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Äbtissin Mechthild Thürmer wurde mit dem Löwenherz-Friedenspreis ausgezeichnet.

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Löwenherz-Friedenspreis ehrt Kirchenasyl-Aktionen

Michail Gorbatschow, Dalai Lama, Konstantin Wecker – sie alle haben schon den Löwenherz-Friedenspreis erhalten. In diesem Jahr geht die Auszeichnung an drei Oberfranken, die sich wegen Kirchenasyls vor Gericht verantworten müssen.

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Sandra JozipovicSandra JozipovicBR24  RedaktionBR24 Redaktion

Vor Gericht müssen sie sich für ihr gewährtes Kirchenasyl verantworten, nun sind eine Äbtissin und ein Pfarrerehepaar für ihr Engagement ausgezeichnet worden: Mechthild Thürmer, Susanne Wittmann-Schlechtweg und Andreas Schlechtweg wurde der Löwenherz-Friedenspreis verliehen. Der Einsatz für lebensbedrohte Menschen sei beispielhaft, lautet die sinngemäße Begründung der Jury.

Menschen bitten Äbtissin vermehrt um Kirchenasyl

Für Äbtissin Mechthild Thürmer sei es normal, Menschen in Notlagen zu helfen. Seit über 40 Jahren lebt die 63-Jährige auf dem Land im Kloster von Kirschletten im Landkreis Bamberg. Kontakt zu Flüchtlingen aus dem Ausland habe sie schon immer gehabt. Aber erst seit 15 Jahren kämen vermehrt Menschen zu ihr und würden um Asyl bitten, so Mechthild Thürmer. "Der Erste war aus dem Irak, wo damals die IS-Kämpfer eingedrungen sind. Und das war für mich angsteinflößend, was denen widerfahren ist", so Mechthild Thürmer im BR24-Interview.

Mechthild Thürmer erhält Strafbefehl

Die Geschichten der Flüchtlinge hat Mechthild Thürmer bis heute im Kopf. Traumatische und bewegende Vergangenheiten von über 30 Menschen, denen sie in den letzten Jahren Kirchenasyl gewährt hat. Mit einigen der Geflüchteten hat die Äbtissin heute noch Kontakt. Meistens blieben die Asylbewerber zwischen drei Wochen und einigen Monaten im Kloster. So auch eine Eritreerin, die im Oktober 2018 über Italien nach Deutschland gekommen ist. Wegen Beihilfe zum illegalen Aufenthalt hat die Äbtissin danach einen Strafbefehl über 2.500 Euro erhalten. Die Geldstrafe habe sie nicht bezahlt, so Mechthild Thürmer. Nun muss sich die Äbtissin demnächst vor dem Amtsgericht Bamberg verantworten. Der Termin wurde bisher schon mehrmals verschoben. Die Anklage habe für eine große Solidaritätswelle gesorgt. Nicht nur in der Region, sondern auch in ganz Deutschland.

Auch Pfarrerehepaar muss vor Gericht

Auch das Pfarrerehepaar Andreas Schlechtweg und Susanne Wittmann-Schlechtweg muss sich im November vor dem Bamberger Amtsgericht verantworten. Auch sie haben Menschen in Not Kirchenasyl gewährt. Ermittlungsverfahren wegen Kirchenasyl gab es in Bayern häufiger, sie wurden jedoch wegen Geringfügigkeit eingestellt. Nun kommt es in vier Fällen zu Gerichtsverhandlungen. "Das ist zunächst von der Rechtslage eine sehr umstrittene Geschichte. Von daher ist es auch so, dass es nicht überall in der gleichen Weise verfolgt und angegangen wird", so Andreas Schlechtweg. Es würde aber auch von Staatsseite respektiert, wenn Kirchengemeinden zu diesen Mitteln greifen.

Kirchenasyl nur in Notsituationen

Kirchengemeinden und Kloster sehen das Kirchenasyl als wichtiges Mittel an, um Flüchtlingen zu helfen. Alle Fälle werden mit Juristen geprüft, bestätigt Pfarrerin Mirjam Elsel. Sie ist im Dekanat Bamberg für die Flüchtlingsbegleitung zuständig. Das Kirchenasyl sei immer die allerletzte Möglichkeit, Menschen Schutz zu gewähren, so Mirjam Elsel.

Auch die Äbtissin Mechthild Thürmer sieht das Kirchenasyl als letzten Ausweg an. So könne Zeit gewonnen werden, welche für Flüchtlinge in ihren Asylverfahren oft dringend notwendig sei. Solange Asylbewerber in Europa gefährdet seien, werden sie ihnen weiterhin helfen. Das sei für die drei Friedenspreisträger als gläubige Christen selbstverständlich und keine Straftat.

"Human Projects" vergibt Löwenherz-Friedenspreis

Der Löwenherz-Friedenspreis wird an Menschen oder Organisationen verliehen, die sich in "herausragender Weise um Frieden und Versöhnung" verdient gemacht haben, heißt es von der Hilfsorganisation "Human Projects" mit Sitz in Baden-Württemberg. Die Preisverleihung fand in diesem Jahr in der Johanneskirche in Hallstadt im Landkreis Bamberg statt.

Die jährliche Auszeichnung wurde bereits sechsmal vergeben. Die bisherigen Preisträger waren unter anderem Michail Gorbatschow, Konstantin Wecker und der Dalai Lama. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an Fridays For Future.

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Im oberfränkischen Hallstadt sind eine Ordensschwester und ein Pfarrerehepaar mit dem Löwenherz-Friedenspreis ausgezeichnet worden. Sie hatten in den vergangenen Jahren von Abschiebung bedrohten Schutzsuchenden Kirchenasyl gewährt.

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