mit einem Kescher Fische in einen Bottich. Sie sollen am nächsten Tag in Freising auf dem Markt verkauft werden. Die Fische sind unbelastet. Sie kommen aus einem von fünf inzwischen frei gegebenen Teichen. Seine anderen 20 Teiche mit zig Tonnen Fisch sind aber seit September 2018 gesperrt. Für den Fischzüchter ist das der finanzielle Ruin: "De facto bin ich auch pleite, unsichere Produktion, es fehlen die finanziellen Mittel, und ich weiß nicht was nachkommt aus dem Bach."

Grenzwert bei Speisefischen liegt bei Null

Die Moosach ist die Arbeitsgrundlage für den Fischzüchter. Der Bach versorgt die Fische mit Wasser. Doch über die Moosach kam auch das Unheil.

Ein Fischzuchtbetrieb stromaufwärts hat laut einer Selbstanzeige Fische mit Malachitgrün behandelt, angeblich versehentlich. Bei Fischen dort wurden Werte von über 3.000 Mikrogramm Malachitgrün pro Kilo gemessen; der Grenzwert liegt bei Null, plus Messtoleranz.

Offenbar wurde die Chemikalie dann mit den Sedimenten stromabwärts geschwemmt und von den Forellen Baumgartners aufgenommen.

Der Betrieb des Teichwirts wurde im September von den Behörden gesperrt. Zu der Zeit betrieb er gerade seinen Steckerlfischstand auf dem Freisinger Volksfest. Die Verbraucher erfuhren nichts von dem Malachitgrün-Problem, das Landratsamt Freising verwies darauf, dass es keine Gesundheitsgefahr gegeben habe.

Nur Fische aus Grundwasser-Teichen dürfen in den Handel

So lange das Malachitgrün in den Sedimenten der Moosach nachweisbar ist, so lange darf Teichwirt Baumgartner nur die Fische verkaufen, die in Grundwasser-Teichen aufgezogen werden.

Der Schaden geht wohl in die hunderttausend Euro. Beeinträchtigt sind außerdem möglicherweise die Tiere und Pflanzen der Moosach, dies wird derzeit erkundet.

Unklare Situation am Schwebelbach

Der Fall geht aber noch weiter: Der mutmaßliche Verursacher hat offenbar auch in seinem zweiten Betrieb, im Landkreis Dachau Malachitgrün verwendet. Auch die Behörden dort haben Teiche gesperrt. Zu den dortigen Messwerten gibt das Amt aber nichts bekannt.

Eine Frage ist auch, ob belastete Fische über den Hofverkauf in den Handel gelangten? Doch das ist laut Landratsamt Gegenstand der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Über die Umweltbelastung ist unterdessen gar nichts bekannt, dabei fließt auch von dem Dachauer Fischzuchtbetrieb Wasser in einen Bach: den Schwebelbach.

Der wurde aber fast ein halbes Jahr lang nicht untersucht. Das Landratsamt Dachau teilte dem BR nun mit, dass man keine "Anhaltspunkte" für eine Beprobung habe. Dabei wird der Abschnitt unterhalb der Fischzucht vom örtlichen Fischereiverein bewirtschaftet und es ist naheliegend, dass das Malachitgrün über die Sedimente in den Schwebelbach gelangt ist und jetzt - wie in der Moosach - von Fischen aufgenommen wird.

Für den umweltpolitische Sprecher der SPD im Landtag, Florian von Brunn, ist das nicht nachvollziehbar:

"Es geht um einen verbotenen Stoff, der in der Umwelt nichts verloren hat, der verboten ist in der Europäischen Union, von dem man weiß, dass er sich negativ auswirkt auf den Menschen, dass er krebserregend ist, dass er das Erbgut schädigt, so ein Stoff hat im Gewässer nichts verloren, und ich muss wissen, ist er da drinnen, oder nicht, und deswegen muss ich es untersuchen." Florian von Brunn, umweltpolitischer Sprecher der SPD im Landtag

Behörde lenkt teilweise ein

Aufgrund der Berichterstattung ließ das Wasserwirtschaftsamt die Sedimente im Abfluss der Fischzucht am 19. März doch untersuchen. Die Ergebnisse liegen aber noch nicht vor. Die Befischung ist weiterhin erlaubt.

Das Fischen an der Moosach dagegen ist wegen der Verunreinigung inzwischen verboten. Darüber hat das Landratsamt Freising die Angler Ende Januar informiert – nach Ende der Saison.

Angler fühlen sich nicht richtig informiert

Michael Hartl ist Vorsitzender des Anglervereins Moosburg, der an der Isar fischt. Und auch dort schwimmen inzwischen Malachitgrün-Fische, wie eine Untersuchung im Auftrag des Vereins ergeben haben. Sie wurden im September als Satzfische in eben jenem Freisinger Betrieb gekauft, der das Malachitgrün verwendet haben soll.

Hartl klagt, "dadurch dass wir nicht richtig informiert worden sind, kann man sich natürlich vorstellen, dass da Angler waren, die diese Fische seit September gefangen haben und auch verzehrt haben.“

Eigentlich hätten Großabnehmer der Fischzuchtbetriebe wie der Anglerverein Moosburg über die Malachitbelastung informiert werden sollen, doch das überließ das Landratsamt Freising den Unternehmern selbst. Mit der Folge, dass manche Kunden den Skandal erst über die Medien mitbekamen.

Die Ämter begründen ihre Zurückhaltung unter anderem damit, dass die Staatsanwaltschaft in dem Fall noch ermittelt.

Auch andere Angelvereine lassen jetzt auf eigene Kosten Fische untersuchen – eingefrorene vom Herbst, aber auch frische aus den Gewässern.

Die Angler fürchten, dass sie in der aktuellen Saison ihren Fang nicht essen können.

Warten, bis die Werte gesunken sind

Teichwirt Baumgartner hat noch viel größere Sorgen. Er darf seine kontaminierten Fische erst wieder verkaufen, wenn ihr Malachitgrünwert unter 2 Mikrogramm pro Kilogramm gesunken ist. Das wird bis zum Sommer dauern.