BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Löwe und Raute, Erfolge und Affären - 75 Jahre CSU | BR24

© pa/dpa/Peter Kneffel

Vergangenheit und Gegenwart der CSU: Horst Seehofer, Edmund Stoiber und Markus Söder (v.l.n.r.) bei einer Sitzung des Parteivorstands 2007.

2
Per Mail sharen
  • Artikel mit Bildergalerie

Löwe und Raute, Erfolge und Affären - 75 Jahre CSU

Die CSU stellt in Bayern seit 1945 fast immer den Ministerpräsidenten. Heute feiert die Partei ihren 75. Geburtstag. Ein Blick auf Erfolge und Niederlagen der Christsozialen - inklusive einer Bildergalerie von Strauß bis Söder.

2
Per Mail sharen

"Es ist eine Partei mit Charakter" - das sagt Elisabeth Platzer über ihre CSU. Platzer ist 95 Jahre alt und seit 1946 Mitglied. Sie habe immer dazu gestanden, betont sie, auch wenn sie deswegen mal schief angeschaut wurde. Als Platzer der CSU beitrat, war sie selbst gerade mal 21 - damals diskutierten die Gründer über die Ausrichtung der Partei.

Wie katholisch, wie konservativ, wie liberal sollte sie sein - die Christlich-Soziale Union? Das war durchaus umstritten unter den ersten CSUlern in der Nachkriegszeit. Josef Müller, genannt Ochsensepp, gehörte zum liberalen Flügel. Sein parteiinterner Gegner war damals der Katholik und Monarchist Alois Hundhammer, der erste CSU-Fraktionschef im Landtag. Machtkämpfe zwischen zwei Männern, das sollte es immer wieder geben in den 75 Jahren Parteigeschichte.

Franz Josef Strauß: "Vater der Volkspartei"

An dieser ersten grundlegenden Auseinandersetzung war auch der Mann beteiligt, der bis heute die CSU am stärksten prägt: Franz Josef Strauß. Nach eigenen Worten wurde er in den Anfangsjahren dem "linken", also dem liberalen Flügel zugerechnet. 1961 wurde er Parteichef, danach Bundesminister, 1978 schließlich bayerischer Ministerpräsident. Noch heute kommt kaum eine Bierzelt- oder Parteitagsrede von CSU-Politikern ohne ein Zitat von Strauß aus.

Horst Seehofer nannte Strauß den "Vater der Volkspartei". Und der aktuelle CSU-Chef Markus Söder erzählte schon öfter die Geschichte, dass zu Schulzeiten über seinem Bett ein Plakat von Strauß hing - nur seinetwegen sei er in die CSU eingetreten.

© pa/dpa

1948: Staatskanzlei-Leiter Anton Pfeiffer (l.) und CSU-Landesgeschäftsführer Otto Schedel (r.) mit dem Parteivorsitzenden Josef Müller (M.)

© pa/dpa/Hans Kammler

1955: Hanns Seidel (r.) nach seiner Wahl zum neuen CSU-Chef - in der Mitte Franz Josef Strauß, damals Bundesminister.

© pa/dpa

1960: Ministerpräsident Hans Ehard (CSU) unternimmt am 10. November - seinem 73. Geburtstag - mit seiner Frau Sieglinde einen Ausflug.

© pa/dpaGerhard Rauchwetter

1961: CSU-Chef Franz Josef Strauß (l.) begrüßt Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard (r.) bei der CSU-Landesversammlung in München.

© pa/AP

1961: Franz Josef Strauß posiert als Bundesverteidigungsminister in Manching mit einem an die Bundeswehr übergebenen italienischen Kampfflugzeug.

© pa/dpa/Hartmut Reeh

1971: CSU-Chef Franz Josef Strauß beim politischen Aschermittwochs im überfüllten Wolferstetter Keller im niederbayerischen Vilshofen.

