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CDU-Parteichef Armin Laschet setzte sich als Kanzlerkandidat gegen CSU-Chef Markus Söder durch. Fans des bayerischen Ministerpräsidenten zeigten sich über die Bekanntgabe enttäuscht. Vor allem müsse sich Laschet selbstbewusster im Wahlkampf zeigen.

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CSU-Basis nach Ringen um K-Frage: Kater- oder Aufbruchsstimmung?

Söder und Laschet haben einen erbitterten Machtkampf geführt. Nun soll der gemeinsame Bundestagswahlkampf von CDU und CSU starten. Ein Blick auf die CSU-Basis zeigt: Das könnte schwierig werden.

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Von
  • Regina Kirschner

Für die CSU-Anhänger in Bayern war es ein Krimi ohne Happy End. Sie hatten auf einen Kanzlerkandidaten Söder gehofft. Die Enttäuschung ist nun groß. Das wird in den Gesprächen mit CSU-Mitgliedern in Unterschleißheim und im Landkreis Augsburg deutlich.

Enttäuschung - aber auch Erleichterung, dass es vorwärts geht

"Es braucht etwas Zeit, bis man das verkraftet hat", sagt etwa Annette Fritsch aus Unterschleißheim. Ihr Parteikollege im Ort, Stefan Krimmer, ist genauso enttäuscht und hätte sehr gerne einen bayerischen Kanzlerkandidaten gehabt. Aber er ist auch erleichtert: "Das Wichtigste ist, dass nun endlich Klarheit herrscht." Denn auch das betonen alle CSU-Mitglieder: Nun müsse die CSU nach vorne schauen, nicht zurück.

CSU wirbt um Mitglieder außerhalb Bayerns

Ist statt Wunden lecken nun also Pragmatismus angesagt? Ganz so einfach ist es nicht. Hinter vorgehaltener Hand wird in der CSU durchaus geschimpft und gezetert. Eigentlich hätte der beliebtere Söder Kanzlerkandidat werden müssen, heißt es. Die CDU habe einen großen Fehler gemacht. Die Christsozialen trommeln nun sogar in den sozialen Netzwerken für Unterstützung und werben um Mitglieder auch außerhalb Bayerns. Dass das so mancher als Retourkutsche gegen die große Schwesterpartei CDU sieht, ist nicht verwunderlich. Nicht ohne Stolz nennt die CSU die Zahlen: 2.000 neue Online-Mitgliedschaften habe sie, 90 Prozent davon außerhalb Bayerns.

Markus Söder betont Harmonie zwischen CSU und CDU

Doch Markus Söder und Armin Laschet haben ihren Parteien Harmonie verordnet. "Ohne Groll" wolle man zusammenarbeiten, sich gegenseitig unterstützen. Schließlich steht der gemeinsame Bundestagswahlkampf von CDU und CSU an. Über gegenseitige Verletzungen müssten die Schwesterparteien daher jetzt hinwegschauen, mahnt auch CSU-Mitglied Fritsch. Sie ärgert sich darüber, dass es überhaupt so weit gekommen ist. Der Machtkampf um die Kanzlerkandidatur in der Union hätte nicht sein müssen. "Ich hätte mir vielleicht ein klügeres Verfahren insgesamt gewünscht. Ich finde, wir haben da jetzt nicht die beste Performance abgegeben."

Insgesamt habe der Kampf Söders Image sogar aufpoliert. Das Etikett, "ein Machtpolitiker um jeden Preis zu sein, der mit Biegen und Brechen an die Macht will", hafte Söder nach seinem Rückzug nun nicht mehr an. "Sehr bemerkenswert", findet das Stefan Krimmer, der CSU-Ortsvorsitzende in Unterschleißheim. Söder habe gezeigt, dass er auch bundesweit "seine Wirkung entfalten kann". Die Zeit, in der bayerische Politiker außerhalb Bayerns belächelt und verspottet wurden, sei vorbei.

Plakate kleben für Armin Laschet?

