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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Britta Pedersen

Die Kultusminister diskutieren über das weitere Vorgehen an den Schulen. Regelbetrieb wird es nach den Ferien wohl eher nicht geben.

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Lockdown-Verlängerung: Was ist mit den Schulen?

Ein längerer Lockdown scheint sicher. Doch was bedeutet das für die Schulen? Eine einheitliche Linie zeichnet sich vor der heutigen Kultusministerkonferenz noch nicht ab. Auch die Koalitionspartner in Bayern sind sich offenbar noch nicht einig.

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Von
  • Irene Esmann

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) will nach den Ferien einen reinen Distanzunterricht. Denn man wisse einfach noch nicht, welche Auswirkungen die Feiertage und die Reiserückkehrer auf das Infektionsgeschehen hätten, so Söder. Lehrkräfte und Kinder dürften diesem Infektionsrisiko nicht ausgesetzt werden, sagte der bayerische Ministerpräsident im BR-Interview. Die Schulen nach den Ferien zu öffnen wäre "verantwortungslos", so der Ministerpräsident.

Piazolo hofft auf Wechselunterricht für die Jüngsten

Auch Kultusminister Michael Piazolo (FW) kann sich eine komplette Öffnung der Schulen nach den Weihnachtsferien nicht vorstellen. Anders als Söder sieht er aber offenbar die Möglichkeit für einen Wechselunterricht in den niedrigeren Jahrgangsstufen. Das würde heißen, dass etwa an den Grundschulen die Klassen geteilt und die Kinder dann abwechselnd in Präsenz unterrichtet werden könnten. Gerade für die jüngeren Schülerinnen und Schüler sei der direkte Kontakt mit den Lehrkräften durch keine Technik zu ersetzen, sagte Piazolo. Hier müsse man gründlich abwägen, eine klare Aussage machen könne er zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber noch nicht. Für besonders belastete Familien stellte Piazolo eine erneute Notbetreuung in Aussicht.

Kultusminister noch uneins

Auch die Länder untereinander sind sich offenbar noch uneins. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo berichtete dem Bayerischen Rundfunk aus seinen Gesprächen mit den Länderkollegen, dass diese je nach Infektionsgeschehen sowie dem spezifischen Prüfungs- und Ferienkalender zu unterschiedlichen Einschätzungen kämen. So seien die Zahlen in Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern niedriger als etwa in Sachsen oder Bayern, das habe womöglich Auswirkungen auf die Öffnung der Schulen. Der Freistaat sei von der Tendenz her besonders vorsichtig, so der bayerische Kultusminister. Er könne sich deshalb auch erst einmal einen bayerischen Sonderweg für die Schulen vorstellen. Wie der konkret aussehen könnte, ließ Piazolo offen und verwies auf die Beratungen.

Kitas und Grundschulen vorrangig

Den Bildungspolitikern geht es vor allem um die baldige Öffnung der Kitas und Grundschulen. So plädierte etwa Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) zumindest Grundschulen auf jeden Fall schon ab dem 11. Januar wieder zu öffnen. Dies hatte zuvor auch schon der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach angeregt. Und Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher sagte der "Welt am Sonntag", er erwarte vom Bund Informationen, "auf welcher wissenschaftlichen Grundlage beziehungsweise Datengrundlage er eine weitere pauschale Schließung von Kitas und Schulen fordert und wie er sich vorstellt, dass damit die wesentlichen Funktionen der Grundversorgung und medizinischen Behandlungskapazitäten aufrechterhalten werden sollen". Gesundheitsminister Jens Spahn hatte zuvor betont, Schulen und Kitas sollten zunächst geschlossen bleiben.

Meidinger: Vollständige Öffnung nicht zu verantworten

Auch die Lehrerverbände blicken gespannt auf die Beratungen der Kultusminister. Der Präsident der Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger ist dabei überzeugt, dass die Schulen auch nach Ende der Weihnachtsferien geschlossen bleiben. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk sagte er am Morgen:

"Es ist allen klar, dass bei dem jetzigen Infektionsgeschehen eine vollständige Öffnung der Schulen nicht verantwortbar wäre." Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, auf Bayern 2, radioWelt am Morgen

In den Schulen, so Meidinger, müsse verstärkt auf Abstand geachtet werden: "Wechselunterricht ist das Maximale, was möglich ist." Für Grundschulen und Abschlussklassen sei das ein denkbares Modell, "bei älteren Schülern wird es beim Distanzunterricht bleiben." Hinsichtlich der technischen Ausrüstung der Schulen kritisiert Meidinger die Politik. "In der Tat hat die Politik viel Zeit verschlafen, nicht so gehandelt, wie es notwendig gewesen wäre nach dem Lockdown im März." Mittlerweile sei man mit Leihgeräten für Schüler und einer relativ gut funktionierenden Lernplattform etwas besser aufgestellt, "aber es hakt natürlich noch. Mebis ist zusammengebrochen wieder mal. An der Hälfte der Schulen haben wir kein schnelles WLAN." Meidinger fordert deshalb einen "Masterplan", um die Defizite auszugleichen.

Ruf nach klaren Regeln

Nach Ansicht des Deutschen Realschullehrerverbands braucht es nun klare Regeln zu Wechsel- und Distanzunterricht, die dann abhängig von den Corona-Infektionszahlen gelten. "Präsenzunterricht bis 50, Wechselunterricht ab 50 und Fernunterricht ab 100" schlägt der Vorsitzende des Deutschen und des Bayerischen Realschullehrerverbands, Jürgen Böhm vor. Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, erklärte, der BLLV kämpfe weiter für Bildungsgerechtigkeit. Die Schulen direkt nach den Ferien zu öffnen sei dennoch "verantwortungslos", der Gesundheitsschutz gehe vor, so die BLLV-Präsidentin.

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