© pa/dpa/Hartmut Reeh

1974: Bayerns Ministerpräsident Alfons Goppel (CSU) in seinem Arbeitszimmer - neben ihm Sohn Thomas, damals jüngster Landtagsabgeordneter.

© pa/dpa/Klaus-Dieter Heirler

1974: Der neue CSU-Generalsekretär Max Streibl (l.), später von 1988 bis 1993 auch bayerischer Ministerpräsident, neben Parteichef Strauß (r.)

© pa/dpa/Harry Melchert

1988: Zehntausende säumen die Ludwigstraße, als am 7. Oktober der Trauerzug für den verstorbenen Franz Josef Strauß durch München zieht.

© pa/dpa/Peter Kneffel

1998: CSU-Chef Theo Waigel geht nach zehn Jahren als Parteivorsitzender zur letzten von ihm geleiteten Vorstandssitzung in München.

© pa/dpa/Thomas Köhler

1999: Edmund Stoiber (M.) nach seiner Antrittsrede als neuer CSU-Chef, zwischen Vorgänger Waigel (l.) und Staatsministerin Monika Hohlmeier (r.)

© pa/Sven Simon

2002: Edmund Stoiber, CSU-Chef und Kanzlerkandidat der Union, auf dem CDU-Parteitag im Juni 2002 in Frankfurt - inklusive Löwe.

© pa/Sven Simon

2002: Kurz vor der Niederlage - Kanzlerkandidat Stoiber (r.) und CDU-Chefin Merkel (l.) nach den ersten Hochrechnungen bei der Bundestagswahl.

© pa/Eventpress

2008: Bundeskanzlerin Angela Merkel (M.) und Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) bei den Richard Wagner Festspielen in Bayreuth.

© pa/Sven Simon

2008: Erwin Huber bei seinem letzten Parteitag als CSU-Chef in München. Auf der Leinwand: Günther Beckstein, von 2007 bis 2008 Ministerpräsident.

© pa/dpa

2013: CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer am Abend der Landtagswahl, bei der die CSU mit 47,7 Prozent die absolute Mehrheit erzielte.

© pa/SvenSimon

2019: Der neue CSU-Chef Markus Söder (l.) überreicht auf dem Parteitag seinem Vorgänger Seehofer (r.) die Ehrenvorsitzenden-Urkunde.

© pa/dpa/Peter Kneffel

2019: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) umarmt am 10. Juli dezent einen Baum im Hofgarten hinter der Staatskanzlei in München.

Strauß: Idol und Feindbild

In der Bevölkerung war Strauß beliebt, doch für viele auch ein Feindbild. In seiner Zeit entstand die Gleichung "Bayern = CSU", ein Bild, das die Partei bis heute aufrecht zu erhalten versucht. Auch der Spruch "Mia san mia", der von immensem Selbstbewusstsein zeugt, gehört zur Volkspartei CSU. Allerdings hat die Partei in ihrer Geschichte auch immer wieder das Volk gegen sich aufgebracht. Als in Wackersdorf in den 1980er-Jahren teils Hunderttausende gegen die Atomkraft protestierten, beleidigte Strauß die Demonstranten mit der Ansage "Sie sollen ihr Maul halten".

Nach Strauß' überraschendem Tod 1988 wurde Theo Waigel neuer Parteichef. Bayerischer Ministerpräsident wurde Max Streibl, der das Amt nach fünf Jahren wegen der sogenannten "Amigo-Affäre" wieder abgeben musste. Bis heute haftet der CSU bei manchen das Image von Filz und Spezlwirtschaft an. Nicht zuletzt der heutige Koalitionspartner, die Freien Wähler, prangerten das in ihrer Oppositionszeit regelmäßig an.

Keine Freunde: Stoiber und Waigel

Auf Streibl folgte Edmund Stoiber, zunächst nur als Ministerpräsident. Parteichef blieb Theo Waigel. Gut war das Verhältnis zwischen den beiden allerdings nicht. Auch Stoiber prägte die CSU und das Motto "Laptop und Lederhose". Doch auch gegen ihn demonstrierten Zehntausende im Freistaat, als er Anfang der 2000er-Jahre einen rigiden Sparkurs verkündete.

