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Lockdown: Klamottenberge stapeln sich im Einzelhandel | BR24

© picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres

Einzelhändler mit Protest gegen die Corona-Maßnahmen des Bundes

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    Lockdown: Klamottenberge stapeln sich im Einzelhandel

    Schon jetzt türmen sich in Deutschland rund 300 Millionen unverkaufte Modeartikel in den Geschäften und Lagern der betroffenen Händler. Und der Einzelhandel wird auch für die Zeit des verlängerten Lockdowns weitestgehend geschlossen bleiben.

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    Von
    • Ilanit Spinner

    "Man würde mit dem Wissen von heute keinen Einzelhandel mehr schließen", das sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vergangenen September. Drei Monate später jedoch taten es die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten erneut. Mit Beginn des derzeitigen Lockdowns mussten die Geschäfte wieder schließen – und werden wohl bis mindestens 31. Januar geschlossen bleiben. Eine Katastrophe, sagt Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern.

    "Im Vertrauen auf die Politik haben die Händler Schals, Mützen, Pullover, Winterschuhe, Skiausrüstung bestellt und das liegt jetzt alles da. Das wichtige Weihnachtsgeschäft ist vorbei und den Händlern, denen das Wasser eh schon bis zum Hals steht, blicken nun auf volle Lager und wissen nicht wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen." Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern

    Und es gibt ein zusätzliches Problem: Denn obwohl die Lager noch voll sind, rollt bereits neue Frühjahrsware an. Schon während des ersten Lockdowns stieg die Nachfrage nach zusätzlichen Lagerkapazitäten. Viele Händler erkauften sich damit Zeit, denn die Ware konnte erstmal eingelagert werden. Laut Branchenexperten richten sich die Firmen außerdem darauf ein, liegen gebliebene Posten an Groß- oder Zwischenhändler zu liefern, die die Ware später etwa über Amazon Marketplace verkaufen oder nach Osteuropa bringen.

    Zunehmend auch größere Modehäuser betroffen

    Der verlängerte Lockdown stellt auch größere Modehäuser wie den Münchner Herrenausstatter Hirmer vor finanzielle und organisatorische Herausforderungen. Normalerweise ist der Januar ein umsatzstarker Monat, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Dass die Lager derzeit nicht komplett überquellen, liege vor allem am Online-Verkauf, der deutlich gestiegen ist. Zudem spende Hirmer mehr Ware als sonst an bedürftige Menschen.

    Nun startet auch Click & Collect in Bayern

    Ein kleiner Lichtblick für den gebeutelten Handel in Bayern: Seit diesem Montag ist Click & Collect möglich, also das Bestellen von Waren, die dann persönlich im Geschäft abgeholt werden. In anderen Bundesländern war der Service bereits erlaubt. Ein Tropfen auf dem heißen Stein, heißt es beim Münchner Traditionshaus Konen. Ab heute bietet man auch hier Click & Collect an, sagt eine Sprecherin. Doch das Online- oder Abholgeschäft fange bei weitem nicht das auf, was dem Modehaus im stationären Handel verloren geht. Das Münchner Modehaus Lodenfrey bietet Click & Collect gar nicht erst an.

    150 Millionen Euro Umsatzverlust - pro Tag

    Und anders als bei der Gastronomie gibt es außer Kurzarbeitergeld bislang keine finanzielle Hilfe vom Staat. Nicht nur bei Konen und Hirmer wünscht man sich daher mehr Unterstützung. Schließlich gehen dem Bayerische Einzelhandel derzeit 150 Millionen Euro Umsatz pro Tag verloren, betont Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern.

    "Dass, was uns bis jetzt von Finanzminister Olaf Scholz versprochen wurde, davon kommt nichts an. Er redet tagtäglich von Milliardenhilfen, aber in Bayern sind in diesem Jahr bis zu 8.000 Einzelhandelsgeschäfte gefährdet und fast 25.000 Stellen, wenn nicht schnelle finanzielle Hilfe kommt." Bernd Ohlmann, Handelsverband Bayern

    Und auch nach der Wiedereröffnung dürfte die Corona-Krise für den Einzelhandel längst nicht vorbei sein. Experten rechnen mit einer riesigen Rabattschlacht, sobald die Läden wieder öffnen dürfen. Gut für den Kunden – schlecht für das Geschäft – denn jedes heruntergesetzte Teil bedeutet weniger Einnahmen für die Händler in diesen schwierigen Zeiten.

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