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Weihnachtsgottesdienste soll es an Heiligabend nur vor 21 Uhr geben - oder ohne Gemeinde in der Kirche als reinen Livestream im Internet.

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    Macht hoch die Tür? Weihnachten in Corona-Zeiten

    Die Corona-Pandemie zwingt zu nie dagewesenen Maßnahmen. Späte Christmetten wird es an Heiligabend in den Kirchen kaum geben, und wenn, dann nur für Livestream-Besucher. Ausweichen können die Gläubigen auf Messen am Nachmittag oder ins Internet.

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    Von
    • Johannes Reichart

    Der Schafhof der Familie Unglert in Puchheim bei München: Hier hätte an Heiligabend mittags der Familiengottesdienst der evangelischen Auferstehungskirche stattfinden sollen, mit echten Schafen und bis zu 200 Kindern. Biobauer Josef Unglert hatte das tierische Setting bereits vorbereitet: "Dass die Leute sehen, es war vor [ein] paar tausend Jahren schon so, dass die Hirten bei den Viechern waren."

    Schmerzliche, aber notwendige Absage

    Doch daraus wird nun nichts. Die Gemeinde hat die Feier wegen des Corona-Lockdowns abgesagt - so wie alle anderen Gottesdienste über die Weihnachtstage. Für den Sozialpädagogen Frank Lehmann ein schmerzlicher, aber notwendiger Schritt. Er hätte die Feier geleitet. "Die Zahlen gehen höher. Es sterben immer mehr Leute. Wir sind aufgerufen, möglichst alle Kontakte zu vermeiden. Und da kommt es nicht gut, wenn wir quasi dazu aufrufen, sich zu treffen."

    Auch Pfarrer Axel Schmidt aus Puchheim findet die Entscheidung seines Kirchenvorstandes richtig: "Was machen wir, wenn mehr als 200 Personen kommen?", fragt er. "Schicken wir die Leute wieder nach Hause? Es wäre sehr, sehr schwierig geworden. Das tut mir in der Seele weh."

    Söder: Keine Sonderregelung für Familien und Kirchen

    Eine Empfehlung zur Absage von Gottesdiensten haben die beiden großen Kirchen in Bayern nicht gegeben - die evangelische Kirche in Westfalen dagegen hat das getan. Die Diskussion um die Gottesdienste an Weihnachten kam vergangene Woche auf, als Ministerpräsident Markus Söder der Bitte der katholischen Bischöfe in Bayern nach einer Ausnahme bei der 21-Uhr-Ausgangssperre für den Heiligen Abend eine klare Absage erteilte.

    Söder sagte: "Es gilt die Ausgangssperre für Silvester und auch für Weihnachten. Und es gilt für alle. Es wird keine Sonderregelung geben für Familien und für Kirchen. In allen Fällen gilt genau das Gleiche. Denn entweder machen wir es richtig oder gar nicht." Söder selbst will an Heiligabend "viele Angebote für Online-Gottesdienste beziehungsweise Online-Predigten wahrnehmen", sagte der CSU-Chef der "Augsburger Allgemeinen".

    Kardinal Reinhard Marx: Weihnachten fällt nicht aus!

    Dem Verbot für späte Gottesdienste fügten sich die bayerischen Bischöfe - manche eher widerwillig. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hält an der Christmette um 22 Uhr fest – ohne Besucher, aber per Stream. Alle anderen Bischöfe haben die Christmette zeitlich nach vorne verlegt.

    Seit Wochen planen evangelische, katholische und orthodoxe Kirchengemeinden bereits coronakonforme Gottesdienste, feilen an Hygieneregeln und organisieren digitale Angebote. Es gelten Abstandsregeln, Maskenpflicht und ein Gesangsverbot.

    Für den Münchner Kardinal Reinhard Marx steht über allem die Botschaft: Weihnachten fällt nicht aus! "Wir müssen versuchen, beides in Einklang zu bringen", so Marx. "Die Verantwortung vor den Menschen, die Gesundheit der Menschen zu sehen, aber auch das, was möglich ist, damit nicht die Orte, wo auch Hoffnung aufkommen kann, wie in einem Gottesdienst, wie in einer gemeinsamen Begegnung, ganz zum Erliegen kommen."

    Landesbischof Bedford-Strohm: Müssen das hinnehmen

    Im Vergleich zu seinen katholischen Amtssbrüdern gab der Landesbischof der evangelischen Landeskirche, Heinrich Bedford-Strohm, weniger Contra gegen die strikte Sperrstunde der Staatsregierung. Um die Ausbreitung des Virus zu stoppen, müsse man zusammenhalten und alles dafür tun.

