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Chemikalie Malachitgrün auch in Isarfischen
© picture alliance / blickwinkel/A. Hartl
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Chemikalie Malachitgrün auch in Isarfischen

Durch Recherchen des BR ist vor gut einer Woche ans Licht gekommen, dass Fische in der Moosach bei Freising mit Malachitgrün belastet sind. Das Arzneimittel, das bei Speisefischen verboten ist, steht im Verdacht, Krebs erregend und Erbgut schädigend zu sein.

Der Fall bekommt jetzt eine neue Dimension. Auch Isar-Fische sind mit Malachitgrün belastet, haben Untersuchungen im Auftrag des Anglervereins Moosburg ergeben. Das Ergebnis liegt dem Bayerischen Rundfunk exklusiv vor.

Stark erhöhte Werte in Isar-Fischen

Der Befundbericht des Tiergesundheitsdienstes Bayern ist eindeutig: Zwei Forellen aus der Isar bei Moosburg sind mit Malachitgrün verunreinigt.

"Die beiden Regenbogenforellen sind natürlich mit insgesamt 336 Mikrogramm pro Kilo schon schwer belastet bei einer Nulltoleranz." Michael Hartl, Vorsitzender Anglerverein Moosburg

Der Anglerverein Moosburg hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben – zum Schutz seiner Mitglieder. Denn Malachitgrün gilt als krebserregend und Erbgut schädigend. Der Grenzwert liegt bei null plus Messtoleranz.

Malachitgrün: Die Spur führt nach Freising

Michael Hartl hat eine Vermutung, wieso Fische in der Isar verunreinigt sind: In Freising steht ein Zuchtbetrieb unter Verdacht, das für Speisefische verbotene Tierarzneimittel verwendet zu haben. Und von genau dem Händler hatte der Anglerverein Moosburg im September rund 450 Forellen gekauft. Die wurden zwischen Hangenham und Oberhummel in die Isar eingesetzt.

Und weil Forellen „standorttreu“ sind, geht Hartl mit über 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit davon aus, dass die untersuchten Fische identisch sind mit den in Freising gekauften.

Kritik an Informationspolitik des Landratsamts Freising

Sauer ist Hartl, dass die Angler vom Landratsamt Freising erst Ende Januar – nach Ende der Saison – benachrichtigt wurden, dass es ein Malachit-Problem gibt.

„Dadurch dass wir nicht richtig informiert worden sind, kann man sich natürlich vorstellen, dass da Angler waren, die diese Fische seit September gefangen haben und auch verzehrt haben.“ Michael Hartl, Anglerverein Moosburg

Die breite Öffentlichkeit wurde vom Landratsamt Freising bis heute nicht informiert, sie erfuhr von den Malachit-Fischen erst vorige Woche durch Berichte des Bayerischen Rundfunks.

Belastete Fische: Fall weitet sich auf Isar aus

Dass jetzt auch Isar-Fische mit Malachitgrün belastet sind, ist eine ganz neue Dimension des Falls. Bisher war nur vom Flüsschen Moosach und den Nebenläufen in Freising die Rede.

Da sei ja wohl einiges schiefgelaufen, kommentiert Florian von Brunn, SPD-Landtagsabgeordneter und Verfechter von mehr Transparenz in der Lebensmittelüberwachung, das Vorgehen der beteiligten Behörden.

"Der Stoff ist ja wirklich gefährlich, er ist krebserregend, er ist erbgutschädigend. Also, da muss man als Behörde nachvollziehen, wo gehen diese Fische hin, muss handeln, muss aus meiner Sicht aus die Öffentlichkeit warnen. All das ist nicht passiert." Florian von Brunn, SPD

Landratsamt: Keine Pflicht zur Veröffentlichung

Die Geheimniskrämerei begründete das zuständige Landratsamt gestern noch einmal damit, dass die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Veröffentlichung nicht vorgelegen hätten. In einer früheren Stellungnahme hatte die Behörde erklärt, es bestehe keine Gesundheitsgefahr und man gehe davon aus, dass keine belasteten Fische in den Handel gelangt seien, weil man die betroffenen Betriebe unverzüglich gesperrt habe.

Jetzt aber schwimmen offenbar Malachit-belastete Fische in der Isar. Wieso der Anglerverein Moosburg als Kunde des mutmaßlichen Verursachers der Verunreinigung nicht gewarnt wurde, beantwortet das Landratsamt nicht und verweist auf laufende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

SPD fordert Angelverbot und weitere Untersuchungen

Der SPD-Abgeordnete Florian von Brunn fordert von den Behörden: "Butter bei die Fische." Jetzt müssten schleunigst wildlebende Fische untersucht und gegebenenfalls Angelverbote ausgesprochen werden.

Solche Pläne gibt es derzeit in Freising allerdings nicht. Weder werden wildlebende Fische untersucht, noch sieht die Behörde Handlungsbedarf wegen der belasteten Isar-Fische. Über den Sachverhalt sei man bisher nicht "formgerecht" unterrichtet worden, sagt eine Behördensprecherin.

Neues Gesetz: Behörden müssen mehr Informationen preisgeben

Wie die Öffentlichkeit in Zukunft informiert werden soll über Ekelfisch und Co – darum geht es heute im bayerischen Landtag. Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber will im zuständigen Ausschuss die Grundzüge seiner Politik darlegen und offenbar auch auf den Freisinger Malachit-Fall eingehen.

Mehr Transparenz könnte der bayerischen Politik schon bald aus Berlin verordnet werden. Im Bundestag steht eine Gesetzesänderung zur Abstimmung, die die Rechte der Verbraucher stärken soll. Mit enthalten ist eine Veröffentlichungspflicht, wenn Behörden bei Lebensmittelkontrollen nicht zugelassene oder verbotene Stoffe finden - zum Beispiel Malachitgrün in Speisefischen.

Anmerkung der Redaktion: Die Süddeutsche Zeitung wirft in einem Artikel im Bayernteil am 28.3.2019 dem BR vor, Informationen über Monate zurückgehalten zu haben. Dieser Vorwurf ist falsch und rufschädigend und wir weisen ihn entschieden zurück.

Lesen Sie hier die Antwort des BR an die Süddeutsche Zeitung