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Lockerung der Sargpflicht in Bayern: Reaktionen aus Unterfranken | BR24

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Die Sargpflicht in Bayern wurde gelockert: "Aus religiösen und weltanschaulichen Gründen" dürfen Menschen künftig in einem Leichentuch beerdigt werden. Besonders muslimische Gemeinden hatten lange dafür gekämpft - zum Beispiel in Aschaffenburg.

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Lockerung der Sargpflicht in Bayern: Reaktionen aus Unterfranken

Die Sargpflicht in Bayern wurde gelockert: "Aus religiösen und weltanschaulichen Gründen" dürfen Menschen künftig in einem Leichentuch beerdigt werden. Besonders muslimische Gemeinden hatten lange dafür gekämpft – zum Beispiel in Aschaffenburg.

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Von
  • Barbara Ecke
  • BR24 Redaktion

Ohne Sarg, im Leintuch, ausgerichtet nach Mekka: So werden Muslime bestattet. Der Leichnam wird dabei bis zum Grab in einem Sarg getragen. Dann wird der Tote ohne Sarg in einem Leinentuch in die Erde gelegt. In Bayern waren Beerdigungen ohne Sarg bislang nicht möglich. Am 1. April ist aber eine geänderte Bestattungsverordnung in Kraft getreten. Sie erlaubt nun die Beerdigung in einem Leichentuch, "soweit öffentliche Belange dem nicht entgegenstehen", heißt es in einer Mitteilung des bayerischen Gesundheitsministeriums. Die muslimische Gemeinde am bayerischen Untermain begrüßt die Änderung der Bestattungsverordnung.

Ditib-Gemeinde Aschaffenburg begrüßt Änderung

Der Sprecher der Aschaffenburger Ditib-Gemeinde, Orhan Akdemir sagt, die Muslime hier in der Stadt Aschaffenburg und in den Landkreisen Aschaffenburg und Miltenberg hätten sich schon lange um Bestattungen ohne Sarg bemüht, das sei jetzt eine gute Nachricht. Akdemir hat sich schon bei Muslimen umgehört: "Einige haben wirklich gesagt, dann lassen sie sich lieber hier beerdigen, wo sie gelebt und gearbeitet haben – und nicht in der Türkei."

Kommunen entscheiden selbst über Sargpflicht

Städten und Gemeinden als Friedhofsträger bleibt es aber selbst überlassen, ob sie Bestattungen ohne Sarg zulassen. Eine BR24-Umfrage am bayerischen Untermain hat ergeben, dass einige Kommunen von der Änderung der Bestattungsverordnung noch gar nichts gehört hatten. Erst jetzt befassen sich Städte und Gemeinden mit der Frage. Aus dem Rathaus in Alzenau heißt es, man werde sich dieses Jahr noch damit auseinandersetzen. In Erlenbach, Kahl und Aschaffenburg gibt es noch keinen konkreten zeitlichen Fahrplan für eine Änderung der Satzung. Ob oder ab wann dort erste muslimische Bestattungen ohne Sarg stattfinden, steht noch nicht fest.

Warten auf Entscheidung der Kommunen

Michèl Schnabel, Sprecher des muslimischen Vereins Selam Mainfranken in Kitzingen freut sich grundsätzlich auch über die Änderung, sieht die Umsetzung aber noch kritisch: "Es kommt in den Kommunen darauf an, wer dort sitzt. Manche Leute sind offen für Bestattungen ohne Sarg, andere haben Vorurteile. Man muss jetzt abwarten, wie das umgesetzt und angenommen wird von den Ämtern." Schnabel meint auch, für einen modernen Staat im 21. Jahrhundert, in dem so viele Muslime leben, sei es eigentlich selbstverständlich, dass Bestattungen auch ohne Sarg möglich seien, wenn man schon über Religionsfreiheit spreche.

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