    "Es ist ein Fest, was uns sehr, sehr wichtig ist und die Gottesdienste sind uns sehr, sehr wichtig", sagt Bedford-Strohm. "Und deswegen ist es einfach sehr, sehr schmerzlich, wenn wir in diesem Jahr auch die späten Gottesdienste nicht feiern können, wenn wir die Gottesdienste dann nach vorne verlegen müssen. [...] Und trotzdem müssen wir das jetzt schlicht hinnehmen."

    Voranmeldungen und großer Bedarf

    Im Pfarrbüro von Sankt Peter und Paul in München-Feldmoching laufen derweil die letzten Vorbereitungen. Die Teilnehmer der späten Christmette werden wegen der Vorverlegung kontaktiert. Pfarrer Johannes Kurzydem und sein Team betreuen insgesamt vier Pfarreien. 15 Uhr, 16 Uhr, 18 Uhr und 19.30 Uhr: In jeder einzelnen Gemeinde des Pfarrverbandes soll es an Heiligabend zwei Kindermetten und zwei Christmetten geben, damit alle Gläubigen kommen können – jedoch nur mit Voranmeldung. Alle Plätze sind bereits ausgebucht, sagt der Pfarrer: "Alle Gottesdienste sind wahnsinnig gut besucht. Also Bedarf, seelischer Bedarf, spiritueller Bedarf ist sehr, sehr groß."

    Musik ist nicht nur Gesang

    Vier aktive Priester, zwei im Ruhestand und sechs Diakone und Pastoralreferenten - die Pfarrei ist personell gut ausgestattet für die vielen Gottesdienste. Einziges Manko: das Gesangsverbot, berichtet Pfarrer Kurzydem. Trotzdem habe man sich Mühe gegeben mit der musikalischen Gestaltung: "Also wir können ja mit der Orgel, mit Instrumentalisten wie Geige, wie Cello das noch ein bisschen aufwerten. Und ich sage es mir so: Wenn die Menschen im Herzen mitsingen und sich freuen, dann ist es auch Weihnacht."

    Und auch das hat es noch nicht gegeben: Das erste Mal überhaupt seit ihrem Bestehen singen die Regensburger Domspatzen diesmal nicht an Weihnachten im Regensburger Dom. Nur kleine Ensembles dürfen in den Gottesdiensten singen, so sieht es die neueste Bayerische Infektionsschutzverordnung vor. Im Bistum Würzburg ist nun geplant, die Messen im Kiliansdom an Heiligabend und am zweiten Weihnachtsfeiertag mit bis zu zehn Sängerinnen und Sängern der Domsingknaben und der Mädchenkantorei zu gestalten.

    Weihnachten als ökumenisches Fest

    Weihnachten steht in diesem Jahr auch unter einem ökumenischen Stern. Als deutliches Zeichen dafür sollen an Heiligabend um 22 Uhr die Glocken aller katholischen und evangelischen Gotteshäuser läuten. Außerdem feiern der evangelische Landesbischof Bedford-Strohm und Kardinal Marx am 24.12. um 16 Uhr einen ökumenischen Weihnachtsgottesdienst in der Jugendkirche "Vom guten Hirten" in München-Haidhausen.

    Das Ganze wird live im Internet übertragen. Überhaupt sind viele der kirchlichen Angebote dieses Jahr digital: In Augsburg streamt das katholische Bistum von 12 bis 24 Uhr auf dem eigenen YouTube-Kanal eine weihnachtliche Mischung aus Musik, besinnlichen Texten und Gottesdienstfeiern.

    Zwölf Stunden Weihnachts-Livestream aus München

    Auch Pfarrer Rainer Maria Schießler hat sich für seine katholischen Gläubigen in der Pfarrei St. Maximilian in München etwas Spezielles ausgedacht: Zwölf Stunden lang bis Mitternacht überträgt er Andachten, Konzerte und Gottesdienste aus der Kirche, ab 21 Uhr ohne Kirchengemeinde vor Ort. Die Idee dahinter: "Wir machen alles entzerrt, wir machen es zwölf Stunden lang, wir machen es bis Mitternacht. Es beginnt jede Stunde entweder ein Gottesdienst oder eine Musik. Wir haben Künstler eingeladen, und es geht durch bis Mitternacht. Jetzt ist es so, dass wir ab 21 Uhr nicht mehr aus dem Haus sollen. Dafür streamen wir weiter."

    Die Kirchengemeinden zeigen sich kreativ: Manche bieten kleinere und kürzere Gottesdienstformate im Freien, auf Sportplätzen oder in Scheunen an. Eines ist jedenfalls sicher: Es wird ein ganz anderes Weihnachten als in den Jahren zuvor.

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