Und was ist mit Armin Laschet? Werden die CSUler im Wahlkampf nun wirklich für ihn Plakate kleben? Ja, sagt Nicole Uerpmann vom CSU-Ortsverband in Unterschleißheim. Ihr gehe es jetzt darum, die Union zu stärken und dafür zu kämpfen, dass CDU/CSU den nächsten Kanzler stellen. "Das ist im Moment das höchste Ziel und da müssen wir persönliche Animositäten hinten anstellen. Es geht jetzt um die Sache".

Und klar, Markus Söder wäre ihr als Kanzlerkandidat der Union lieber gewesen. Aber schlecht findet sie Armin Laschet auch nicht. Auf Nachfrage fallen ihr und den anderen CSU-Mitgliedern sogar einige positive Eigenschaften ein. Laschet sei authentisch, habe als Ministerpräsident in NRW gar keine so schlechte Bilanz, kann Themen vertreten und sich gut durchsetzen – wie die CSU ja selbst erfahren musste.

Der Hauptgegner ist ausgemacht: CSU gegen Grüne

Ob das reicht, um die CSU-Mitglieder für den Wahlkampf zu motivieren, ist fraglich. Für viele bleibt es ein Ärgernis, dass man den "Kandidaten der Herzen" (Generalsekretär Markus Blume über Söder) nicht wählen kann. Im Freistaat wird sich der Wahlkampf daher wohl auf etwas anderes konzentrieren: auf "eine starke Stimme Bayerns in Berlin" und darauf, Grün-Rot-Rot zu verhindern.

So argumentiert auch Stephan Dölle, Kreisrat im Landkreis Augsburg: "Jemand der meint, er will jetzt nicht mehr die CSU wählen, der schwächt die bayerische Stimme in Berlin. Das wäre kontraproduktiv." Und er warnt seine eigenen Leute davor, nun den "Mitbewerbern in die Karten zu spielen". Damit meint er die Grünen, die in Umfragewerten derzeit auf Platz zwei hinter der Union liegen.

Baerbock - der Gegenentwurf zu Scholz und Laschet

Dass die Grünen mit Annalena Baerbock nun auch noch eine junge Frau ins Rennen schicken, quasi als Gegenentwurf zu Armin Laschet und Olaf Scholz (SPD), macht die CSUler erst recht nervös. Selbst Nicole Uerpmann, Vorsitzende der Frauen Union in Unterschleißheim, zollt den Grünen dafür Respekt: "Ich finde es sehr positiv, dass für die Grünen eine junge Frau ohne Regierungserfahrung antritt." Die Zeiten hätten sich nun mal geändert. Uerpmann geht davon aus, dass Baerbock vor allem viele Junge mitreißen wird.

Jeder Wahlkampf sei schwierig und unterschätzen solle man die Grünen mit ihrer Spitzenkandidatin Baerbock nicht, warnt auch Karina Ruf, CSU-Bürgermeisterin in Gablingen bei Augsburg. Im Gegensatz zur Union hätten die Grünen "solide, innerhalb der Partei" über die Kanzlerkandidatur abgestimmt, ganz ohne Machtkampf. "Das wird von den Menschen positiv bewertet", erklärt die CSU-Bürgermeisterin und sagt über Baerbock: "Es ist eine junge, frische Frau."

Kampf gegen Grüne eint CDU und CSU

Führt die Angst vor einer grünen Kanzlerin dazu, dass CSU und CDU im Wahlkampf demonstrativ zusammenhalten (zumindest vordergründig)? Die CSU-Mitglieder in Unterschleißheim und im Kreis Augsburg treiben ihre Leute dazu an. Schließlich steht nach dem Ringen um die Kanzlerkandidatur in der Union der nächste Krimi an: der Bundestagswahlkampf. Und ein Happy End für die Union kann es am 26. September nur geben, wenn sich CDU und CSU zusammenraufen, ahnen die CSU-Mitglieder.

Und was, wenn die Union die Wahl verliert? Dann könnte Söder in vier Jahren eine neue Chance bekommen. CSU-Anhänger Krimmer hätte nichts dagegen. Die Idee gefällt ihm. Ob diese Zukunftsaussicht allerdings die Motivation der CSUler im anstehenden Bundestagswahlkampf schmälert, bleibt dahingestellt.

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