Zwei Hubschrauber in Oberstdorf am Mittwoch, 21.06.2023
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Mit zwei Hubschraubern wurden am Mittwoch Patienten von Berghütten um Oberstdorf ausgeflogen.

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Infektionen auf Hütten um Oberstdorf: Weitere Fälle aufgetreten

Mit akuten Magen-Darm-Erkrankungen mussten am Mittwoch mehrere Patienten von Hütten rund um Oberstdorf ins Tal gebracht werden. Einige mit der Seilbahn, aber auch zwei Hubschrauber waren im Einsatz. Heute musste der Einsatz fortgesetzt werden.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Schwaben am .

Im Zusammenhang mit den Magen-Darm-Erkrankungen auf Oberstdorfer Hütten hat das Landratsamt Oberallgäu vier weitere Fälle bestätigt. Heute früh hatte es von der Einsatzleitung noch geheißen, in der Nacht habe es keine neuen Fälle gegeben. Die vier Fälle stehen im Zusammenhang mit einer der schon gestern betroffenen Berghütten. Ein Kranker wurde nach Angaben des Landratsamts mit einem Hubschrauber ausgeflogen, die drei anderen konnten selbst absteigen.

19 Menschen erkrankt – Laboranalysen dauern an

Alle anderen Hütten rund um Oberstdorf meldeten auch in der Nacht keine neuen Fälle. Damit sind nun insgesamt 19 Menschen erkrankt. Sie konnten nach Angaben des Landratsamts alle ambulant behandelt werden. Noch ist nicht klar, ob sich die Menschen mit dem Noro-Virus infiziert haben. Laut Landratsamt wird die Labordiagnostik noch einige Tage in Anspruch nehmen. Das Gesundheitsamt des Landkreises Oberallgäu und die beteiligten Hilfsorganisationen werden das Geschehen in dem Bereich im Verlauf des Wochenendes weiter beobachten. Auch dem Ursprung des Ausbruchsgeschehens wird weiter nachgegangen. Ob hier endgültige Aufklärung möglich ist, ist allerdings fraglich – das zeigt die Erfahrung der vergangenen Jahre.

Privat geführte Hütte pausiert bis Sonntag

Wanderer, die sich heute oder in den kommenden Tagen auf den Weg in die Oberstdorfer Berge machen, können nach Angaben des Landratsamts unbesorgt auf- und absteigen. Die Wirte der betroffenen Hütten haben den Bettenwechsel für umfassende Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen genutzt. Von offizieller Stelle wurde keine Hütte geschlossen. Auf der Homepage der privat geführten Enzianhütte schreibt der Hüttenwirt: "Lieber Bergfreund, bei uns ist leider vorübergehend das Norovirus ausgebrochen, deshalb bleibt die Hütte bis einschließlich Sonntag (25.06.) geschlossen, um Sie gesundheitlich nicht zu gefährden." Weiter heißt es, Vorauszahlungen würden erstattet.

Notfall-Teams für die vergangene Nacht eingerichtet

Für die vergangene Nacht waren Teams aus je einem Arzt, einem Sanitäter und einem Mitglied der Bergwacht auf den betroffenen Hütten in den Bergen rund um Oberstdorf stationiert worden. So wollte man schnell auf neue Fälle reagieren können. Weil aber zunächst keine weiteren Patienten mit Symptomen hinzukamen, konnten diese Teams noch im Laufe der Nacht aufgelöst werden. Weitere Teams standen im Tal bereit, um sich im Fall der Fälle auf den Weg zu einer Hütte zu machen. Auch sie blieben bis zum Morgen ohne Einsatz und wurden um 8 Uhr aufgelöst.

BRK bedankt sich bei den Wirten der Berghütten

Im Gespräch mit dem BR bedankte sich der Einsatzleiter des Bayerischen Roten Kreuzes, Alexander Dornach, ausdrücklich bei den Hüttenwirten für die gute Zusammenarbeit. Die Wirte hätten sich bereits beim geringsten Verdacht gemeldet. Auch dass sie sich schnell um das Desinfizieren von Kontaktflächen gekümmert und selbständig Isolierbereiche auf ihren Hütten eingerichtet hätten, habe dazu beigetragen, dass keine weiteren Fälle aufgetreten sind.

Dornach sieht keinen Anlass mehr, von einem Berghüttenbesuch abzuraten: "Es spricht nichts dagegen, dass die Leute Hütten aufsuchen, wenn es ihnen gut geht", sagt er dem BR. Menschen mit Symptomen einer Magen-Darm-Erkrankung aber bittet er, erst gar nicht zu einer Bergtour aufzubrechen. Auch das Landratsamt bat Wanderer, auf ihren eigenen Zustand zu achten: "Wer sich bei seiner Wanderung in den Bergen unwohl und in der Lage fühlt, sollte gegebenenfalls über einen Abstieg nachdenken und einen Arzt konsultieren" heißt es auf der Website des Amtes.

Ursprung der Infektionen nicht geklärt

Neun Personen sind am Mittwoch mit massivem Brechdurchfall von drei Hütten per Hubschrauber ins Tal geflogen worden. Sechs weitere wurden mit der Seilbahn nach unten gebracht. In einem lebensgefährlichen Zustand hatte sich nach Angaben des Bayerischen Roten Kreuzes niemand befunden. Bei den Maßnahmen ging es auch darum, die Infektionskette zu unterbrechen. Keiner befinde sich aber in einem lebensbedrohlichen Zustand.

Die am Einsatz beteiligten Mediziner glauben, dass einer der Hüttengäste das Virus eingeschleppt und andere angesteckt hat. Die Quelle der Infektionen werde sich wohl nicht finden lassen, so das Landratsamt Oberallgäu. Hygienemängel auf den Hütten oder verunreinigtes Trinkwasser werden als Ursache ausgeschlossen.

Hubschraubereinsatz im Allgäu
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Hubschraubereinsatz im Allgäu

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