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Konstruktiv, lokal, jung und online - in Nürnberg entwickelt ein Team um Gründerin Alexandra Haderlein ein journalistisches Pionierprojekt. Der "Lokalblog Nürnberg" will Themen bearbeiten, die morgen noch relevant sind.

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Lokalblog Nürnberg: Konstruktiver Journalismus für Millenials

Konstruktiv, lokal, jung und online: Der "Lokalblog Nürnberg" will Themen bearbeiten, die morgen noch relevant sind. Ob und wie sich das journalistische Pionierprojekt zu Geld machen lässt, könnte wegweisend für andere Projekte in Deutschland sein.

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Von
  • Christian Orth

Die Nürnbergerin Alexandra Haderlein kann sich noch gut an den Moment erinnern, als sie einem Mentor von der Idee zu ihrem Start-up erzählt hat: 

"Du willst Lokaljournalismus machen? Du spinnst. Du willst Lokaljournalismus machen für Millennials? Okay, das ist erst recht verrückt." Lokalblog-Nürnberg-Gründerin Alexandra Haderlein

Alexandra Haderlein und ihr Team versuchen es trotzdem - mit dem Lokalblog Nürnberg. Um zu erfahren, was ihre Zielgruppe, die sogenannten Millenials, umtreibt, hat die Gründerin zunächst mehr als einhundert Menschen zwischen 24 und 39 Jahren befragt. Ein wesentliches Ergebnis: Klassische Medienangebote würden über große Themen wie Klimawandel, Migration oder aktuell die Corona-Pandemie zu negativ berichten, zu problem- und zu wenig lösungsorientiert. Im schlimmsten Fall würden sich daher junge Menschen von den Nachrichten abwenden. Genau diesen "Informations-Gap", wie Haderlein es nennt, möchte das Team vom Lokalblog Nürnberg überwinden. Der Ansatz: konstruktiv berichten.

Lösungsperspektive statt Problemfokus

Alle Berichte des Lokalblog Nürnberg nehmen Lösungsperspektiven und Handlungsansätze viel stärker in den Blick als die Probleme. Die Berichterstattung sei dadurch nuancierter, weniger schwarz-weiß. Haderlein sagt: "Die Welt ist in ganz vielen Graustufen da draußen zu finden."

14 Jahre lang hat Alexandra Haderlein im klassischen Journalismus gearbeitet, als Redakteurin bei den Nürnberger Nachrichten. Im Januar 2020 kündigt sie schließlich ihre Stelle, mit der vagen Vorstellung, ein junges, lokales Medienangebot zu entwickeln. Weil sie sich noch nicht ausreichend vorbereitet fühlt, möchte sie durch Praktika das nötige Rüstzeug erlernen. Aber die Corona-Pandemie verändert alles. Praktika und Hospitanzen gibt es derzeit nicht, Alexandra Haderlein wagt den Sprung ins kalte Wasser.

Stipendien für Finanzierung und Produktentwicklung

Haderlein ergattert im März 2020 das Research & Development-Fellowship beim Medialab Bayern. Ein Programm, das zwei Vorteile hat: Zum einen erhält Alexandra Haderlein zwei Monate lang Geld, zum anderen Hilfe bei der Produktentwicklung. Es folgen weitere Stipendien, zuletzt das Grow-Stipendium von Netzwerk Recherche und der Schöpflin-Stiftung. Nach und nach wächst auch das Team. Inzwischen arbeiten zwölf junge Journalistinnen und Journalisten für das Projekt.

Die ersten Geschichten, auf die die junge Redaktion stolz ist, beschäftigen sich mit dem Klimawandel vor der Haustür bis hin zur Frage: "Warum wählen wir den Oberbürgermeister noch nicht digital?" Der Grundsatz: weniger Themen, dafür solche, die morgen noch relevant sind.

Lokale Konkurrenz?

Sie sei im Guten von den Nürnberger Nachrichten weggegangen, sagt Haderlein. Inzwischen spüre sie aber schon, dass ihr Lokalblog als Konkurrenz wahrgenommen werde. Ihr ehemaliger Chef, Michael Husarek, sieht das anders: 

"Für uns ist das kein Konkurrenzprodukt. Ich drücke ihr beide Daumen, dass es ein erfolgreiches Vorhaben wird." Michael Husarek, Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten

Schwierige Finanzierung

Wie erfolgreich das Vorhaben wird, hängt auch von der künftigen Finanzierung ab. Aktuell ist das Angebot werbefrei und kostenlos, alle Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich. Im Austausch mit der Community will die Gründerin zeitnah ein Bezahlmodell entwickeln. Wer Teil dieser Community ist, soll den vollen Zugriff auf die Inhalte haben. Auf der Webseite sind deshalb nur Auszüge der bisherigen Geschichten zu finden.

Eine andere Finanzierungsmöglichkeit und gleichzeitig Pionierarbeit wäre die Gründung einer gemeinnützigen GmbH. Die Rechtsform würde viel besser passen als ein gewinnorientiertes Unternehmen, findet Haderlein. Denn:

"Nichts ist uns wichtiger, als für ein besseres Miteinander der Stadtgesellschaft, für mehr Informationen und damit auch für eine Stärkung der Demokratie einzustehen." Lokalblog-Gründerin Alexandra Haderlein

Eine Deadline, bis wann die Finanzierung geklärt sein muss, will sich Alexandra Haderlein noch nicht geben. Fest steht aber auch: Unendlich viel Zeit bleibt nicht. Aktuell finanziert sie den Lokalblog Nürnberg aus eigener Tasche.

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