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Bildrechte: BR/Johannes Hofelich

300 Augsburger Unternehmer fordern eine Exit-Strategie aus dem Lockdown. Die Betriebe bräuchten eine Perspektive. Vielen von ihnen steht das Wasser bis zum Hals. Sie befürchten eine Insolvenzwelle und wachsende Arbeitslosigkeit.

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Lockdown: Über 300 Augsburger Unternehmer fordern Exit-Strategie

Mehr als 300 Unternehmer aus Augsburg und Umgebung fordern eine "Exit-Strategie" aus dem Lockdown. Sie befürchten eine beispiellose Insolvenzwelle in den kommenden Monaten und sorgen sich um den Wirtschaftsstandort Augsburg.

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Von
  • Susanne Hofmann

Die mehr als 300 Mitglieder des Augsburger "Unternehmerkreises Zukunft in Not" eint eine große Sorge: Sie fürchten um die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in und um Augsburg. Nach vielen Monaten im Corona-bedingten Ausnahmezustand fordern sie eine Perspektive für die Unternehmen in Augsburg und Umgebung.

Unternehmer weinen am Telefon

Das Hangeln von einer Verlängerung des Lockdowns zur nächsten bringe viele Unternehmer in Existenznot, sagt ein Sprecher des Kreises, der Unternehmer Wolfgang Stieglitz, im Gespräch mit dem BR. Die Rücklagen seien aufgebraucht. Firmen aus allen Branchen, vom Einmannbetrieb bis zum Unternehmen mit 500 Mitarbeitern, sähen gewaltige Probleme auf sich und die Wirtschaft zukommen. "Viele Betriebe sind praktisch tot", sagt Stieglitz: "Bei uns rufen Unternehmer an, die heulen am Telefon."

Beispiellose Insolvenzwelle befürchtet

Man beobachte mit Sorge, dass Mitarbeiter zunehmend verunsichert seien. Auch ernsthafte psychische und gesundheitliche Auswirkungen in der Belegschaft nähmen zu.

Einige, wie zum Beispiel Gastronomen, Veranstaltungs-Unternehmer oder Friseure, stünden mit dem Rücken zur Wand. Da sei eine Insolvenz nur noch eine Frage der Zeit. "Wir stehen vor einer Insolvenzwelle, wie wir sie noch nie erlebt haben", sagt Stieglitz.

Unternehmer wollen Debattenräume öffnen

Andere Betriebe beschäftigten ihre Mitarbeiter seit vielen Monaten in Kurzarbeit. Sie blickten mit Sorge auf das Auslaufen der Kurzarbeiter-Regelung im Sommer. Man befürchte eine massive Zunahme der Arbeitslosigkeit im kommenden halben Jahr.

Mit den aktuellen politischen Maßnahmen, so schreiben die Unternehmer auf ihrer Homepage, sei man in einer Sackgasse angelangt: "Darum möchten wir zusammen mit der Politik Alternativen erarbeiten. Wir wollen Debattenräume öffnen, um mit Stadt-, Landes- und Bundesregierung und den Medien in einen respektvollen Austausch zu treten."

Unternehmerkreis: Rasche Exit-Strategie aus Lockdown

Einen Ausweg sieht der Unternehmerkreis nur, wenn die Politik die Sorgen der Unternehmer ernst nehme und rasch einen Ausweg aus den wiederholten Verlängerungen des Lockdowns fände, meint Stieglitz: "Es muss gegengesteuert werden - lieber gestern als heute." Auch wenn etliche Unternehmen der Region industrienah produzierten und nicht unmittelbar von den Corona-Maßnahmen betroffen seien, sehen die Unternehmer auch diese Betriebe mit jeder Verlängerung des Lockdowns zunehmend gefährdet.

Laut eigenen Angaben beschäftigen die gut 300 Unternehmer in und um Augsburg um die 6.000 Mitarbeiter und haben im Jahr 2019 zusammen rund eine Milliarde Euro Umsatz generiert.

OB Eva Weber: offen für ein Gespräch

Nach Angaben der Stadt Augsburg steht die Augsburger Oberbürgermeisterin Eva Weber einem Gespräch mit den Unternehmerinnen und Unternehmern offen gegenüber. Aktuell würden sich die Landräte der Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg abstimmen, um einen gemeinsamen Gesprächstermin mit den Initiatoren des Unternehmerkreises zu finden.

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