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Lolli-Tests in Kitas? Kommunen beklagen hohen Aufwand

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Lolli-Tests in Kitas? Kommunen beklagen hohen Aufwand

Am Stäbchen lutschen – fertig! Die sogenannten Lolli-Tests sind so einfach, dass mittelfränkische Kommunen sie auch für Kita-Kinder gefordert hatten. Das Geld dafür hat der Freistaat bewilligt, doch die Organisation bleibt an den Kommunen hängen.

Von
Julia DemelJulia Demel
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Die vierte Corona-Welle ist im Anmarsch und während in den Schulen engmaschig getestet wird, fragen sich viele Eltern: Was ist mit den Kitas? Denn dass sie geöffnet bleiben, ist für die meisten Eltern mindestens genauso wichtig. Deswegen hatten im September vier mittelfränkische Kommunen einen Brief an Familienministerin Carolina Trautner (CSU) geschrieben, in dem sie flächendeckende Lolli-Tests auch für die Kitas forderten. Im Moment ist es den Eltern überlassen, ob sie ihr Kindergartenkind regelmäßig testen oder nicht. Voraussetzung für einen Besuch der Kita ist der Selbsttest nicht.

Fördergelder sind da, aber wer soll das organisieren?

Anfang September war die Familienministerin noch gegen Lolli-Tests in den Kitas, doch Ende September schwenkte die Staatsregierung um und stellte Fördergelder für die Einführung von Pooltests bereit. Geld wäre jetzt also da, aber die Richtlinie des Familienministeriums hat gleich mehrere Haken: Erstens müssen sich die Kommunen selbst um die Pooltests kümmern, im Gegensatz zu den Grundschulen, für die der Freistaat alles zentral organisiert hat. Zweitens wären die Lolli-Tests in den Kindergärten immer noch freiwillig und damit fraglich, wie viele Kinder wirklich teilnehmen. Und drittens hatte die Staatsregierung die Fördergelder zunächst nur bis Ende des Jahres bewilligt.

Das hat sich nun geändert: Gestern erklärte Familienministerin Carolina Trautner (CSU), dass der Förderzeitraum bis Ende Februar 2022 verlängert werde. Vor allem größere Kommunen hätten dies angeregt, so Trautner.

Bundesweite Ausschreibung notwendig

Sowohl die Verteilung der Tests als auch das Einsammeln zweimal pro Woche bis hin zu den Laboruntersuchungen müssen die Kommunen selber organisieren. Größere Städte, die viele Kita-Kinder haben und damit auch viele Tests bräuchten, müssten die Auftragsvergabe sogar bundes- oder gar europaweit ausschreiben. Das würde sehr viel Zeit und Personal in Anspruch nehmen, sagt Tobias Thiem, zuständig für die Kitas bei der Stadt Fürth.

"Als Kommune hätten wir uns gewünscht, dass es analog zur Schule gegangen wäre. Bei den Schulen hat man die Ausschreibung zentral vorgenommen. Mit der Richtlinie vom 30.09.21 hat das Staatsministerium angedacht, dass Pooltestungen in den Kitas stattfinden. Das stellt aber die Kommunen vor Probleme, weil wir da hochkomplexe Verfahren haben. Der Freistaat beteiligt sich zwar an den Kosten, die Kommunen sind aber in der Verpflichtung, die Ausschreibung zu übernehmen, sich um Laborkapazitäten zu kümmern und so weiter." Tobias Thiem, Abteilungsleiter Kindertageseinrichtungen, Stadt Fürth
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Die vierte Corona-Welle ist im Anmarsch und zumindest für die Schulen scheint ein Test-Konzept gefunden zu sein, damit sie weitgehend geöffnet bleiben können. Doch wie steht es bei Kitas? Wie sie vorbereitet sind, haben wir uns in Fürth angesehen.

Organisation der Lolli-Tests für Kommunen aufwändig

Die ganze Organisation durch die Kommunen würde mindestens sechs Wochen dauern, schätzt Thiem. Dann wäre schon Ende November. Da der Freistaat die Fördergelder zunächst nur bis Ende des Jahres genehmigt hatte, wäre die Finanzierung der Lolli-Tests gerade mal für vier Wochen gesichert gewesen.

Falsche Erwartungen geweckt?

Viele Eltern wünschen sich die Lolli-Tests in den Kitas, damit diese sicher offen bleiben können. Der Bayerische Städtetag hat kritisiert, dass mit der Förderrichtlinie Erwartungen geweckt wurden, die viele Kommunen nun nicht erfüllen können. Denn gerade für berufstätige Eltern kommt es einer Katastrophe gleich, wenn ihnen die Kinderbetreuung wegbricht.

Petra Widmayer, Leiterin der Fürther Kita "Stadtparkknirpse", sagte BR24: "Unser oberstes Ziel ist, dass wir die Kita offen halten können und den Kindern so viel Normalität bieten, wie möglich. Doch wenn Corona-Fälle auftreten, entscheidet das Gesundheitsamt, ob nur einzelne Kinder in Quarantäne geschickt werden, die ganze Kindergarten-Gruppe oder im schlimmsten Fall die ganze Einrichtung schließen muss."

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