Als gemeinsamer Kanzlerkandidat von CDU und CSU scheiterte Stoiber im Jahr 2002 denkbar knapp gegen SPD-Amtsinhaber Gerhard Schröder. Ein Superministerium auf Bundesebene lehnte er anschließend überraschend ab und blieb bayerischer Ministerpräsident. Viele empfanden das als Schmach, Stoibers Ruf sollte sich davon nicht erholen. 2007 wurde er schließlich zum Rücktritt gedrängt. Nach einem kurzen Intermezzo mit dem Tandem Erwin Huber (Parteichef) und Günther Beckstein (Ministerpräsident) kam Horst Seehofer ins Amt.

2013: Seehofer holt absolute Mehrheit zurück

Der frühere Bundesminister - derzeit als Innenminister wieder Teil der Bundesregierung - holte 2013 die absolute Mehrheit für die CSU zurück. Zuvor hatten die Christsozialen unter ihm in Bayern fünf Jahre lang mit der FDP koaliert. In der Flüchtlingspolitik lieferte sich Seehofer ab 2015 dann einen erbitterten Richtungsstreit mit der Schwesterpartei CDU - auf einem Parteitag in München belehrte er Kanzlerin Angela Merkel auf offener Bühne, sie verließ schließlich wütend den Saal.

Viel Energie legte Seehofer auch in sein Ziel, Markus Söder als seinen Nachfolger zu verhindern. Vor Journalisten attestierte er Söder charakterliche Schwächen und einen Hang zu "Schmutzeleien". Dennoch musste Seehofer 2018 erst das Amt des Ministerpräsidenten und kurz darauf den Posten als Parteichef an Söder abgeben.

2018: Söder sucht richtigen Kurs

Nach dem Bedeutungsverlust der SPD im Freistaat erklärte Söder wiederum die erstarkten Grünen zum Hauptgegner. Im Moment sei die Frage nicht schwarz und grün, sondern schwarz oder grün, sagte Söder vor einem Jahr.

Schon davor war klar: Auch in Bayern hat sich die politische Landschaft verändert. Rechts von der CSU, wo es laut Strauß keine demokratisch legitimierte Partei geben darf, gibt es inzwischen die AfD. Und wie nach ihrer Gründung diskutierte die CSU erneut lange, wie liberal, wie konservativ sie sein soll. Zwischenzeitlich versuchte Söder, die AfD rechts zu überholen, warnte etwa vor "Asyltourismus". Im Landtagswahlkampf 2018 gingen Tausende gegen die Flüchtlingspolitik der CSU unter dem Motto "Ausgehetzt" auf die Straße. Söder ruderte schließlich zurück, sprach von der "neuen NPD" - und grenzt sich und seine Partei seitdem bei jeder Gelegenheit deutlich von der AfD ab.

Bayern verändert sich - die CSU auch

Auch sonst hat sich für die CSU aus strategischer Sicht einiges verändert. Bayern prosperiert wirtschaftlich - und vor allem die großen Städte ziehen Menschen aus ganz Deutschland an. Mit dem kraftmeierischen „Mia san mia“, mit dem Poltern und dem klaren Fokus auf Freistaat und Tradition können sie oft wenig anfangen.

Und so hat sich auch die CSU inzwischen teilweise gewandelt. Sie hat eine Frauenquote auf Landes- und Bezirksebene, nahm im vergangenen Jahr unter Söder nach dem Druck durch das Volksbegehren "Rettet die Bienen" den Umweltschutz in den Fokus. Und: Die absolute Mehrheit, die die Partei jahrzehntelang hatte, gibt zurzeit jedenfalls keiner in der Führungsspitze mehr als Ziel aus.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!