BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
LIVESTREAM beendet
19
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

BR24Live: Söders Kabinett zu Lockerungen für Laienmusiker

Die bayerischen Laienmusiker wollen endlich wieder gemeinsam aufspielen. Kunstminister Sibler kündigt den "Einstieg in den Probenbetrieb" an. Die Pressekonferenz nach der Kabinettssitzung - live um 12.55 Uhr bei BR24.

19
Per Mail sharen
Von
  • Achim Wendler

Martin Haidn kann sich noch einigermaßen erinnern: Es war der 30. Dezember 2019, als er zum letzten Mal mit seiner großen Trommel und seinem Spielmannszug aufgetreten ist. Nein, kein Vertipper: Dezember 2019. Neujahrsanblasen des Spielmannszugs der Freiwilligen Feuerwehr Teisnach im Bayerischen Wald. "Eine schöne Erinnerung", sagt Haidn. Seitdem schweigt sein Verein: "Wir haben Stillstand. Keine Proben, keine Auftritte, keine Konzerte."

So wie den Teisnachern geht es vielen Laienmusikern in Bayern. Sie bedrückt, dass nicht nur ihre Musik verstummt ist. Auch das Miteinander leidet: "Wir haben keine Möglichkeit für Nachwuchs- und Anfängerwerbung, weil wir nicht präsent sind", sagt Haidn, der zugleich Chef der Bayerwald-Spielmannsvereinigung ist. Er habe sogar "Angst, aktive Spielleute zu verlieren". Das fürchtet auch Peter Winter, Präsident des Bayerischen Blasmusikverbandes: "Die Jugend geht uns bald von der Fahne." Viele Laienmusiker fühlen sich von der Politik vernachlässigt. Die Corona-Hilfe des Freistaats, bis zu tausend Euro für jeden Verein, ändert daran wenig.

Sibler legt Lockerungsplan vor

Der Bayerische Blasmusikverband hat 200.000 Mitglieder, "aktive", wie Präsident Winter betont. Etwa so viele wie CSU und Freie Wähler zusammen. Das lässt auf ein gewisses politisches Gewicht der Laienmusiker schließen. "X-Mal" habe sein Verband in München vorgesprochen und Vorschläge gemacht, um wieder musizieren zu können, sagt Winter. Die Ungeduld ist groß. Winter erwartet, "dass sich jetzt endlich was tut".

Heute soll Kunstminister Bernd Sibler (CSU) einen Lockerungsplan vorlegen. Damit hatte das Kabinett ihn vorige Woche beauftragt. Demnach sollen "Laien- und Amateurensembles" wieder Proben und sogar Auftritte machen dürfen. Auf Nachfrage von BR24 kündigt Sibler an, "wir ermöglichen Chören, Orchestern und Schauspielensembles im Laienbereich unter umfassenden Infektionsschutzmaßnahmen wieder den Einstieg in den Probenbetrieb". Details wollte der CSU-Politiker vorab nicht nennen. Es fällt aber auf, dass er nur von Proben spricht. In seinem Auftrag von voriger Woche ist ausdrücklich auch von "Auftrittsmöglichkeiten" die Rede.

BR24 überträgt die Pressekonferenz nach der heutigen Kabinettssitzung live um 13 Uhr.

Konzerte wohl abhängig von Inzidenz-Werten

Es wäre im Sinn der Musikvereine. Spielmannschef Haidn würde gern "Standkonzerte im Freien" geben. Außerdem erhofft er sich "Probebetrieb, wenn möglich auch innen, zum Beispiel in Schulen, Aulen, Vereinsheimen". Den Musikern müssten zudem kostenlose Schnelltests zu Verfügung gestellt werden. Blasmusikverbands-Präsident Winter ersehnt Einzelunterricht, Satzproben mit mehreren Trompeten und Hörnern – "zumindest schrittweise" müsse das wieder möglich sein.

Absehbar ist, dass die Laienmusiker nicht nur Schutzmaßnahmen werden einhalten müssen. Sondern dass sie nur dort musizieren dürfen, wo die 7-Tage-Inzidenz stabil unter 100 liegt. Also dieselbe Voraussetzung, unter der ab heute auch Theater und Kinos wieder öffnen dürfen.

Lüften, lüften, lüften

Wie gefährlich es ist, sich in der Nähe von Trompetern oder Tuba-Bläsern mit Corona zu infizieren, ist nicht restlos geklärt. Im November hatte Matthias Echternach, Professor am LMU Klinikum München, zwar eine Studie dazu vorgelegt. Zusammen mit Musikern des BR-Symphonieorchesters hatte der Wissenschaftler die Verbreitung von Aerosolen untersucht. Ergebnis: Bei Trompetern waren die Atem-Wolken bis zu 0,9 Meter vom Mund entfernt. Bei anderen Musikern schossen die Aerosole bis zu eineinhalb Metern weit. Deshalb sei es wichtig, permanent zu lüften. Aber: Weitere Studien seien nötig.

Für die Lockdown-Abwägungen der Staatsregierung war indes nicht nur das Musizieren an und für sich ausschlaggebend. Wer Laienmusik macht, tut das auch um des Miteinanders willen. Kann jemand dabei eine Abstandsgarantie geben? Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sah jedenfalls keinen Verhandlungsspielraum, gemäß seinem Kurs von "Vorsicht und Umsicht". Jetzt gilt auch für Laienmusiker: Vorsicht und Zuversicht.

© picture-alliance/ dpa | Frank Leonhardt
Bildrechte: picture-alliance/ dpa | Frank Leonhardt

Wann dürfen Laienmusiker wieder wie früher auftreten? (Archivbild)

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!