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So ein Luftreiniger soll die Corona-Infektionsgefahr während des Unterrichts senken.

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    Förderung für Luftreiniger an Schulen läuft aus - Kritik von FDP

    Bis Ende April können Schulträger noch einen Zuschuss zu Luftfiltern beantragen. Dann läuft das Förderprogramm aus. Doch nur in einem Teil der Klassenräume werden Geräte Corona-Viren aus der Luft filtern. Auch, weil das Geld nicht für alle reicht.

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    Von
    • Irene Esmann

    Auch wenn zur Zeit kaum Kinder und Jugendliche im Klassenzimmer unterrichtet werden – über kurz oder lang sollten alle Klassenzimmer mit Luftfiltern ausgestattet sein. Das fordern jedenfalls die Landtags-FDP sowie Elternvertreter. Sie hoffen, dass die Schülerinnen und Schüler dann auch schneller wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren können.

    Ein Sechstel der Klassenzimmer künftig mit Luftreiniger

    Doch neueste Zahlen zeigen: Nur für knapp 13.000 von rund 75.000 Unterrichtsräumen wurden oder werden Geräte angeschafft, die Corona-Viren aus der Luft filtern. Dem bildungspolitischen Sprecher der Landtags-FDP, Matthias Fischbach, ist das zu wenig. Er kritisiert: Die Staatsregierung habe das Thema Luftfilter vernachlässigt.

    Nachfrage privater Schulträger übersteigt Fördervolumen

    Kurz vor dem Auslaufen der Antragsfrist zum Ende des Monats ist der Fördertopf für die privaten Schulen voll ausgeschöpft. Mehrere Anträge stehen auf einer Art Warteliste, wie das Kultusministerium auf eine FDP-Anfrage mitteilte. Der Bedarf also sei da, kommentiert der FDP-Politiker Fischbach. Allerdings: Die öffentlichen Schulen waren zurückhaltender. In deren Fördertopf sind noch rund 3 Millionen Euro übrig, so die Information aus dem Kultusministerium. Insgesamt hatte der Freistaat 27 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

    Dass dieser Fördertopf für die öffentlichen Schulen noch nicht ausgeschöpft ist, liege aber keinesfalls daran, dass die Schulen die Luftfilter nicht wollten, glaubt der FDP-Politiker Fischbach. Er ist davon überzeugt: Viele öffentliche Sachaufwandsträger, in der Regel die Kommunen, könnten es sich schlicht nicht leisten die Rest- und Folgekosten zu bezahlen. Denn der Freistaat übernimmt seit diesem Jahr nur noch rund die Hälfte der Anschaffungskosten für ein Gerät. 2020 waren es noch rund 90 Prozent.

    FDP fordert: Staatsregierung muss mehr in Luftfilter investieren

    Die FDP forderte bereits mehrfach die Verdreifachung der insgesamten Fördersumme, um Luftfilter fürs Klassenzimmer zu finanzieren. Und zwar sowohl, um mehr Räume damit ausstatten zu können als auch dafür zu sorgen, "dass die Kommunen es sich leisten können die Anträge zu stellen", betont Fischbach. Das Geld sei im Corona-Sonderfonds durchaus vorhanden, so der Liberale.

    Gemeindetag: Förderung reicht nicht aus

    Auch der Präsident des Bayerischen Gemeindetags, Uwe Brandl (CSU), kritisiert die Finanzierung der Luftfilter. Auf BR-Anfrage sagt er, er halte es schon für fragwürdig, dass die Staatsregierung ein Förderprogramm aufgesetzt und dafür auch "massiv geworben" habe, obwohl dessen Summe "bei weitem" von der realen Höhe der Kosten "entfernt" sei. Da überlegten sich Kommunen genau, ob sie einen Antrag stellen, trotz Bedarfs. Ein hochwertiges Gerät aber kostet oft deutlich mehr als 1.500 Euro. Und der jährlich nötige Filterwechsel schlägt auch noch einmal mit mehreren hundert Euro zu Buche, sagen Experten.

    CO2-Ampel als Alternative

    Gleichzeitig aber ist Brandl auch nicht davon überzeugt, dass so ein Luftreiniger tatsächlich in jedem Klassenzimmer Sinn macht. Für die Gemeinde Abensberg, in der er selbst Bürgermeister ist, habe er nur für zwei Räume die Luftreiniger angeschafft, da diese nicht gelüftet werden könnten. In den anderen Klassenzimmern oder Kita-Räumen reiche nach Meinung Brandls eine simple CO2-Ampel aus, um zielgerichtet zu lüften.

    Raumluftfilter: Nutzen wissenschaftlich umstritten

    Der Bayerische Elternverband dagegen würde ähnlich wie die Landtags-FDP gerne das eine tun und das andere nicht lassen. Ulrike Paede, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Elternverbands etwa ist davon überzeugt: Kombiniert mit CO2-Meldern, die an das regelmäßige Lüften erinnern, könne mit Luftfilteranlagen der größtmögliche Coronaschutz im Klassenraum gewährleistet werden. Doch eine komplette Aufrüstung der Schulen ist auch deshalb nicht in Sicht, weil die Notwendigkeit seit einem halben Jahr wissenschaftlich umstritten ist. Das Bundesumweltamt empfiehlt trotz neuer Studien nach wie vor den Einsatz von Luftfiltergeräten nur im Ausnahmefall - also wenn Räume nicht gut gelüftet werden können. An dieser Richtlinie orientieren sich viele Entscheidungsträger.

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