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Bildrechte: BR/ Joseph Weidl

Schon der erste Lockdown im vergangenen Frühjahr hatte kleinen Gastrobetrieben und Cafés Schwierigkeiten bereitet. Der erneute Lockdown macht die Lage nicht besser. So manches Café muss aufgeben - andere dagegen schlagen sich wacker durch die Krise.

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Lockdown: Vielen kleinen Gastrobetrieben und Cafés droht das Aus

Schon der erste Lockdown im vergangenen Frühjahr hatte kleinen Gastrobetrieben und Cafés Schwierigkeiten bereitet. Der erneute Lockdown macht die Lage nicht besser. So manches Café muss aufgeben - andere dagegen schlagen sich wacker durch die Krise.

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Von
  • Joseph Weidl
  • Veronika Scheidl

Im Mai 2020 hatte sich das Café Naschkatze in Neu-Ulm gerade auf die Wiedereröffnung nach dem ersten Lockdown vorbereitet. Jetzt, im Frühjahr 2021, hängen bunte Zettel an der großen Fensterscheibe. Es sind Abschiedsgrüße der Stammkunden: Denn die Naschkatze schließt für immer.

Kunden sind traurig über Café-Schließung

Am allerletzten Öffnungstag stehen noch einmal viele Kunden corona-konform Schlange - trotz Wind und Regenvorhersage. Sie wollen sich bei ihrem Lieblingscafé zum letzten Mal einen Kaffee zum Mitnehmen bestellen. "Es ist sehr traurig, dass die Naschkatze schließen muss, wie waren mehrmals die Woche hier zum Mittagessen, am Wochenende zum Frühstücken", sagt eine Kundin. Und eine andere Frau erzählt: "Die Naschkatze war für mich und meine Familie wie ein zweites Zuhause."

Drinnen schäumt Besitzer Marc Milch für einen seiner letzten Cappuccinos auf. Ein Interview vor dem Mikrofon möchte er heute nicht mehr geben und auch nicht die Details nennen, warum die Naschkatze die Krise nicht überstanden hat. Der Corona-Lockdown ist einer der Gründe, warum das Café schließt. Aber Marc glaubt, dass es die Naschkatze noch geben würde, wäre der zweite, aktuelle Lockdown nicht gewesen.

Kleine Gastrobetriebe haben es besonder schwer

Laut Gaststättenverband zieht jedes vierte Gastro-Unternehmen in Bayern eine Betriebsaufgabe in Erwägung. Haben es kleine Unternehmen besonders schwer? In gewisser Weise ja, bestätigt Bettina Seidl vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga in Neu-Ulm: "Die haben die Mieten nicht, die haben eine Familie dahinter stehen. Die haben die Schwierigkeit von der Psyche her: Wie lang halte ich das noch durch, wie lange halten das die Mitarbeiter durch? Das haben die Großen nicht", sagt Seidl.

Frühstück to go in Günzburg

Ortswechsel: Das Café "Herzdame" in Günzburg hat umgestellt auf Abholung und corona-konformes Catering – in Büros von Behörden oder für Privathaushalte. "Das war eigentlich schon eine Anfrage im ersten Lockdown. Da fand ich Frühstück to go noch sehr abwegig", sagt Café-Besitzerin Madeleine Le Claire. "Dann im zweiten Lockdown war das das erste, was wir gemacht haben und ich war doch sehr überrascht, wie gut das ankam."

Keine Öffnung an Ostern

Trotzdem würde Le Claire lieber über die Öffnung der Gastronomie sprechen, die sie für Ostern fest eingeplant hatte: "Wir wollten wieder eröffnen für Außengastronomie und Boxen to go. Wir haben uns schon auf die Sonne und die Leute gefreut und auf die Blumen auf der Terrasse. Aber das wird jetzt wieder gestrichen."

Hoffnung aufs Überleben

Le Claire wartet immer noch auf die Auszahlung der Soforthilfen. Was der Café-Besitzerin in der schwierigen Lage hilft und sie hoffen lässt, das sind die Kunden, die ihr viele Nachrichten hinterlassen. "Aber auch ohne die Unterstützung meines Vermieters hätte ich das so nicht tragen können."

Die Hoffnung, dass nicht nur die großen Ketten überleben, sondern auch ihr kleines Café irgendwann wieder aufmacht, die hat sie nicht verloren.

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